Der Einsatz von Nützlingen - Deutsche Gesellschaft für Hydrokultur e.V.

Der Einsatz von Nützlingen

Ist ein Schädlingsbefall an den Pflanzen festgestellt, können nützliche Insekten eingesetzt werden. Dabei handelt es sich um ganz bestimmte Insekten, Milben und Nematoden, die auf das Vertilgen der jeweiligen Pflanzenschädlinge spezialisiert sind. Sie können im Zimmer, im Wintergarten, im Gewächshaus und teilweise sogar im Freien angewendet werden.

Vorteile des Nützlingseinsatzes
  • Rein biologisches Verfahren
    Keine Gefährdung von Mensch, Haustier oder Pflanze
    Keine schädlichen Rückstände auf Pflanze oder Erde
    Keine Umweltbelastung
    Keine Einhaltung von Wartezeiten beim Einsatz an Gemüse notwendig
    Schnelle Anwendung ohne zusätzlichen Aufwand oder spezielle Geräte
    Vorhandene Nützlinge werden geschont


Keine Angst
  • Nützlinge können nur den Schädlingen gefährlich werden, nicht den Menschen oder den Pflanzen.
    Sie sind so klein, dass sie mit bloßem Auge kaum zu erkennen sind.
    Sind die Schädlinge gefressen, sterben auch die Nützlinge ab. Sie wenden sich also nicht anderen Nahrungsquellen zu.
    Räume können normal gelüftet werden. Da die Nützlinge selbst ein Interesse daran haben, in der Nähe ihrer Nahrung zu bleiben, fliegen sie nicht davon.
    Durch den Nützlingseinsatz wird unsere heimische Fauna nicht beeinträchtigt.


Voraussetzungen für die Nützlings-Anwendung
  • Nach der Anwendung chemischer Präparate muss mit dem Nützlingseinsatz mindestens sechs Wochen gewartet werden (Ausnahme: Neudorff-Präparate wie Neudosan, Neu Blattlausfrei oder Promanal Schild- und Wolllausfrei).
    Einsatz beim allerersten Auftreten der Schädlinge.
    Zumindest tagsüber sollten 16 bis 18 grd C herrschen, (für Nematoden sind 12 grd C Bodentemperatur optimal).
    Sofort nach Eintreffen der Nützlinge müssen sie ausgesetzt werden. Eine Lagerung ist nicht möglich (Ausnahme: Nematoden eine Woche im Kühlschrank).


Die Nutzlingsarten

Räuberische Gallmücken gegen Blattläuse
Das Weibchen der Räuberischen Gallmücke (Aphidoletes aphidimyza) legt ihre Eier gezielt in Blattlaus-Kolonien ab. Die geschlüpften Larven saugen die Blattläuse aus. Eine Larve kann bis zu 1 00 Blattläuse vertilgen. Gallmücken können nicht in Hydrokultur und nicht an einzeln stehenden Pflanzen eingesetzt werden, da sie für ihre Entwicklung Erde brauchen. Beim Einsatz im Winter ist eine zusätzliche Beleuchtung notwendig.

Raubmilben gegen Spinnmilbe
Die erwachsenen Raubmilben (Phytoseiulus persimilis) sind ebenso groß wie die Spinnmilben, aber viel beweglicher. Sie saugen die Spinn¬milben aus. Täglich kann eine Raubmilbe 5 erwachsene Spinnmilben oder 20 Eier und Jungtiere aussaugen. Sie brauchen eine möglichst hohe Luftfeuchte, um sich optimal entwickeln zu können.

Australischer Marienkäfer gegen Wollläuse
Australische Marienkäfer (Cryptolaemus montrouzieri) werden gegen Woll- und Schmierläuse eingesetzt. Sowohl die erwachsenen Käfer als auch die Larven vertilgen Wollläuse. Die Larven der Marienkäfer sehen den Wollläusen sehr ähnlich, sind aber größer und beweglicher Auch sie fressen Wollläuse. Ein Käfer kann im Verlauf seiner Entwicklung ca. 300 Woll- und Schmierläuse vertilgen.

Schlupfwespen gegen Weiße Fliegen
Die Weibchen der Schlupfwespen (Encarsia formosa) legen ihre Eier ins Innere der Larven von Weißen Fliegen. Daraus schlüpft die Schlupfwespen-Larve. Sie frisst die Weiße Fliege-Larve von innen her auf. Die vormals weiß gefärbte Larve färbt sich dadurch schwarz. Aus der abgetöteten Larve schlüpft die erwachsene Schlupfwespe, und der Kreislauf beginnt von neuem. Eine Schlupfwespe kann ca. 100 bis 300 Weiße Fliegen abtöten. Beim Einsatz im Winter ist eine zusätzliche Beleuchtung notwendig.

Florfliegen gegen Blattläuse und Thripse
Die Larven der Florfliegen (Chrysoperla carnea) packen Blattläuse, Thripse und andere kleine Insekten mit ihren Mundzangen und saugen sie aus. Eine Larve lebt etwa 3 Wochen und vertilgt in dieser Zeit bis zu 500 Blattläuse oder andere Schädlinge. Danach verpuppt sie sich, und aus der Puppe schlüpft das erwachsene Tier. Da sich die Erwachsenen von Pollen und Nektar ernähren, fliegen sie davon und suchen Blüten auf. Im Sommer können die Florfliegen auch im Freien eingesetzt werden.


HM-Nematoden gegen Dickmaulrüssler und Gartenlaubkäfer

HM-Nematoden (Heterorhabditis megidis) sind Fadenwürmer von 0,1 mm Länge. Sie werden auf den befallenen Boden gegossen. Im Boden dringen sie in die Larven der Schädlinge ein und töten sie ab. Die Larven färben sich dadurch rotbraun und zersetzen sich anschließend.

Die Nematoden müssen eingesetzt werden, wenn Schädlingslarven im Boden vorhanden sind. Das ist bei Dickmaulrüsslern meist im April/Mai und im August/ September der Fall. Die Behandlung muss 2 Jahre in Folge durchgeführt werden. Gartenlaubkäfer sollten zwischen Juli und September bekämpft werden.

Die Bodentemperaturen sollten über 12 °C liegen, damit die Nützlinge optimal wirken können. Bei niedrigeren Temperaturen gehen die Nematoden in ein Ruhestadium über und werden erst wieder aktiv, wenn die Temperaturen ansteigen. Sie sterben aber nicht ab.

SC-Nematoden gegen Maulwurfsgrillen und Wiesenschnaken
Die SC-Nematoden (Steinernema carpocapsae) dringen im Boden in die Larven von Maulwurfsgrillen und Wiesenschnaken sowie in die erwachsenen Maulwurfsgrillen ein und töten sie ab. Bester Einsatzzeitpunkt ist der Mai, denn dann sind die Larven vorhanden, und die erwachsenen Maulwurfsgrillen befinden sich in der Nähe der Bodenoberfläche. Die Bodentemperatur sollte über 12 °C liegen, damit die Nematoden optimal wirken können. Die Behandlung sollte im Folgejahr wiederholt werden.

SF-Nematoden gegen Trauermücken
Die nützlichen SF-Nematoden (Steinernema feltiae) wirken gezielt gegen die Larven der Trauermücken ("Schwarze Fliegen")‚ die vor allem bei jungen Pflanzen großen Schaden verursachen können. Die Nematoden werden auf den Boden gegossen. Dort dringen sie in die Larven der Trauermücken ein und töten sie ab.
Die Larven verfärben sich daraufhin cremigweiß und liegen oft auf der Bodenoberfläche. Eine einzige Behandlung ist in der Regel ausreichend.


Tabelle Nützlinge



(13.07.2010)
Update: 2010-10-25 00:00:00