Das Hydrokultur System

Das Hydrokultur System

13.07.2010
und zukünftige Produktinnovationen

Dieser Beitrag ist ein kleiner Ausschnitt über die Entwicklungsgeschichte der Hydrokultur, seit ihren Anfängen in der Antike bis in die jüngste Gegenwart, die unter dem Blickwinkel der rasanten Zunahme über das Wissen der Pflanzen, die Anwendung neuer Ideen, Techniken und die Herstellung neuen Zubehörs steht. Weiterhin gibt es Überlegungen, wie das Zubehör, auch Systemkomponente genannt, veränderten Marktanforderungen durch verschiedene Möglichkeiten angepasst und optimiert werden kann. Dieser Schritt der Optimierung ist notwendig, damit auch die gewünschte Kundenzufriedenheit mit dem System Hydrokultur erreicht wird.

Seit der Antike suchen Naturforscher nach dem Grundsätzlichen des Lebens und stellten fest: Prinzip aller Dinge sei das Wasser; bzw. aus Wasser entsteht alles (Thales von Milet ca. 624–546 v. Chr.). Seit Aristoteles (384–322 v. Chr.) war man der Auffassung wonach die pflanzliche Nahrung in fertiger organischer Form vorliegt. Erst der holländische Wissenschaftler Johan Baptista van Helmont (1580–1644) gab mit seinem Experiment des Weidenzweiges einen Anstoß zu weiteren Untersuchungen der pflanzlichen Ernährungslehre. John Woodward (1665–1728) kultivierte in London vermutlich als erster Pflanzen in wässerigen Lösungen ohne Erde. Die Erkenntnis, dass Pflanzen als Nahrungsquelle fast ausschließlich anorganische

Stoffe aufnehmen, lieferte Justus von Liebig (1803–1873). Im Jahre 1860 stellten die beiden Professoren Wilhelm Knop (1817–1901) und Julius Sachs (1832–1897) Nährlösungen her und kultivierten Pflanzen ohne Erde. In Kalifornien entwickelte Prof. Dr. William Frederick Gericke 1929 die erdelose Pflanzenanzucht in Hydroponik Bassins. Weitere Pioniere sind der russisch sowjetischer Agrarwissenschaftler Dimitri Nikolajewitsch Prjanischnikow (1865–1948); in Polen Prof. W. Piotrowsky und in Ungarn Prof. Paul Röszler (Abb.), dessen Entwicklung des erdelosen Pflanzenanbaus in der Gründung der "Deutschen Gesellschaft für Hydrokultur" (DGHK) im Jahre 1951 gipfelte. An diesem Interesse, dem Leben im, von und durch das Wasser, hat sich bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt nichts geändert und gilt ebenso für Zierpflanzen in Hydrokultur.

Fassen wir zusammen: Die zeitliche Entwicklung auf diesem Gebiet ist rasant. Vertieft hat sich seit Thales in den vergangenen 2600 Jahren das Wissen über die Pflanzen; beschleunigt haben sich seit Woodward in den letzten 300 Jahren die Innovationen im erdelosen System durch Anwendung neuer Ideen und Techniken; nochmals verstärkt haben sich in den letzten Jahrzehnten die deutliche Zunahme der Entwicklungsgeschwindigkeit im Wissen und in der Anwendung der Pflanzenernährung und Pflanzenphysiologie und in der Herstellung unterschiedlichster Systemkomponenten für das erdelose System.

Die Frage wohin diese beschleunigte Entwicklung führt, ist kaum zu bedenken, noch mit Vernunft zu beantworten. Vielleicht ist es auch zweckmäßig, aus dieser Frage einen Gedanken zu formulieren, dahingehend welche Erfahrung mit den bisherigen Entwicklungen vorliegen und in welche Richtung diese Entwicklungen weiter fortgeführt werden könnten, besser müssten oder sollten. Hier ist anzuknüpfen, um an einem klassischen Beispiel dem Wasserstandsanzeiger, zu zeigen, wie ein zukünftiges erfolgreiches Verfahren der Produktentwicklung aussehen könnte.

Auffallend ist, gibt es in einer großen Mannigfaltigkeit. Das wurde auf der Internationalen Pflanzen Messe (IPM) in Essen 2008 am Stand der DGHK deutlich demonstriert mit einer Auswahl von über 100 unterschiedlichen Wasserstandsanzeigern. Sie zeichneten sich durch einzelne Vorzüge aber auch durch verschiedene Mängel aus. Einige Vorzüge, die angesprochen wurden sind unter anderem: Gute Erkennung und Ablesbarkeit des beweglichen Anzeigerstabs, Übereinstimmende Anzeige der Markierung  bezüglich der Anstauhöhe für die unterschiedlichen Kulturtopfhöhen 12, 19 und 28, kein Verklemmen/Steckenbleiben des Anzeigerstabs, konstante Funktionstüchtigkeit des Auftriebskörpers in der Anstauzone, kein Einwurzeln von Pflanzen an der Basis des Wasserstandsanzeigers, bei Funktionsstörung einfache Handhabung der Wiederherstellung der Funktionstüchtigkeit auch im bepflanzten Gefäß.

Das Ergebnis belegte, keiner der ausgestellten Wasserstandsanzeiger konnte alle Vorzüge in sich vereinen. Vielmehr zeigte sich, dass die meisten Wasserstandsanzeiger gleich mehrere der Vorzüge hier besser im Sinne von Erwartungen nicht in sich vereinen konnten. Kommen wir zu dem zuvor angesprochenen erfolgreichen Verfahrenskonzept, wie eine mögliche Vorgehensweise aussehen könnte, mit dem Ziel "Entwicklung von Wasserstandsanzeigern", mit möglichst vielen Vorzügen/Erwartungen in sich zu vereinen. Meine Bemerkungen zur nachfolgenden Produktentwicklung sind skizzenhaft. Meine Absicht ist es, die gegenwärtige Problemsituation des Zubehörs oder der Systemkomponenten dadurch verständlicher zu machen, dass ich zeige, wie eine Verfahrensmethode zur Lösung beitragen könnte.

Informationen müssen gebündelt werden! Diese Anregung könnte beispielsweise bei der Internationale Pflanzen Messe (IPM) in Essen am Stand der DGHK in die Tat umgesetzt werden. Informationen, um die es hier geht, sind produktspezifisch und müssten danach einem Innovationsprozess, ich nenne ihn: "Entwicklung neuer Produkte" zugeführt werden, einer Institution oder Organisationseinheit, die dem Fachverband unterliegt und die wir Arbeitskreis nennen wollen, nachfolgend als AK bezeichnet. In diesem AK werden alle Informationen gesammelt, die in unserem Beispiel den Wasserstandsanzeiger betreffen. Aufgaben vom AK ist das Sammeln, Austauschen und die Weitergabe von Informationen über Produkte beziehungsweise die Festlegung von Produktzielen. Bei der Entwicklung eines Produktes - neben dem Wasserstandsanzeiger sind hier ebenso alle anderen Komponenten des Hydrokultur Systems zu nennen - werden folgende Quellen berücksichtigt: Informationen von Innenraumbegrüner, aus Industrie und von Handelspartnern, von Kundenreklamationen und von allgemeinen und alternativen Verbesserungs- und Entwicklungsvorschlägen.

Neben dem Sammeln, Austauschen und der Weitergabe von Informationen über Produkte und dem Festlegen von Produktideen und -zielen, sind Begriffsdefinitionen unumgänglich, die dazu führen, dass eine allgemeine Verständigung aller am Projekt beteiligten, ermöglicht wird. So ist in Messegesprächen auf der IPM aufgefallen, dass im Wasserstandsanzeiger das "Ding" das sich auf und ab bewegt und die Anstauhöhe anzeigt, unter anderem als: Indikator, Pegel, Stab, Anzeiger bezeichnet wird. Verwirrung tritt ein, wenn das Schauglas ebenfalls mit den Begriffen Pegel und Anzeiger betitelt werden und der Wasserstandsanzeiger als solcher auch Pegulator genannt wird. Eine einheitliche und eindeutige Kennzeichnung durch Begriffe ist bei allen Systemkomponenten und deren Einzelbauteilen unabdingbar. Sprechen Sie eine einheitliche Sprache!

Ein nächster Schritt in der Aufgabe von AK sind Prüfung und Freigabe eingereichter Gebrauchsmuster zur Markteinführung. Beim Wasserstandsanzeiger sind die zuvor aufgelisteten Vorzüge als Standards bestimmter Eigenschaften auf Einhaltung festzuhalten und das Produkt unter Praxisbedingungen zu testen. Daran schließt eine Produktoptimierung an, die zu einem überarbeiteten Gebrauchsmuster "2" führt. Es unterliegt dem AK zu welchem Zeitpunkt ein Gebrauchsmuster die Aufnahme und Freigabe des Produkts in das "Standard Sortiment" der Hydrokultur Systemkomponenten erhält mit der Bezeichnung: "geprüft, getestet und zertifiziert".

Nicht bei allen Produkten macht eine Zertifizierung Sinn. Gefäße zum Beispiel, die einem raschen Modetrend unterliegen und am Markt temporär verwendet werden, benötigen keineswegs eine Aufnahme in das Standard Sortiment Hydrokultur. Sie benötigen demzufolge auch kein Zertifikat und werden vom Fachverband nicht geprüft und getestet. Ähnliches gilt für Produkte die im Hydrokultur Markt eingeführt werden, ohne Vorlage beim AK zur Prüfung, Testung und Zertifizierung. Diesen Produkten fehlt das Zertifikat vom Fachverband. Sie können demzufolge auch nicht in das Standard Sortiment übernommen werden.

Bei all diesen Überlegungen stellt sich die ökonomische Frage, ob bei diesem Produktoptimierungs- und Zertifizierungsverfahren durch eine Organisationseinheit AK der Aufwand in einem angemessenen Verhältnis zum Erfolg steht? Um diese Frage zu beantworten ist ein Blick auf den Markt notwendig. Es gibt Hunderte von Raumbegrünern, die mit dem System Hydrokultur arbeiten. Neben den vielen Fragen die sich aus den praktischen Tätigkeiten der einzelnen Raumbegrüner mit diesem System ergeben, gibt es auch sehr viele Ideen, Anregungen und sporadische Entwicklungen, auch Eigenentwicklungen, die nicht publiziert werden und deshalb ein stilles Dasein führen. Diese Aktivitäten sollten zwecks Systemoptimierung abgefragt, gesammelt und für eine Produktoptimierung verwendet werden. Denn neue Ideen waren und sind stets im Markt vorhanden und müssen nicht in einem Arbeitskreis durch Nachdenken erzeugt werden.

Folgender Hinweis ist abschließend wichtig. Zu dieser Vorgehensweise der Bündelung von Informationen an einer Stelle unter der Koordinierung des AK sehe ich keine Alternative, die ähnliche Vorzüge bezüglich Systeminnovationen, Sicherheit für das Produkt, zufriedene Anwender und dadurch Kundentreue ergeben könnten. Ein kleines Problem stellt die zu erwartende langsame Anfangsentwicklung in der "Anlaufphase" dar; der erste Schritt ist, wie so oft, der schwierigste, aber alle weiteren Schritte werden für das Hydrokultur System mit den verschiedenen Komponenten bedeutend sein. Es gilt die Devise: "Mach’s beim ersten Mal richtig" unter der Bedingung, das "Richtige" fortwährend zu überarbeiten, anzupassen, zu verbessern, und zu optimieren. Dieser Nutzen der einzelnen Systemkomponenten, die sich aus einer Optimierung ergeben, wird dem Gesamtsystem Hydrokultur förderlich sein.

 

(13.07.2010)

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