Der Trend - Das Revival der Tischgefässe

Der Trend - Das Revival der Tischgefässe

© Gerhard Zemp
22.01.2021

Die Raumbegrünung spricht in den letzten Jahren über Trends wie Pflanzenwände und Raumteiler mit Echtpflanzen, stabilisierten Moosbildern in allen Formen und Farben, bei Bodengefäßen sieht man Themen wie Hecken, Gruppierungen, Reihungen.

Die Innenraumbegrüner in Europa posten in den sozialen Medien Solitärpflanzen, einzelne markante Pflanzen mit starker Silhouette in kiesbedeckten Fiberglas-Polyester- Gefäßen, meist Vasen, oder großen Bodengefäßen mit Fake-Oberflächen. Immer ohne Unterbepflanzung. Kaum einer merkt in den Fachkreisen oder nimmt wahr, dass sich das Sehnsuchtsbild der Zimmerpflanze wandelt.

Der unbemerkte Wandel des Sehnsuchtsbildes der Zimmerpflanze Während wir im Außenbereich von Biodiversität sprechen und Kiesgärten mit einer einzelnen Zypressengruppe als Insel darin allmählich in Gärtnerkreisen verpönt sind, fällt keinem auf, dass wir nach wie vor reine Kiesabdeckungen und andere Substrate ohne Bodenbedeckung zelebrieren und den Vorrang geben.

In den Köpfen der Nutzer und Verbraucher wird dies sehr wohl wahrgenommen. Das Sehnsuchtsbild der Zimmerpflanze als akkurat geschnittene oder gewachsene Zimmerpflanze im leichten Kunststoffgefäß mit Kiesabdeckung beginnt allmählich zu verblassen.

Die natürliche Schönheit des Unperfekten wird zu etwas besonderem. Die übergroße Zucchini, die nicht runde Kartoffel, verzweigte Karotten. Privatbalkone, Gärten, Rasenflächen und öffentliche Freiräume werden zu Wildblumenwiesen, Hecken werden vermehrt mit einheimischen Gehölzmischungen bepflanzt. Genau dieselben Bilder werden nun auch im Innenraum gesucht. In Trendmagazinen für Mode und Architektur sieht man das Phänomen der inszenierten Topfgärten, wo vermehrt Influencer und Otto Normalbürger stolz ihre Pflanzensammlungen zeigen:

Gruppen von kleinen und mittelgroßen Gefäßen mit Themensammlungen wie Sukkulenten oder wilde Mischungen von Blatt-Struktur und Blütenpflanzen. Größere Gefäßgruppen stehen als heterogene Gruppen auf dem Boden, kleinere werden auf Regalen und Fensterbänken gruppiert und aufgereiht.

Die Gefäße sind meist auf den ersten Blick unspektakulär und erst auf den zweiten Blick richtig zu erkennen. Ein Merkmal der Sammlungen ist, dass die Gefäße ob inszeniert oder natürlich entstanden unterschiedliche Größen, Formen, Farben und Oberflächen enthalten.

Spannend ist, dass die Zimmer- Gartenkultur selbst gezogene Pflanzen mit ihrer ursprünglichen, natürlichen Wuchsform und Pflanzen generell als neues Schönheitsideal sieht. Die Zimmerpflanze, welche durch ihr Wachstum zum Licht aus der gärtnerisch strengen Form wächst, wird erst dadurch zur Persönlichkeit.

 Vergessen und belächelt - Die gemischten Schalenbepflanzungen
“aplantis“ entdeckte auf den Spuren der Geschichte der “Hydrokultur“ das früher bedeutende Tischgefäß mit den Mischbepflanzungen. Tischgefäße wurden in den letzten Jahren kleiner und kleiner und verkamen immer mehr zu reinen Accessoires.

Wie bei den Bodengefäßen wird eine einzelne Pflanze in ein knappes Gefäß gepflanzt: Lieblos, fantasielos, eine Phalaenopsis- Orchidee, steif, unnatürlich an einen Stab gefesselt. Billig, die Marge nicht mehr interessant für den Fachhandel. Vergessen waren die großzügigen, üppig gemischtentischen und Sideboards, den stolzen Arrangements auf dem Empfangsmöbel.

Einzig die Floristen haben letzteres Feld noch bespielt. Schade, findet Gerhard Zemp von “aplantis“. «Neu, frisch inszeniert zeigen die Tischgefäße ihr großes Potential! ».

Der neue heimliche Star:
Das Kleingefäß “aplantis“, das kreative Team aus Bern begann sich vertieft mit dem Thema Tischgefäße auseinanderzusetzen.

Es untersuchte die Nachteile der heutigen Tischgefäße und das Potential. Daraus entwickelten sie in einem zweiten Schritt neue Formen, Größen und zeitgemäße Oberflächen. Im Artikel der letzten Ausgabe “Hydrokultur intern“ wurde die nachhaltige Gefäßkollektion Connect von “aplantis“ für “Interhydro Luwasa“ vorgestellt.

Diese Gefäßgruppe wird zurzeit mit einer Tischkollektion ergänzt. Die neue Tischgefäß-Generation unterscheidet sich einerseits von heutigen Kleingefäßen durch die nachhaltigen, natürlichen Materialien und Oberflächen. Zurück zu den Wurzeln: Keramikgefäße verkörpern mit ihrem archaischen Ausdruck den neuen Zeitgeist. Das Material wird gezeigt, gar inszeniert: Anstelle von pulverbeschichteten Oberflächen mit deckenden Farben, wird die ursprüngliche Struktur bewusst offen gezeigt. Farbige Oberflächen werden mit Naturpigmenten erreicht und verstecken das darunterliegende Material nicht.

Die Tischgefäße werden von “aplantis“ bewusst in einer neuen Größe gestaltet. Ein wichtiger Schritt: Sie kommen weg vom Geschenkartikel und Accessoirese und nehmen selbstbewusst den Raum ein, bilden neue Silhouetten im Gegenlicht. Gefäßgrößen von 30, 40, 50cm Durchmesser werden zu einem Statement. Auch fachlich gesehen dient uns dies für wirtschaftliche Gießintervalle.

“aplantis“ gestaltete mit wenigen Formen neun einzelne Gefäße, welche im Zusammenspiel mit und ohne Stapelung unzählige Kombinationen zulassen. Das Spiel von flachen Schalen und hohen schlanken Gefäßen ergibt eine zufällig anmutende Sammlung, welche jede Zimmerpflanze mit ihrem natürlichen Charakter inszenieren lässt.

Ein wichtiger Aspekt ist, dass der Nutzer in seiner privaten wie in der Arbeitswelt selber die Gefäße immer wieder neu zusammenstellen kann. Dies baut eine neue verstärkte Beziehung zur Zimmerpflanze auf. Einfache Systeme, wie die “Hydrokultur“ lassen zu, dass die Töpfe auf einfache Art immer wieder neu bepflanzt werden können.

Die trendigen Kleingefäße werden im Raum auf Augenhöhe des Betrachters inszeniert. Neue Kombinationen von immergrünen, natürlich gewachsenen Blattpflanzen und Gräsern mit kleinen unscheinbaren Blütenpflanzen zeigen neue Pflanzenbilder.

“aplantis“ ist überzeugt, dass wir als Fachleute wieder mehr Blütenpflanzen in die Wartungs- und Pflegekonzepte mit hineinnehmen sollten. Blütenpflanzen wecken Emotionen, “sprechen“ den Betrachter direkt an, schaffen Nähe zur Natur, faszinieren. Pflegeverträge mit regelmäßigem Austausch von Blütenpflanzen schaffen für uns wirtschaftlichen Mehrwert und hinterlassen sichtbare Spuren

unserer Anwesenheit, was die Rechtfertigung des Pflegebudgets erleichtert. Der Raumbegrüner wird wieder mehr wahrgenommen und bleibt mit einer saisonalen Blütenpflanze im Gespräch.

Der Einstieg in eine wertige, nachhaltige Innenraumbegrünung wird für den Berater durch kleinformatige Gefäße erleichtert. Für dasselbe Budget bekommt der Nutzer mehr mobiles Grün auf Augenhöhe. Das Fazit von Gerhard Zemp: »Wir sind überzeugt, dass das neue Tischgefäß zum neuen Trend wird. Es passt zum Zeitgeist: Nachhaltig, divers, mobil!«

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