Mitgliederversammlung 2018 - Teil 1 - Deutsche Gesellschaft für Hydrokultur e.V.

Mitgliederversammlung 2018 - Teil 1

© Jochen Euler "Bildungsstätte Gartenbau in Grünberg" — Ein Ereignis der besonderen Art

Vom 13. bis 15. September 2018 trafen sich die Hydrokulturfreunde und Mitglieder der "Deutschen Gesellschaft für Hydrokultur e.V."  zu ihrer Mitgliederversammlung im nordwestlichen Vogelsberg, in Grünberg.

 

Ursprünglich war ja Frankfurt geplant, nur, wie so häufig, machten die besonderen Events der Messestadt uns einen Strich durch die Rechnung.

So wichen wir auf das Bildungszentrum des Gartenbaus aus und stellten trotzdem Frankfurt als spannenden Erkundungsort in den Mittelpunkt, denn der Freitag war diesem Event vorbehalten.

Grünberg ist vielen Hydrokultur-Fachleuten ein wohlvertrautes Reiseziel, allerdings nicht um Urlaub zu erleben, sondern um sich im Rahmen der Hydrokultur-Seminare fortzubilden.

Auf für uns stand die "Hydrokultur" im Mittelpunkt, wir wollten uns nicht fortbilden, sondern wir wollten einmal nachsehen, ob und wie "Hydrokultur" in einer "sehr grünen Großstadt", in Frankfurt auch eine Rolle spielt. Interessant war nämlich, dass unser Internet-Experte, Dirk Jendreck, Berlin während seines Berichtes zu unserer Internetseite, genau das erwähnte: Jedes Mal, wenn ein Artikel über "Vertikale Begrünung" – Grüne Wände" -

"Grüne Stadt" auf der DGHK Internetseite erscheint, verdoppeln, verdreifachen sich die Zugriffszahlen. Ein Thema, welches uns vermuten lässt, dass z.Z. im Sinne der DGHK-Satzung "Zurück zu den Ursprüngen – back too the roots" lauten müsste. Im Juni 1954 gründete Prof. Röszler die " Forschungsstelle für erdelose Pflanzenzucht" und sogar in der Satzung steht heute: "… Kultur erdeloser Pflanzen". So beziehen sich die Inhalte der Hydrokultur-Seminare heute mehr auf das Teilgebiet: Innenraumbegrünung und die Kultur von (Zier-)Pflanzen in anorganischem Substrat, in der Regel Blähton.

So war der Anreiseabend auch davon geprägt, all die Gespräche zu führen, die ein ganzes Jahr "schlummern" mussten; aber auch die ersten Kontakte zu den möglichen neuen Mitgliedern und Freunden der Hydrokultur zu knüpfen. Standartgemäß findet im Vorfeld noch eine Präsidiumssitzung statt, denn auf der Mitgliederversammlung bleibt für solche verwaltungstechnischen Vereinsfragen in der Regel keine Zeit mehr übrig.

Bevor nun der offizielle Stadtführer das Mikrofon übernehmen konnte, berichtete Stefan Hecktor noch über die vielleicht kleinste Metropole weltweit, denn Frankfurt hat z.Z. rund 700 000 Einwohner. Durch die politische Entwicklung, Brexit, etc. ist Frankfurt zur Pendler-Hochstadt aufgestiegen, da bezahlbarer Wohnraum für "Normalverdiener" praktisch nicht mehr zu finden ist.

|bilder|9142|9143|9144]Frankfurt nennt sich auch "Stadt der Bäume", denn "Die grüne Stadt" mit allen Variationen der vertikalen Begrünung steht ganz weit oben auf der Planungsliste, so werden wir noch das "grüne mobile Zimmer" sehen. Unser erstes Ziel: "THE SQUAIRE", ehemals "Airrail Center Frankfurt", die Überbauung des ICE-Bahnhofes. Dort erwartete uns unser Mitglied Kai-Uwe Funk, der für die Innenbegrünung verantwortlich ist.

Die Idee der Architekten war, im großen Atrium, das wir besichtigt haben, sollten große Gärten mit Bäumen und der entsprechenden Unterbepflanzung und Sitzgruppen entstehen, ein Palmenhaus ähnliches Artium.

In den Diskussionen mit dem Raumbegrüner stellte sich heraus, dass die Statik des Gebäudes solche Attraktionen gar nicht zuließe. Und so musste man sich den Gegebenheiten anpassen; der Komplex ist praktisch ein in die Horizontale gelegtes Hochhaus und in dem mittleren Bereich, in dem auch die Palmenhausgärten angelegt werden sollten, verläuft unter den Bodenplatten die gesamte technische Versorgung des SQUAIRE. Der Boden ist freischwebend und die Platten decken nur die Schächte ab. So sind sogar in der drastisch reduzierten, realisierten Variante, auch die Baumhöhen wegen der Bewegungs- und Feuermelder begrenzt. Von dem Gesamtkonzept sind 53 Großbäume, Ficus binnendijki 'Amstel King' wegen der Verglasung,  und Bucida buceras L., schwarze Olive angeschafft worden. Die Gestaltung musste flexibel ausgeführt werden, sodass die Pflanzkübel der Bäume auf Rollen stehen, was wiederum Schwierigkeiten mit der Punktbelastung brachte, trotzdem sind schon 3 Granitplatten durch die variablen Bäume gesprungen. Die Kultur ist ein Mischverfahren aus "Semi-Hydrokultur" und mineralischem Substrat. Durch das ständig wechselnde Facility-Management kam und kommt es immer wieder zu großen Problemen und Ausfällen, so wurde die Versorgungsleitung ohne Ankündigung mit enthärtetem Wasser versorgt.

Beide Atrien sind für Veranstaltungen konzipiert, es finden Ausstellungen und sogar Konzerte statt. So gibt es einen Lastenaufzug, der sogar einen Maybach befördern kann, sodass es für den Transport der Bäume nie Probleme gegeben hat.

Das Objekt ist 5 Jahre alt, es sind 2 Rückschnitte durchgeführt worden, in den Sommermonaten ist oft die 3fache Masse an Blattmasse vorhanden, die unbedingt rausgenommen werden muss, weil sonst in den dunklen Wintermonaten es zu unverhältnismäßig hohem Blattfall kommen würde. Zweimal pro Woche ist der Pflegedienst im Haus, dadurch, dass auch Bürokomplexe mit betreut werden, ist die regelmäßige Kontrolle auch der Bäume des Atriums gewährleistet. Durch den ständigen Security-Dienst hält sich der Vandalismus doch sehr in Grenzen. Bewässert wird direkt aus dem Leitungssystem, denn in das 120 l - Gefäß gehen im Sommer 120 l, der Schlauchwagen ist dann nur noch für die Düngerversorgung vorgesehen.

Durch die relativ niedrige Luftfeuchtigkeit kommt es immer mal wieder zu Schädlingsbefall, wenig Ärger bereiten Spinnmilben, etwas problematischer sind Wollläuse. Durch das internationale Publikum kommt es auch hin und wieder vor, das exotische Schädlinge eingeschleppt werden. Aufgrund dieser Problematik gibt es über jeden Baum ein Entwicklungsprotokoll, es gibt ein komplettes Monitoring über die gesamten 5 Jahre, um den ständig wechselnden Facitily-Unternehmen gerecht zu werden.

So haben wir uns nach fast 2 h aus dem SQUAIRE verabschiedet, unser Geschäftsführer überreichte noch die traditionelle Flasche "Nährlösung" aus dem Weinberg seiner Schwester und wir waren auf die nächsten Überraschungen gespannt.

Es ging dann durch Sachsenhausen, hier kann man gemütlich den Frankfurter "Ebbelwei" probieren. Leider sah unser Programm solch eine Extratour nicht vor. So peu à peu näherten wir uns dann dem Zentrum, vor uns lag der Kaiserdom St. Bartholomäus, der bis vor 80 Jahren das höchste Gebäude in Frankfurt war.

Weiter ging es über das "Museumsufer", an der ewigen Baustelle "Oper" vorbei, die für 805 Mill. € renoviert werden soll und näherten uns langsam der Altstadt, die im 2. Weltkrieg 1943 fast total zerstört worden ist und in den 50er Jahren wiederaufgebaut wurde.

Was es auf der "Exkursion Frankfurt am Main" weiterhin zu erleben gab, erfahren Sie in unserer Zeitschrift "Hydrokultur intern"  Nr. 01 - 2019!

(06.12.2018)

Update: 2018-12-07 09:24:32