Lantana camara L.

Perspektive Stadt

© Jochen Euler

Wie werden wir zukünftig wohnen, leben und arbeiten?

Seit gut zwei Jahren verfolgen wir ein Thema, das eigentlich laut Satzung zu den grundlegenden Aufgaben und Zielen der DGHK gehört: "inFarming" (inFarming)!

Diesen Arbeitstitel des Fraunhofer - Institutes UMSICHT in Oberhausen möchten auch wir übernehmen, um ohne Umschweife auf des "Pudels Kern" zu kommen.

Wie weit sind wir eigentlich noch von diesen Erkenntnissen und Einsichten entfernt?

Als wir vor zwei Jahren den Sachbearbeiter von Fraunhofer - UMSICHT, Herrn Volkmar Keuter, fragten, wie er denn die tatsächlichen Chancen einer Realisation dieser Erkenntnisse einschätzen würde, antwortete er mit einem Achselzucken.
Und so sind wir ja auch im Januar das erste Mal nach Venlo gefahren, um so ein angeblich realisiertes Projekt zu erleben, zu besichtigen. Wir haben davon berichtet und darauf vertraut, dass wir zur FLORIADE, der Welt – Garten - Expo erfolgreicher sein würden; aber weit gefehlt!

Was uns da präsentiert wurde, waren die multimedial aufgearbeiteten wissenschaftlichen Erkenntnisse, die nach unserem Verständnis nur von weltfremden Einsiedlern stammen konnten. Die ausführlicheren Darstellungen haben wir an anderer Stelle vorgestellt.

Um unser Anliegen aber nicht so im "Venlo`er Sande" versinken zu lassen, möchten wir auf einen Beitrag des "Grünen Presse Portal" zurückgreifen, den wir für diesen Artikel leicht gekürzt haben!

Jede Minute werden in Deutschland etwa 300 Quadratmeter Fläche versiegelt. Mehr als die Hälfte der Deutschen wohnen schon heute in Städten, in 25 Jahren werden sogar 80 Prozent der Menschen in Städten leben! Andererseits beklagen Städte einen zunehmenden Wegzug von Bürgern und Geschäften. Vor allem in den Innenstädten macht sich ein Phänomen breit, das unter dem Schlagwort der "schrumpfenden Stadt" diskutiert wird. Wohnungen stehen leer und es finden sich keine Mieter, insbesondere Familien mit Kindern ziehen weg, einerseits aus Kostengründen, aber auch, weil die Innenstädte mehr und mehr an Wohnqualität verlieren. Die Bedeutung dieser Entwicklung kann nicht hoch genug gewertet werden, schon zeigen sich weitreichende ökonomische, aber auch soziale und ökologische Konsequenzen. Städte leiden unter einer fortschreitenden Verödung der Innenstädte.

Die Situation der Städte ist komplex und ebenso sind die Lösungsansätze. Ein ganzes Bündel davon kam schon bei dem Symposium "Perspektive Stadt", das Ende Juni 2005 auf der Bundesgartenschau in München stattfand, auf den Tisch.
Eins ist sicher: Die Herausforderungen, die sich aus dem demografischen und gesellschaftlichen Wandel sowie aus wirtschaftlichen Zwängen ergeben, lassen sich nur durch eine intensive Zusammenarbeit von Politik und Verwaltung, Architektur, Wirtschaft, Wissenschaft sowie Bürgerinnen und Bürgern meistern. Deutlich wurde auch, dass die Stadtentwicklung wesentlich von der Gestaltung von Freiflächen abhängt und dass hierbei vor allem Grün in der Stadt gefragt ist.



"Grün ist wichtig für die Adressbildung"
Bürger besinnen sich neu auf ihr direktes Wohnumfeld und suchen nach Möglichkeiten der Mitgestaltung. Gerade in der perforierten Stadt werden Bilder und Haltepunkte wichtig, denn gleichzeitig mit einer den Alltag bestimmenden Globalisierung entwickelt sich ein neues Bedürfnis nach Örtlichkeit. Es entstehen neue Nachbarschaften, die Zusammenhalt in veränderten Lebenssituationen bieten.

Dieter Cordes vom Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen betonte, dass die Grünflächen für die Mieter ebenso wichtig seien wie Bad und Küche in der Wohnung: "Der Außenraum ist heute der erste Teil der Adresse."
Neue Stadtlandschaften benötigen Abwechslung statt Monotonie und Nachbarschaften statt anonymer Siedlungen. Hieraus ergeben sich klare Vorgaben für die Städteplanung und für die Zusammenarbeit von Bürgern, Kommunen und lokaler Wirtschaft.

So leisten Pflanzen unter anderem wesentliche Beiträge zur Verbesserung der Luftqualität und zum Klima in der Stadt und wirken positiv auf das soziale Miteinander. In öffentlichen Parks und Grünflächen verbringen die Bürger ihre Freizeit und nutzen sie für sportliche Zwecke, zur Erholung und als Treffpunkt. Insbesondere für alte Menschen und Kinder sind öffentliche Grünflächen unverzichtbare Orte in Städten. Andererseits: Bürger wissen oftmals nicht genügend über ihre Möglichkeiten zur Beteiligung an den anstehenden städtebaulichen und politischen Entscheidungen. Notwendig ist deshalb zunächst eine intensive Information der Bürger.

Die grüne Stadt erzeugt Experimentierfreude
Die Dimensionen des aktuellen Perspektivenwechsels zeigten sich auch bei der Diskussion über verschiedene Nutzungsformen des öffentlichen Raums. Neue Freiräume, die durch Rückbau entstehen, bieten das Erleben einer neuen Weitläufigkeit und schaffen neue Stadtbilder. Die Konzepte reichen von temporären Inszenierungen durch Künstler, die Impulse setzen für die künftige Stadtgestaltung, bis hin zur Freigabe von Flächen für Anwohner, die sich den öffentlichen Raum im besten Sinne erobern können. Undine Giseke, Professorin für Landschaftsarchitektur und Freiraumplanung an der TU Berlin, stellte das "Urban gardening" als neue Bewegung vor. Es entstehen "neue Urwälder in der Stadt", die als Experimentierflächen dienen. Oder Grünflächen, die als interkulturelle Gärten gestaltet werden und die Integration von Bürgern erleichtern.
Jede Krise bietet neue Chancen!

In diesen Zusammenhang müssen wir auch die Anfrage über das Internet einordnen, die genau in dieser offenen Bresche einzuordnen ist!
"Sehr geehrter Herr Mosel, ich bin bei einer Internetrecherche auf Ihre umfangreiche Informationsseite zum Thema der Hydrokultur gestoßen.
Es scheint, als wäre das Thema etwas "aus der Mode" gekommen zu sein, findet man doch nur wenig fundierte Informationen zu diesem Thema.

Eine kleine mediale Wiederbelebung erlebt das Thema jedoch derzeit durch die aus den USA kommenden "windowfarms" Windowfarms)

Vielleicht wäre dies ja auch ein Thema für Ihre Seite? Mich würde Ihre Expertise interessieren. Ich spiele mit dem Gedanken, Kräuter auf diese Art und Weise anzupflanzen, und frage mich, ob verschiedene Kräuter mit ihren unterschiedlichen Ansprüchen an Wassermenge überhaupt für Hydrokultur - und für diese kaskadenartige Konstruktion überhaupt geeignet sind."


Da es zu unseren Prinzipien gehört, solche Anfragen möglichst postwendend zu beantworten, habe ich mich spontan hingesetzt, um so ein paar grundlegende Gedanken zur Hydrokultur aufzuzeigen.

"Sehr Damen und Herren,
Hydrotip und die Deutsche Gesellschaft für Hydrokultur – DGHK- sind sehr eng mit einander verbunden, darum auch von mir eine Antwort!
Wir werden dieses Thema mit in unsere nächsten Vereinsmitteilungen als Internet -Tipp aufnehmen. Wenn Sie dieses Thema interessiert, dann gehen Sie auf unsere Seite (www.dghk.net)!

"inFarming" ist für uns seit gut 2 Jahren wieder ein riesiges Thema.
Bereits auf der Mitgliederversammlung der DGHK im April 1996 in Kempen hat uns Prof. Meir Schwarz aus Israel dieses Thema sehr kompetent und anschaulich vor Augen geführt.

Israel betreibt seit Mitte des letzten Jahrhunderts fast seinen gesamten Erwerbsgartenbau in Hydrokultur, weil es dort eben sehr viel Wüste, anorganisches Substrat gibt und kaum Humus!

Genau dieser Gedanke war der Grundtenor auf dem Symposium: Perspektive Stadt, im Juni 2005. "Die Grüne Stadt erzeugt Experimentierfreude": Wie will man eine Stadt mit Pflanzen begrünen, wenn alle Freiflächen zubetoniert sind; das funktioniert nur mit Hydrokultur, "inFarming"!


Dass nicht nur "einsame Spinner" dieser Idee nachgehen, zeigt dieses erneute Beispiel der "windowfarms".
Selbst auf dem amerikanischem IPM - Stand 2012 war dieses "windowfarms" nicht vertreten.

Vielleicht ein weiteres Puzzle -Teilchen auf dem Weg zur "Grünen Stadt", in der sich die Menschen wieder wohl fühlen!

(07.06.2012)

Update: 02.01.2013 13:48:50