Hoya

Spinnmilben

© Sabine Klingelhöfer

- klein, aber gefährlich -
Wenn man sie sieht, ist es schon fast zu spät: Die feinen, weißen Gespinste in den Blattachseln und an den Blattrippen weisen auf einen bereits starken Befall mit Spinnmilben hin. Zum Schluss können ganze Blätter, Triebspitzen und auch Blütenstände eingesponnen sein. Besonders beliebte Wirtspflanzen aus dem Hydrokulturbereich sind: Anthurium, Asparagus, Cissus, Codiaeum, Cyperus, Dieffenbachia, Dizygotheca, Dracaena, x Fatshedera], Fatsia, Ficus, Hedera, Hibiscus, Hoya, [i, Pisonia, Saintpaulia und verschiedene Palmen.

Die Verursacher der Schäden sitzen gut versteckt auf den Blattunterseiten und sind auf Grund ihrer geringen Größe von höchstens einem halben Millimeter nur mit einer Lupe deutlich zu erkennen. Dann sieht man zahllose kugelige bis zwiebelförmige Tierchen, die je nach Nahrung gelb bis grünlich, aber auch rötlich gefärbt sein können, weswegen sie von den Gärtnern auch "Rote Spinne" genannt werden. Die acht Beine der erwachsenen Tiere machen ihre Zugehörigkeit zu den Spinnentieren und nicht zu den Insekten deutlich. Es gibt verschiedene Spinnmilbenarten, die zwar nicht alle Gespinste fertigen, aber dennoch die Pflanzen stark schädigen können.

Schäden durch Spinnmilben
Die Spinnmilben stechen mit ihren Mundwerkzeugen die einzelnen Pflanzenzellen an und saugen sie aus. Dadurch wird das Blattgrün zerstört. Auf der Blattoberseite bilden sich zunächst nadelstichartige, gelblich-weißliche Sprenkelungen und Flecken, die mit der Zeit die ganze Blattfläche bedecken können. aus der Entfernung wirken die Blätter dann stumpfgrün bis gräulich, bis sie sich schließlich durch den ständigen Wasserverlust auf Grund der vielen Verletzungen ganz gelb verfärben und absterben. Hierdurch wird die gesamte Pflanze geschwächt. Leider wird ein Anfangsbefall oft übersehen, was dann fatale Folgen haben kann.

Schnelle Befallsentwicklung durch hohe Vermehrungsrate
Unter für sie optimalen Bedingungen wie hohen Temperaturen und niedriger Luftfeuchtigkeit ( Heizungsluft !) können sich die Spinnmilben explosionsartig vermehren: Die gesamte Entwicklung vom Ei über die 6-beinige Larve zum erwachsenen, vermehrungsfähigen Tier dauert nur eine Woche, wobei ein Weibchen im Laufe seines Leben 60 bis 80 Eier legen kann. In Innenräumen kommt es zu einer durchgehenden Generationenfolge ohne Winterpause. Draußen überwintern begattete Weibchen am Grunde ihrer Wirtspflanzen oder in anderen Verstecken.
Da die Spinnmilben sehr leicht sind, können sie durch Wind und andere Luftbewegung auch durch geöffnete Fenster auf die Pflanzen gelangen und sich im Bestand weiterverbreiten. Auch hier schafft die winterliche, trockene Heizungsluft beste Bedingungen für die Schädlinge.

Die Bekämpfungsmöglichkeiten
Die Bekämpfung der Spinnmilben ist auf Grund ihrer geringen Größe, ihres Vermehrungspotentials und ihrer Lebensweise nicht ganz einfach. Bei jeder Spritzung müssen die Pflanzen von allen Seiten, besonders auch von unten, tropfnass gespritzt werden, um alle Schädlinge zu erfassen. Die Behandlung muss mehrfach wiederholt werden, damit es einen sicheren Bekämpfungserfolg gibt.

Behandlungen mit Pflanzenschutzmitteln
Muss doch einmal gespritzt werden, sind Mittel wie Raptol SchädlingsSpray, Sprzit Schädlingsfrei, Neudosan Neu Blattlausfrei oder Bio Myctan Spinnmilbenfrei für die Behandlung in Innenräumen zugelassen.
Wichtig ist, die Blattunterseiten sowie die Blattachseln tropfnass zu spritzen, da nur die Tiere, die getroffen werden, auch absterben. Bestehen Zweifel an der Pflanzenverträglichkeit, sollte zunächst eine Probespritzung an einem Trieb vorgenommen werden.

Einsatz von Nützlingen bringt viele Vorteile
Gegenüber dem Einsatz von Spritzmitteln hat der Einsatz von Nützlingen gegen Spinnmilben viele Vorteile, sowohl für den Anwender als auch für die Pflanzen:
Es handelt sich um ein rein biologisches Verfahren, das auch gegen resistente Schädlinge wirksam ist. Es birgt keine gesundheitlichen Risiken und Unverträglichkeiten für Mensch, andere Tiere und die Pflanzen und belastet die Umwelt nicht, da keine schädlichen Rückstände entstehen. Die Umgebung der Pflanzen wird nicht durch Spritzmittelabdrift in Mitleidenschaft gezogen. Die Ausbringung der Nützlinge ist einfach und schnell, man benötigt keine speziellen Geräte oder Fachkenntnisse. Auch hohe Pflanzen, die mit Spritzgeräten nur schlecht zu erreichen sind, lassen sich leicht behandeln.

Einsatz von Raubmilben
Der Einsatz von Nützlingen gegen Spinnmilben ist sehr erfolgreich. Es handelt sich hierbei um Raubmilben (Phytoseiulus persimilis u.a.), die die Eier, Larven und erwachsenen Spinnmilben aussaugen. Obwohl sie kaum größer sind als ihre Beutetiere, können die sehr aktiven rötlich-braunen Raubmilben - rechtzeitig eingesetzt - einen Befall in 2-3 Wochen beseitigen, denn eine Raubmilbe kann pro Tag 5 ausgewachsene Spinnmilben oder 20 Eier bzw. Jungtiere vertilgen. Ihre Vermehrungsrate liegt bei ihnen zusagenden Bedingungen sogar noch über der der Spinnmilben. Die Entwicklung vom Ei über die grünliche 6-beinige Larve zur 8-beinigen, tropfenförmigen Milbe dauert dann nur 4 – 5 Tage. Die Räuber suchen die Pflanzen nach Spinnmilben ab, bis keine Nahrung mehr zu finden ist. Danach fressen sie sich gegenseitig oder verhungern. Da sie nicht wegfliegen oder auf andere Nahrung ausweichen können, belästigen sie auch keine Menschen oder Tiere. Durch ihre geringe Größe wirken die Raubmilben nicht störend.

Voraussetzungen für den Raubmilbeneinsatz
Damit die Raubmilben erfolgreich arbeiten können, müssen einige Bedingungen erfüllt sein:
— Tagestemperaturen nicht unter 16°C, am besten um 20°C, allerdings auch nicht dauerhaft über 32°C, da die Raubmilben sich sonst in die kühleren Bereiche am Fuß der Pflanzen zurückziehen, während die Spinnmilben im oberen, warmen Bereich bleiben.
  • Die Pflanzen sollten mehrfach pro Woche mit Wasser übersprüht werden, um ein Austrocknen der Raubmilbeneier zu verhindern. Raubmilben lieben allgemein eine höhere Luftfeuchtigkeit als Spinnmilben, so dass man auf diese Weise den Bekämpfungserfolg noch erhöhen kann.
  • Etwa 6 Wochen vor dem Einsatz kein Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Einige Präparate haben noch längere Wartezeiten, daher am besten Rücksprache mit dem Nützlingsbetrieb. Ausnahme: z.B. Neudosan und Promanal Neu können noch einen Tag, Raptol SchädlingsSpray oder Spruzit Schädlingsfrei bis zu drei Tage vor dem Einsatz ausgebracht werden.
  • Der Befall sollte im Anfangsstadium sein. Bei fortgeschrittenem Befall wird vor dem Raubmilbeneinsatz eine Spritzung mit einem nützlingsschonenden Mittel empfohlen.
  • Die Nützlinge müssen sofort nach der Ankunft ausgebracht werden. Eine Lagerung ist nicht möglich.


So bekommen Sie die Nützlinge
Raubmilben können vom Hobbygärtner über ein Gutscheinsystem im Fachhandel bestellt werden. Per Post werden die Nützlinge samt ausführlicher Gebrauchsanweisung dann unverzüglich vom Nützlingsbetrieb zum Anwender geschickt, im Winter allerdings nur bei Temperaturen über 5 °C. (SK)
Weitere Informationen: http://www.neudorff.de

(19.03.2007)
Update: 27.10.2011 00:00:00