Laudatio des Geschäftsführers - Deutsche Gesellschaft für Hydrokultur e.V.

Laudatio des Geschäftsführers

© Stefan Hecktor Ehrung "die urbanisten" für die Schaffung neuer Perspektiven in urbanen Lebensräumen

Heute vergibt die "Deutsche Gesellschaft für Hydrokultur" zum zweiten Mal den "Günter Gregg-Preis", benannt nach dem "Begründer der Hydrokultur", Gärtnermeister Günter Gregg (*03.08.1924 in Dortmund, † 04.08.2013 in Nordkirchen). "Wir teilen seine Überzeugung, dass "Hydrokultur" für Pflanze und Mensch heute das Beste ist", so DGHK-Präsident Carsten Stakalies, "und wollen nach seinem Vorbild querdenken, über den Tellerrand schauen".

Und genau das ist "den urbanisten" gelungen, sie haben neue Perspektiven in urbanen Lebensräumen geschaffen.

Aber, wo kommen wir eigentlich her, wer sind wir eigentlich: die Deutsche Gesellschaft für Hydrokultur"?
Warum machen wir das eigentlich, wir kommen z. Z. von der Raumbegrünung, wo liegen unsere Wurzeln?

Im Jahre 1951 hat Prof. Paul Röszler die Forschungsstelle für erdelosen Pflanzenanbau gegründet, heute würde man sagen, für urbanen Gartenbau. In den 60er, 70er, 80er Jahren hat sich das dann so entwickelt, dass es schwerpunktmäßig zur Pflanzenhaltung im Privatbereich kam. Der Verein wurde dann auch umbenannt in die "Deutsche Gesellschaft für Hydrokultur".
1999 gab es dann den großen Umbruch, es wurde ein neuer Präsident gesucht, Günter Gregg war schon jahrelang Mitglied der DGHK und in seiner beruflichen Karriere der wichtigste Pionier der Hydrokultur. Sein Hauptaugenmerk war natürlich auf den Zierpflanzenbau im Innen- und Außenbereich gerichtet. Schöne Planzen in attraktiven Gefäßen mit einem Langzeitbewässerungssystem, das hat er dann auch als Präsident mit in die DGHK eingebracht. Was gab es noch in dieser Zeit, das war das "Euro-Forum" in Weihenstephan. Und dort hat er dann auch den Wissenschaftler aus Geisenheim überzeugt, in dem Verein aktiv mitzuwirken. Ab 2002 war dann Udo Stock der Präsident, der das genau in diesem Sinne weitergeführt hat.

Wer sind wir? Wir sind Liebhaber, wie z.B. Frau Erika Sojka aus Lemgo, die jahrelang den Arbeitskreis OWL (Ost-Westfalen Lippe) um Günter Eggers geleitet hat, dann Enthusiasten, wie z.B. Herbert Mosel aus Berlin, der mit seiner Internetseite "Hydrotip" Aufsehen erregt hat, dann korrespondierende Mitglieder, wie Journalisten, Wissenschaftler, wie Prof. Röszler, Prof. Penningsfeld, Prof. Meir-Schwarz, Dr. Röber, Dr. Strauch  und Dr. Molitor, nun, und nicht vergessen die Raumbegrüner.

Vor Jahren haben wir uns dann noch den Untertitel gegeben: "Netzwerk für professionelle und private Raumbegrünung". Netzwerk bedeutet einfach Kontakte zu pflegen, Informationen weiterzugeben und wir wollen die "Hydrokultur" nicht zu eng fassen, wir wollen nach links und rechts schauen und uns immer an unsere Satzung erinnern: "Sammlung und Auswertung wissenschaftlicher Erkenntnisse und praktischer Erfahrungen, die mit der Kultur erdeloser Pflanzen verknüpft sind. (§ 2)" Querdenken ist somit angesagt, um nicht in alten Strukturen hängen zu bleiben, und wie machen wir das?

Das wichtigste Medium sind unsere Vereinsmitteilungen "Hydrokultur intern". Wir geben 3 Zeitungen pro Jahr heraus, es erscheinen grundsätzlich die aktuellsten Informationen rund um das Thema "Hydrokultur". In der letzten Ausgabe war natürlich das Schwerpunktthema: der "Günter Gregg-Preis"! Diese Version unserer Vereinsmitteilungen gibt es seit 2001. Es lässt sich leicht nachvollziehen, dass unglaublich viel an Informationen und Wissen so veröffentlicht worden ist und damit das nicht alles im Archiv verstaubt, haben wir das in unsere Homepage www.dghk.net eingepflegt. Eine der wichtigsten Inhalte unserer Homepage ist die Literaturdatenbank, die Dr. Molitor aufgebaut hat. Sie ist einzigartig, diese Fülle an Informationen findet man sonst nur in den Archiven wissenschaftlicher Bibliotheken. Uns findet man natürlich auch in den "Sozialen Medien".

Das Hauptevent im Geschäftsjahr ist die Mitgliederversammlung, die mit einem entsprechenden, unseren Anliegen angemessen Rahmenprogramm durchgeführt wird. Um sich einen Eindruck darüber zu verschaffen, muss man die entsprechenden Rubriken auf unserer Homepage aufrufen.
Und das beschäftigt die DGHK derzeit: "Back to the roots" ist heute dafür das Schlagwort: "Hydrokultur" in der Raumbegrünung – Vertikale Begrünung – Hydroponik!

2016 wurde der ideelle "Günter Gregg-Preis" ins Leben gerufen: Günter Gregg war ein Visionär und der "Pionier der Hydrokultur", sein Leben lang hat er seine Mission vertreten und war ein Verfechter des "Original Hydrokultur-Systems".

Was lag da näher, als diesen Preis nach solch einem "Gärtner", so hat er sich selber immer genannt, wenn er sich irgendwo vorgestellt hat, zu benennen.

Wenn der erste Preisträger ein Zeitgenosse und Mitstreiter von Günter Gregg war, Wilhelm Höfer, Eislingen, so ist es fast selbstverständlich heute "die urbanisten" zu ehren. Sie vertreten genau das, wofür das sich Günter Gregg immer und immer wieder eingesetzt hat: lokal – kreativ – lebendig.
Ihr Hauptanliegen, Pioniergeist besteht darin, versiegelte Flächen wieder für die Pflanzenproduktion zu verwenden.

"Die urbanisten" betreiben seit 2012 ein 20m² Gewächshaus. Obst und Gemüse werden in "Hydrokultur" in Blähton gezogen, bewässert als Ebbe-Flut-System mit Aquaponic (Wasser aus Fischteich).
Sie sind ein Bestandteil des Netzwerkes "proGIreg" – "productive Green Infrastructure for post-industrial urban regeneration". Im proGIreg-Projekt werden in den Städten Dortmund, Turin und Zagreb (Front Runner Cities) so genannte natur-basierte Lösungen (nature-based solutions) zur Aufwertung post-industrieller Standorte geplant, umgesetzt und bewertet. Was in Soest, FHS Südwestfalen, von Rolf Morgenstern, einem Mitarbeiter von Prof. Dr. Lorleberg, betreut wird. 2016 wurde eine Urbanisten-Aquaponikanlage im Schulbiologischen Zentrum im botanischen Garten Dortmund aufgebaut, 2020 sind 2x 350m² Gewächshäuser auf der ehem. Fläche der Kokerei Hansa als Reallabor für Gemüsebau für die lokale Gastronomie und Mietflächen für Gemüsebau von Bürgern geplant und in der Fertigstellung.

Darum die wohl passendsten Preisträger : Nils Rehkop, Jan Bunse und Rolf Morgenstern!

Günter Gregg war Gärtner aus Leidenschaft und wollte das bestmögliche Pflanzenhaltungssystem für die Pflanzen schaffen, er wollte es nicht nur für die Pflanzen, sondern auch für die Menschen! Darum war er so ein Verfechter des "Original Hydrokultur-Systems", nicht aus ideologischen Gründen, sondern weil das der Stand der damaligen Technik war! Nicht das ist das Beste, was wir heute haben, sondern das, was wir morgen haben. Bloß nicht stehen bleiben, weiter forschen und suchen.

Und genau das haben wir mit Ihnen, "die urbanisten" gefunden. Herzlichen Glückwunsch!

Update: 2019-12-21 11:19:05