Die hängenden Gärten der Semiramis - Deutsche Gesellschaft für Hydrokultur e.V.

Die hängenden Gärten der Semiramis

© Wikipedia.org Beschreibung eines der sieben antiken Weltwunder
Die hängenden Gärten der Semiramis oder die hängenden Gärten von Babylon, wie sie heute korrekt genannt werden, lagen in der Stadt Babylon, die im Zweistromland im heutigen Irak lag. Sie sind eines der sieben antiken Weltwunder und wurden von Robert Johann Koldewey entdeckt und ausgegraben.

Die Gartenanlage kann allerdings gar nicht für Semiramis gebaut worden sein, da das ausgegrabene Areal Nebukadnezar II. zugewiesen wird, der etwa 200 Jahre später lebte als Semiramis.

Die hängenden Gärten waren auf einem Quadrat mit einer Seitenlänge von 100 m angelegt. Die Terrassen erreichten eine Höhe von circa 25 bis 30 m.


Die Hängenden Gärten der Semiramis


Die dicken Mauern und Pfeiler des Aufbaugerüstes waren überwiegend aus Brandziegeln hergestellt, und unter den einzelnen Stufenabsätzen sollen sich Gänge befunden haben. Die Etagenböden bestanden aus drei Lagen. Eine Lage aus Rohr mit viel Asphalt, darunter eine doppelte Lage aus gebrannten Ziegeln, die in Gipsmörtel eingebettet waren, und ganz unten dicke Platten aus Blei. So wurde ein Durchdringen von Feuchtigkeit verhindert. In den oben aufgebrachten Humus waren verschiedene Baumsorten eingepflanzt. Bewässert wurden die Gärten durch ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem aus dem vorbei fließenden Euphrat.


Die Beschreibungen, denen wir unsere Vorstellung dieser Gärten verdanken, gehen auf fünf Autoren zurück:
  • Auf den Chaldäer Berossos (* etwa 350 v. Chr.), dessen Werk Babyloniaka wir unter anderem daher kennen, dass der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus daraus ausführlich zitierte.
  • Auf Diodorus Siculus, der seine Beschreibung ungefähr in der Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. schrieb.
  • Auf den griechischen Mediziner Ktesias von Knidos, der um 400 v. Chr. in persische Kriegsgefangenschaft geriet und als Leibarzt am persischen Hofe des Königs Artaxerxes tätig war. Er hinterließ ein umfangreiches und streckenweise fantasiereiches Werk mit dem Titel Persika. Was er darin über Babylon schrieb, ist zwar weitgehend verloren, wird aber von Quintus Curtius Rufus zitiert.
  • Auf Strabon, einen griechischen Gelehrten, der im 1. Jahrhundert v. Chr. seine Geographice schrieb.
  • Auf Philon von Byzanz, der vermutlich um 250 v. Chr. wirkte und eine Art Reiseführer zu den Sieben Weltwundern schrieb.


Babylon lag in einer sehr trockenen Ebene des Zweistromlandes. Deshalb waren die prachtvollen grünen Gärten eine große Besonderheit.

Professor Kai Broderson hat die These aufgestellt, dass diese berühmten Gärten nie existierten, sondern dass Nebukadnezar II. einen unzugänglichen Palastgarten schaffen ließ, der in der Fantasie der Autoren der nächsten Jahrhunderte immer wunderbarere Formen annahm. Als Beleg dafür führt er an, dass diese Bauten bis heute nicht zufriedenstellend lokalisiert werden konnten, dass man dem Garten Bewässerungsformen unterstellte, die erst in der Zeit nach Nebukadnezar II. erfunden wurden und dass weder die zeitgenössischen babylonischen Texte noch Herodot von einem solchen Bau zu berichten wussten.
Update: 2012-10-16 00:00:00