Crassula ovata (Mill.) Druce

Schön feucht!

© Marlis Gregg

Wenn Pflanzen Klimaanlagen ersetzen

"Ich hätte nie gedacht, dass das so gut funktioniert," erstaunt sich Claus Steinkuhl vom Mittelständler H. Gautzsch GmbH & Co. KG in Münster.

Vor einem Jahr hatte er sich für eine Raumklimatisierung durch Pflanzen entschieden und damit dem Einbau einer technischen Klimatisierung eine Absage erteilt.
Jetzt zogen die Unternehmen H. Gautzsch (Münster) und der ausführende Gärtner Markus Gregg (Nordkirchen), eine positive Zwischenbilanz.

Das Unternehmen Gautzsch mit 29 Standorten und 800 Mitarbeitern in Deutschland hat sich auf den technischen Großhandel von z. B. Elektromaterialien, Elektrogeräten, Leuchten oder Haushaltswaren und damit verbundenen Dienstleistungen spezialisiert.
"In einem Großraumbüro kamen durch Umstrukturierung 40 Mitarbeiter hinzu, da mussten wir etwas für die Raumluft tun," erklärt Projektleiter Claus Steinkuhl. Eine technische Raumluftverbesserung, etwa eine Klimaanlage, kam aber für uns aus verschiedenen Gründen nicht in Betracht." Die Idee kam vom Gärtner Die Lösung brachte Gärtner Gregg: "Wir haben zunächst durch Fragebögen die Rahmenbedingungen abgeklopft.

Anschließend hat ein spezialisiertes Ingenieurbüro errechnet, wie viele Pflanzen wir benötigen, um z. B. die Luftfeuchte am Arbeitsplatz im Rahmen der 40-60 % zu erhalten, welche der Gesetzgeber fordert," erläutert Markus Gregg. Rund 60 Pflanzgefäße wurden im Großraumbüro aufgestellt, was die Mitarbeiter anfangs kritisch beäugten.

Inzwischen sind sie vom Büro-Dschungel überzeugt und pflegen den als "unsere Pflanzen" mit Eifer.
"In unserem Stammhaus sind die Pflanzen eher vertrocknet," erinnert sich Claus Steinkuhl. "Jetzt aber pflegen die Mitarbeiter ihre Bio- Klimaanlagen sorgfältig, denn sie wissen, was sie an ihnen haben." Und er bestätigt: "Vor Einzug der Pflanzen hatten wir nur rund 27 % relative Luftfeuchte im Raum, jetzt liegen wir bei gesunden 45%".
Raumbegrünung zeigt Wirkung Nicht nur Großhändler Gautzsch, sondern auch andere namhafte Unternehmen wie etwa BMW (München) setzen auf Verbesserungen der Arbeitsbedingungen durch professionelles Grün.


In der Konzernverwaltung arbeitet man in der Abteilung Arbeitssicherheit an einem B M W - Raumbegrünungsstandard, um mittelfristig womöglich alle Konzernmitarbeiter in den Genuss von Grün am Arbeitsplatz kommen zu lassen.
Die Vorteile von Grün am Arbeitsplatz zu nutzen und weiter bekannt zu machen, das ist längst ein weltweites Thema. Die Initiative " Plants for people" (www. plants-for-people.org) unterstützt weltweit Forschungsarbeiten zum Thema und informiert die Öffentlichkeit über die Ergebnisse und deren Perspektiven. Das zeigt in der Praxis Wirkung. Bei Gautzsch wie bei BMW hat man mit Pflanzen das Thema "trockene Luft" in den Griff bekommen.
Trockene Raumluft entsteht gerade jetzt während der Heizperiode, wenn die Luft erwärmt, aber nicht befeuchtet wird. Mit dem Aufheizen sinkt die relative Luftfeuchte im Raum, weil warme Luft mehr Wasserdampf aufnehmen kann als kühlere. Dann sind trockene Kehlen, Atemwegserkrankungen, trockene Haut, müde Augen und auch die lästigen statischen Entladungen beim Anfassen metallischer Gegenstände sehr viel häufiger anzutreffen. Zudem entstaubt feuchte Luft den Raum, weil der Wasserdampf am Staub kondensiert, ihn beschwert und dadurch zu Boden drückt, wo er durch die Raumpflege entsorgt wird.

Klimaanlagen – klammheimliche Keimschleudern? Klimaanlagen und andere technische Befeuchtungsanlagen müssen sehr gut gewartet, ihre Filteranlagen stets sehr sauber gehalten werden. Sonst drohen Gebäudeverkeimungen, sogar mit den für den Menschen lebensbedrohlichen Legionellen, wie unlängst in England aufgetreten. Dort waren mehrere Menschen an den Folgen einer verkeimten Klimaanlage gestorben. Und auch hierzulande bemängeln Raumklimatologen den "aus Kostengründen" oftmals unzulänglichen Hygienezustand von Klimaanlagen.

Pflanzen hingegen gelten in Sachen Luftbefeuchtung als hochwirksam ohne Risiken: " Pflanzen verdunsten weit über 90 % ihres Gießwassers als reinen Wasserdampf. Weil die Befeuchtung also per Wasserdampf, nicht aber wie in Klimaanlagen durch feinste Wassertröpfchen, sogenannte Aerosole, geschieht, verbessern Pflanzen die Raumluft auf völlig unbedenkliche Weise. Vom richtig versorgten Pflanzsubstrat, vor allem von Hydrokulturen, gehen erwiesener Maßen ebenfalls keine pathogenen Keime in die Raumluft über."
Das sagt Bernhard Häring (Bad Birnbach), der für Gärtner Gregg das Gautzsch- Begrünungsprojekt klimatechnisch berechnet hat und ingenieurtechnisch verantwortet. Gautzsch handelt durchgrünt "Für uns spielt die gepflegte Begrünung des Unternehmens eine wichtige Rolle," erklärt Claus Gautzsch zu guter Letzt. "Wir haben das Betriebsgelände auch außen begrünt, denn wir legen viel Wert auf unser optisches Erscheinungsbild. An allen begrünten Gebäuden ist klar zu erkennen, dass sie zu uns gehören."

Aber wie reagieren die Kunden des Münsteraner Großhändlers auf das ungewohnte Bild?
Claus Steinkuhl: "Unsere Kunden kannten eine solche funktionale Begrünung in einem Großhandel bislang so nicht. Aber inzwischen wurde es rundum positiv aufgenommen." (MG)

Update: 18.01.2013 19:20:07