Erdkultur - Langzeitsystem - Deutsche Gesellschaft für Hydrokultur e.V.

Erdkultur - Langzeitsystem

© Udo Stock e.K. Semi - Hydrokultur

Veranlasst durch die Besichtigungen der Raumbegrünungen in München und der "Akademie Schloss Hohenkammer" möchten wir das Problemfeld Semi - Hydrokultur ausführlicher darstellen.
Unser Präsident, Udo Stock, hatte uns seine Seminarunterlagen zur Verfügung gestellt, so dass wir uns nun schrittweise den schwierigen Fragen nähern können.

Ein Pflanze gedeiht optimal (nur) im System Original - Hydrokultur. Voraussetzung dafür sind die 3 Zonen im Wurzelbereich: Wasserführende Zone — Feuchtzone — Trockenzone!

Die Trockenzone ist für das Wachstum nicht nur wichtig, sondern entscheidend, denn die Pflanze atmet hauptsächlich über die Wurzeln. Das ist auch einer der Hauptgründe dafür, dass in Erde kultivierte Pflanzen eingehen, da dieser obere Humusbereich durch das permanente Gießen von oben zugeschlämmt wird, sich verdichtet und dabei oft eine Festigkeit erreicht, die an Beton erinnert!
Aber zurück zur Hydrokultur; zur Semi - Hydrokultur nach Udo Stock!

Erdkulturen — Langzeitsystem
Der nun folgende Bericht soll verdeutlichen, dass es möglich ist auch Pflanzen und Bäumen eine Chance aufs Überleben zu ermöglichen, wenn das vorhandene Know–How (Wissen und Können), um die Wachstums- und Lebensbedingungen der Pflanzen (Lebewesen) vorhanden ist und erfolgreich in die Praxis umgesetzt wird. Unser Besuch in der Akademie und die Fotos beweisen, dass dieser Versuch nicht nur gelingen kann, sondern geglückt ist und nach wie vor Betrachter in Erstaunen versetzt, wenn sie durch das Haus gehen. Allen Raumbegrünern, die in ihrer Praxis vielleicht schon auf ähnlich traurige "Geschöpfe" gestoßen sind, soll dieser Bericht neue Möglichkeiten aufzeigen und Mut machen, auch mal "andere Wege zu gehen", um unsere Umwelt ein bisschen freundlicher und fröhlicher zu gestalten.

Die Pflanzen im Objekt waren in einem sehr schlechten Zustand, es fehlte quasi an Allem:
  • Keine ausreichende Erde für eine Wurzelentwicklung, dafür als "Ersatz" ein Steingranulat
    • Ein verdichteter Wurzelballen ohne jede Möglichkeit zur Sauerstoffaufnahme (Bild 1)
    • Abgestorbene und verfaulende Wurzelreste durch eine schlechte Wasserversorgung
    • Schlechte Lichtverhältnisse, oder vielmehr gar kein Licht
    • Schwere Gefäße, quasi nicht händelbar durch das verfüllte Lava- und Tuffgestein.



Um die großen Gefäße wesentlich zu erleichtern wird eine Styroporeinlage von 25 cm Dicke eingebaut (Bild 3). Das Gefäßvolumen wird dadurch wesentlich verkleinert,die Pflanzkübel automatisch leichter und beweglicher. Das vermeidet auch in der Zukunft Schäden auf dem Holzfußboden! Hierbei ist zu bedenken, dass die Pflanzenwurzeln in erster Linie kein Tiefenwachstum, sondern ein Breitenwachstum benötigen.

Unter anderem wird - wie auch im Bild 3 zu sehen ist - ein Versorgungsschacht eingebaut, der bis zum Gefäßboden reicht. Dieser Versorgungsschacht ist nicht nur für die Aufnahme des Wassers zuständig, sondern auch zur Aufnahme von Dünger und Pflanzenschutz. Weiterhin wird ein Wasserstandsanzeiger ergänzt, siehe Bild 4, der jederzeit und genau die momentane Nährlösungshöhe anzeigt. Dieser Wasserstandsanzeiger kann auch in der Zukunft nicht vom Wurzelwachstum beeinträchtigt werden, da keine Wurzel an ihn heran kommen können. Ihn notfalls auszutauschen wäre auch eine sehr einfache Angelegenheit.


Das später zugeführte Wasser über den Versorgungsschacht - in diesem Langzeitsystem- beträgt ca. 4 cm Höhe, gemessen oberhalb des Styropors. Damit nun die Pflanze nicht im Wasser steht, wird wie in Bild 5 zu sehen, Tongranulat aus der Hydrokultur (Körnung 8 bis 16 mm) auf eine Höhe von ca. 10 cm eingebracht. Dieses Tongranulat ist sehr leicht, transportiert Wasser und Nährlösung und speichert es, um es bei Bedarf abzugeben. Man spricht auch hier von einer guten Puffereigenschaft. Damit ist der Bereich der Nährlösungszone abgeschlossen.

Der nächste Schritt betrifft die Feuchtzone, nicht Nasszone. Wie bekannt, befindet sich nur in diesem Bereich das Wurzelwachstum - das Breitenwachstum, wie bereits erwähnt.

Bevor Erde ins Gefäß gegeben wird, musste durch ein Vlies (Bild 6) sichergestellt werden, dass keine Erde die gute Durchlüftung unseres Tongranulates gefährden kann.


Bild 7 zeigt die eingebrachte Erde und die eingestellte Pflanze. Hier bekommt die Pflanze, was sie dringend brauchte und ihr auch zusteht: Erde. Hier wird die Erde in diesem Moment nur eingefüllt, nicht festgedrückt. Ist reichlich Erde eingefüllt(Bild 8), wird unser Vlies in Richtung Baum zurückgeschlagen.

Dadurch entsteht zwischen Erdballen und Gefäß ein Zwischenraum, der wiederum mit gebrochenem Tongranulat - auch aus der Hydrokultur - aufgefüllt wird. Hiermit erreichen wir eine gute Sauerstoffzuführung zum Wurzelballen und um ihn herum. (Bild 9)

Ist das Gefäß mit Erde und Granulat gefüllt, wird mit Wasser unser Wurzelballen und das neue Erdreich richtig eingeschwemmt (Bild 10). Es ist auch das letzte Mal, dass von oben gegossen wird.


Die letzte Arbeit besteht darin, die Trockenzone zu gestalten. Hier werden die letzten 5 cm mit dem vorhandenen Granulat aufgefüllt und abgerundetes Bimssteingranulat aufgelegt, welches aber nur der schönen Optik dient. (Bild 12)

Das System Erdkulturen – Langzeitsysteme erfüllt genau die drei Bedingungen der Hydrokultur:
  • Der eingewickelte Erdwurzelballen bleibt trocken und locker, die Pflanze kann über den Wurzelbereich atmen
  • Somit kann auf gar keinen Fall Erde/Humus in die wasserführende Zone / Nährlösung gelangen, da sich andernfalls sofort Nitrat in Nitrit umwandelt, die Nährlösung "umkippt",
    diese Brühe riecht nicht mehr sehr angenehm, sie ist für die Pflanze tödlich
  • Der trockene Wurzelballen schimmelt nicht, nur im feuchten Humus können Schimmelsporen gedeihen


(23.09.2012)

 
Update: 2015-10-24 11:20:23