Leuchten für die Pflanzenanzucht und Überwinterung - Deutsche Gesellschaft für Hydrokultur e.V.

Leuchten für die Pflanzenanzucht und Überwinterung

Zusatzlicht ist in der lichtarmen Zeit erforderlich, etwa bei der Anzucht von Pflanzen im Frühjahr oder bei der Überwinterung von Kübelpflanzen im Keller. Im gewerblichen Bereich dienen Leuchten in Verkaufsräumen zur Erhaltung der Pflanzen und zur verkaufsfördernden Präsentation. Das Angebot an Leuchten für die Zusatzbeleuchtung von Pflanzen in Innenräumen ist vielfältig. Es reicht von einfachen Glühlampen über Energiesparlampen, Leuchtstoffröhren bis hin zu modernen LED-Lampen.

Die Beurteilung der verschiedenen Leuchtmittel ist nicht einfach. So ist weniger die Beleuchtungsstärke in Lux (lx), als vielmehr der Anteil an photosynthetisch aktiver Strahlung (PAR) von Bedeutung. Weitere Kennwerte betreffen die Bestrahlungsstärke (W/m²), die Energieausbeute in Lumen (lm) pro Watt und die Farbtemperatur in Kelvin (K). Für uns sichtbar und als Licht bezeichnet (sonst nennt man es Strahlung) ist der Wellenbereich zwischen 380 (Violett) und 780 nm (Dunkelrot) mit den Farben des Regenbogens von Violett über Blau, Grün, Gelb und Orange nach Rot. Für die Pflanzen photosynthetisch nutzbar ist jedoch nur die Strahlung im Bereich zwischen 400 und 700 nm. An der Hochschule Geisenheim wurden im Auftrag des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und in Zusammenarbeit mit dem Landesbetrieb Landwirtschaft Hes sen 22 verschiedene Lampentypen auf ihre Eignung für die Jungpflanzenanzucht und zur Überwinterung von Kübel-Pflanzen getestet. Es handelte sich um Leuchten, die für Endverbraucher im Handel oder im Internet angeboten werden. Nicht einbezogen in die Untersuchung wurden Leuchten für die professionelle Anwendung in Industrie und im

Gewächshaus die mehr als 100 Watt Leistung haben. Eine repräsentative Auswahl (Tab. 1) soll nachfolgend vorgestellt werden. In den folgenden Abbildungen sind die in der Tabelle 1 vorgestellten Leuchten einzeln mit ihren Spektren und der Lichtverteilung dargestellt. Die Leuchte von Plantina (Glühlampe) (Paulmann) emittiert einen sehr hohen Anteil Energie über 700 nm (Wärmestrahlung), der für Pflanzen photosynthetisch nicht nutzbar ist. Die Oberflächentemperatur ist hoch und die Verbrennungsgefahr groß. Im Versuch mussten für ca. 2 m² elf Lampen installiert werden um die gewünschte Beleuchtungsstärke von 700 lx zu erreichen. Die daraus resultierende Leistungsaufnahme war mit über 800 Watt vergleichsweise hoch. Die Temperatur in Pflanzenhöhe war gegenüber den anderen Leuchten um 2 bis 3° C höher. Grundsätzlich ist die Lebensdauer von Glühlampen gegenüber den moderneren Lampentypen vergleichsweise niedrig. In unseren Versuchen betrug die durchschnittliche Lebensdauer nur etwa 1.200 Stunden. Bei einer Brenndauer von 12 Stunden täglich muss die Lampe nach 3 bis 3,5 Monaten ersetzt werden.

Bei vergleichenden Messungen mehrerer neuer Plantina - Lampen in einem Prüfstand wurden Unterschiede in der Lichtausbeute von bis zu 100 % zwischen den Lampen festgestellt.

Die Lichtfarbe der Osram Leuchtstoffröhe Lumilux Daylight ist neutral weiß und setzt sich aus einem weiten Spektrum verschiedener Farben zusammen. Der Anteil Wärmeenergie, oberhalb von 70 nm ist gering. Die Oberflächentemperatur der Lampe ist so niedrig, dass sie gefahrlos angefasst werden kann. Die Lichtverteilung ist durch die Lampenform bedingt über die Fläche relativ gleichmäßig.
(Osram T8 L 36W/865 LUMILUX Daylight G13 (früher 36W/11-765))
Das Licht der Energiesparlampe Megamann Plant Reflektor Pendel Set erscheint deutlich rot. Durch die kompakte Bauform ist die Lampenoberfläche noch heiß. Der Anteil an Strahlung oberhalb von 700 nm ist etwas höher als bei der Leuchtstoff röhre Lumilux Daylight.


Bei der Philip Master LEDtube ist die Lichtfarbe neutral weiß. Die Energieaufnahme ist die niedrigste im Versuch. Die Lampe ist an der Oberfläche nur leicht warm. Die Lichtverteilung ist durch die Lampenform bedingt über die Fläche relativ gleichmäßig und besser als bei der Leuchtstoffröhre.

Die Philips Green Power LED Pflanzenlampe zeigt einen deutlichen Rot - Pik unterhalb von 700 nm im Spektrum. Durch die kompakte Bauform ist die Oberflächentemperatur der Leuchte merklich warm. Die vorgestellten Lampen wurden im zeitigen Frühjahr zur Anzucht von Sommerblumen- und Gemüsejungpflanzen eingesetzt. Dazu wurde auf Tischen in einem Gewächshausverbinder auf einer Fläche von etwa zwei Quadratmetern möglichst gleichmäßig eine Lichtstärke von 700 Lux

eingestellt. Abhängig vom Lampentyp mussten unterschiedliche Anzahlen von Leuchten installiert werden. Die installierte Leistung als auch die PAR -Werte waren im Einzelfall entsprechend unterschiedlich (Abb. 1).
So war der PAR-Wert der "LED Green Power - Leuchte" deutlich höher als bei den anderen Leuchten und erklärt das deutlich bessere Pflanzenwachstum. Das relativ gute Ergebnis der Glühlampe dürfte durch eine höhere Blatttemperatur begründet sein.

Fazit
In den letzten Jahren hat sich auf dem Markt für Lampen enorm viel verändert. Die traditionelle Glühbirne wird durch Energiesparlampen und Leuchtstoffröhren sowie zunehmend durch LEDs verdrängt. Glühlampen sind normalerweise sehr preiswert. Bei der für den Hobbybereich überwiegend angebotenen Pflanzenlampe Plantina kostet eine Ersatzlampe (Leuchtkörper) allerdings auch 5,50 EUR ! Aufgrund der vorliegenden Untersuchung lohnt sich wegen der bedeutend besseren Lichtausbeute und der langen Haltbarkeit schon jetzt deren Ersatz durch die "LED Green Power" Leuchte von Philips. Der Preis dieser LED-Leuchten dürfte zudem weiter sinken.

{Manfred Fischer1; Dr. Heinz-Dieter Molitor1; Wolfgang Schorn2
1Hochschule Geisenheim University 2Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH)}

Update: 2015-11-23 09:13:01