Yucca guatemalensis Baker

Das Tulpen - Museum in Amsterdam



Ein Haus für des Niederländers liebstes Gewächs
Wer an die Niederlande denkt, der denkt meist auch an Tulpen. Dieser holländischen Nationalblume ist in Amsterdam ein kleines, aber feines Museum gewidmet. Das Tulpenmuseum liegt unweit des Anne-Frank-Hauses in der Prinsengracht. Zu den Exponaten gehören Fotos, historische Bilder und Videos, welche die Geschichte der Zwiebelblume von den wilden Anfängen über erste Züchtungen am Hofe des Sultans von Konstantinopel bis hin zum modernen Anbau erläutern. Direkt über dem Ausstellungsraum befindet sich ein kleiner Laden, der zum Bersten gefüllt ist mit Blumenzwiebeln und Tulpen-Souvenirs jeder Art.

Tulpen sind bei den meisten Menschen so beliebt, weil sie im Frühjahr als erstes die gesamte Palette der Farben wieder in die Gärten bringen. Darüber hinaus ist die Blume natürlich auch eines der stärksten Symbole für Holland und für die Stadt Amsterdam.
Tulpen-Freunde haben von ihren Reisen nach Zentralasien Fotos von wilden Tulpen mitgebracht. Die nördliche Region des Himalajas ist der wichtigste Lebensraum der Blumen. Etwa 60 Prozent aller Wildtulpen sind dort heimisch. Hier im Museum sieht man natürlich auch einige historische Fotos und Exponate. Die Geschichte des Tulpenanbaus in Holland lässt sich damit gut veranschaulichen.


Eine der schönsten Wildtulpe ist 'Clusiana Lady Jane', die ursprünglich aus Afghanistan stammt. Von den Gezüchteten ist besonders apart die 'Change up' – eine Sorte, die ihre Farbe ändert: Die Blütenknospe ist zunächst gelb, aber je mehr sie aufblüht, um so mehr wird ihre Farbe zu einem leuchtenden Orange. Außerdem darf die 'Marilyn' – eine rot-weiß geflammte Tulpe nicht fehlen. Sie ist die moderne Variante der berühmten 'Semper Augustus' Tulpe, die den ersten Börsencrash in der Geschichte ausgelöst hat.

Die Tulpe erreichte Holland um 1600, in einer Zeit als Holland eines der reichsten und wirtschaftlich stärksten Länder Europas war. Die seltenen Blumen wurden schnell zum Sammlerobjekt der Wohlhabenden. Teuer und begehrt waren vor allem die mehrfarbig geflammten Tulpen. Wenn man das Glück hatte, eine außergewöhnliche Sorte in die Hände zu bekommen, konnte man gutes Geld damit machen. Schnell wurde dann aber aus dem Handel reine Spekulation. 1636 wurde beispielsweise bei einer Versteigerung in Haarlem für drei Zwiebeln der Sorte 'Semper Augustus' die unglaubliche Summe von 10.000 Gulden gezahlt. Das entsprach in etwa dem Preis eines großen Kanalhauses in Amsterdam. Die Katastrophe kam, als einige Händler nicht mehr den Preis für die Blumenzwiebeln bekamen, auf den sie spekuliert hatten. Das hatte ähnliche Auswirkungen wie die Immobilienkrise, die vor 2007 in den USA ihren Anfang nahm. Die Spekulationsblase platzte, der Markt fiel wie ein Kartenhaus in sich zusammen und Tausende von Menschen waren ruiniert. Der Geschichte dieser Tulpomanie ist in unserem Museum ein besonderer Bereich gewidmet.


Und diese 'Semper Augustus' Tulpe gibt es heute nicht mehr!
Tulpensorten haben nur eine bestimmte Lebensdauer. Es ist fast unmöglich eine gezüchtete Sorte zu finden, die älter als 100 Jahre ist. Außerdem wurde damals, in der Zeit des Barocks, die Mehrfarbigkeit bei den Tulpen durch einen Virusinfekt hervorgerufen. Das weiß man aber erst seit einigen Jahren. Heute sind es dagegen Züchtungserfolge, die für das Farbspiel der Blütenblätter verantwortlich sind. In Holland ist es heute streng verboten, Tulpen mit einem Virusinfekt im Freiland anzubauen. In England – wo es nicht so eine große Tulpenindustrie gibt, der die Viren gefährlich werden könnten – gibt es einige Hobbygärtner, die immer noch mit infizierten Pflanzen experimentieren. Von dort bekomme ich ab und zu ein paar ausgefallene Exemplare für unser Museum.(aus IZB)



Ergänzende Ausführungen über die Geschichte der Tulpen finden Sie unter: Tulpen aus Instanbul von Hydrotip und einen tabellarischen "Lebenslauf" der Tulpe unter: Die Tulpe - tulipa der Fachschule für Gartenbau, Schönbrunn.

(11.03.2011)

Update: 31.03.2018 16:41:27