Gloriosa superba L.

Der Botanische Garten der Universität Breslau

Der Botanische Garten befindet sich im ältesten Teil Breslaus. Sein südwestlicher Rand liegt auf Ostrów Tumski, der Dominsel.
Die Universität Wroclaw – Breslau feiert in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag.
Aus diesem Anlass hatte Frau Hanna Grzeszczak-Nowak die Deutsche Efeu-Gesellschaft zu ihrer Mitgliederversammlung nach Breslau eingeladen.


1974 wurde der Botanische Garten in das Denkmalregister der Stadt Breslau aufgenommen. Seine Fläche beträgt 7,4 ha und die Zahl der Taxa ca 12.000 Stück.

Der Garten wird von charakteristischen Landschaftselemente geprägt:
  • ein großer Teich (Überrest des Oderaltwassers),
  • ein Glashauskomplex (zweite Hälfte des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts),
  • das geologische Profil des Kohlenreviers von Walbrzych (Waldenburg) (1856)
  • und ein Teich mit einer Seerosensammlung.


Der Ursprung des Botanischen Gartens geht auf die Eroberung Breslaus (1807) durch die französische Armee unter Führung Hieronim Bonaparte, dem Bruder von Napoleon Bonaparte, zurück.

1811 schenkte dann der preußische König Friedrich Wilhelm II. eine der entstandenen Parzellen der ehemaligen Stadtbefestigung der neu gegründeten Universität Breslau, ein Zusammenschluss der ehrwürdigen Jesuitenakademie Leopolidina mit der aus Frankfurt/Oder verlegten Universität Viadrina.

Dieses Datum gilt als Gründungsurkunde des Botanische Gartens.
Seine ersten Leiter waren Prof. Franz Heyde und Heinrich Friedrich Link. Unter ihrer Führung planierte und umzäunte man das Gelände, baute die Orangerie und auf 1/3 der Fläche pflanzte man Bäume, Büsche und Stauden.

Der verdienstvollste Direktor war unumstritten Prof. Heinrich Robert Göppert. Er verlieh dem Garten den Rang eines modernen wissenschaftlichen und didaktischen Zentrums.

Zu seiner Zeit (1852-1884) konnte man den Garten jeden Tag mit Ausnahme von Sonn- und Feiertagen besichtigen. Die Ausstellungsglashäuser wurden modernisiert, die Pflanzen mit Etiketten versehen. In regelmäßigen Abständen wurde der Gartenführer für die Besucher überarbeitet und veröffentlicht.

Auch die nächsten Jahre brachten Veränderungen, die noch bis heute sichtbar sind. Das fundamentalste Element jedes Botanischen Gartens ist die Darstellung eines Klassifizierungssystems der Pflanzen.
Einer der berühmtesten Schöpfer eines solchen Systems ist Adolf Engler, Student und Doktorand von Prof. Göppert. In den fünf Jahren seiner Leitung gestaltete er die Pflanzensystematik gemäß seinem eigenen taxonomischen Konzept gründlich um. Diese Gliederung erhielt sich in den allgemeinen Grundzügen bis heute.

Nach 1945, als nach Breslau der Wissenschaftsteam aus Lemberg kam, entschloss man sich, den Botanischen Garten, der im Krieg zerstört worden war, zu sanieren.



Während der Verteidigung der Festung Breslau befand sich auf seinem Gelände das Munitionslager und ein Stand der Flakartillerie. Man begann den Garten zu ordnen. Man reinigte den Teich, begradigte seine Ufer, reparierte die Straßen und Umzäunung. Gleichzeitig traf man Vorbereitungen für die erste Anpflanzungen. Die Hauptinitiatoren des Wiederaufbaus waren Prof. Prof. Henryk Tele?yt?ski und Stefan Macko, welcher der erste Nachkriegsleiter des Gartens wurde. Dabei unterstützte sie Prof. Stanistaw Kulczy?fiski, Botaniker, Rektor der Universität und Technischen Hochschule in Breslau. Dank ihrer hartnäckigen Arbeit und des Engagements der Hochschulmitarbeiter, Studenten und Stadtbewohner, gelang es, den Garten in der Vorkriegsgestalt wiederaufzubauen.

In den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts entstanden neue Abteilungen:
  • die Pflanzenmorphologie
  • die Pflanzenbiologie sowie der
  • die Bodenzierpflanzen, und in den
  • 80er Jahren ein neues Gebäude mit einem Komplex von Labors und Forschungsgewächshäusern.

Der Garten verfügt über fünf prachtvolle Pflanzensammlungen:
  • Efeu (Hedera),
  • Gartenpfingstrose (Paeonia Iactifloro),
  • Seerosengewächse (Nymphaeaceae),
  • Ananasgewächse (Bromeliaceae) und
  • tropische Süßwasserpflanzen.


Heute fällt es nur schwer zu glauben, wenn man durch die Alleen des Botanischen Gartens spaziert, dass gleich nach der Stadtbefreiung kaum einer die Hoffnung auf die Wiederherstellung seiner ehemaligen Pracht hatte. Im letzten Kriegsjahr wurden alle Pflanzen in den Gewächshäusern und die Mehrheit der Kräuter im Freien vernichtet und der Baumbestand ist nur zu 50 Prozent erhalten geblieben.
Einen bescheidenen Eindruck vermittelt die Dokumentation: Botanischer Garten

Im heutigen Gartenaufbau kann man folgende Abteilungen unterscheiden:
  • Systematik der Pflanzen,
  • Bodenzierpflanzen,
    — Naturwissenschaftliche Erziehung mit einer Kletterpflanzensammlung,
  • Arboretum,
  • Steingarten,
  • Abteilung der Wasser-, Sumpf- und Treibhauspflanzen.


Am Tor des Haupteinganges ist Folgendes zu lesen:
"Ich grüße Dich, mein Freund, ich Dein alter Garten".

Der Botanische Garten der Universität Wroclaw besitzt eine Sammlung von 12 000 Arten und Sorten unterschiedlichster lebender Pflanzen, darunter die



Nationalsammlung der Gattung Efeu (Hedera).
Sie ist nicht nur die größte in Polen, sondern auch eine der reichsten in ganz Europa.

Sie entstand allmählich — im Jahr 1987 zählte sie weniger als 20 Sorten, jetzt besteht sie aus 17 Wildarten und -unterarten sowie über 550 Kultursorten. Größtenteils sind dies die Formen des heimischen Gewöhnlichen Efeus.

Die meisten können von den Besuchern bewundert werden, weil sie sich in einem Schaugewächshaus befinden, wo sie alphabetisch angeordnet sind. Andere wachsen in Töpfen in einem Sammlungsgewächshaus.

Es werden auch Introduktions- und Akklimatisationsforschungen durchgeführt, man beobachtet die genetische Veränderlichkeit der Art und entwickelt neue Kultursorten.

Die Schöpferin der Sammlung ist Dipl. -Ing. Hanna Grzeszczak-Nowak — die langjährige Leiterin der dendrologischen Abteilung des Botanischen Gartens Wroclaw und zugleich Inspektorin beim Arboretum Wojslawice.
Die Pflanzen werden von Urszula Krawczyk, seit 30 Jahren Gärtnerin im Botanischen Garten, gepflegt.
Einen kleinen Eindruck erhalten Sie durch die Efeu-Sammlung Botanischer Garten Breslau



Dieser Artikel stammt aus:
M. Chybalska, et al. (2009): Parks und Gärten von Breslau, und
Dipl. -Ing. Hanna Grzeszczak-Nowak, (Inspektorin beim Arboretum Wojslawice), Prof Dr. Tomasz Nowäk
(Direktor des Botanischen Gartens der Universität Wroclaw): Präsentation der Nationalsammlung der Gattung Hedera

(05.08.2011)

Update: 13.06.2018 09:09:00