Dracaena Salisb.

Wasser

© Dr. Heinz-Dieter Molitor

Stoff allen Lebens

Jede Menge Wasser, wenig Erde - Eindrücke, die uns Satellitenbilder vom "blauen Planeten" aus dem Weltall vermitteln. Planet Erde scheint vielmehr ein Planet Wasser zu sein, sind doch über 72 Prozent der Erdoberfläche von Ozeanen bedeckt. Wasser - der Stoff, in dem das Leben begann und aus dem Leben überhaupt existiert; bestehen doch die Körper aller lebenden Organismen im Durchschnitt zu 60 bis 90 Prozent aus Wasser.

Somit begann auch das Leben der Pflanzen und die Produktion von Sauerstoff im nassen Element. Neben der Luft zum Atmen ist Wasser für Menschen, Tiere und Pflanzen wichtigste Lebensgrundlage. Worauf es beim Wasser ankommt, damit es Ihren Hydrokulturen gut geht, verrät Ihnen Dr. Heinz-Dieter Molitor von der Forschungsanstalt Geisenheim:
WASSER - Stoff allen Lebens

"Wasser ist die Grundlage allen Lebens." Für die Freunde und Kenner der Hydrokultur ist dies sicher eine banale Aussage.
Gleichwohl gibt es beim Thema Wasser viele Wissenslücken.
Bei der Pflanzenernährung konzentriert sich das Interesse meist auf die verschiedenen Nährstoffe. Selbst Profis der Innenraumbegrünung haben hier Informationsbedarf und kennen oft nicht die Qualität des eingesetzten  Gießwassers; obwohl gerade dieses Wissen für eine exakt abgestimmte Ernährung der Hydrokultur unverzichtbar ist.

 Mancher Hobbygärtner oder auch viele Hausfrauen/männer sind den Profis oft um Längen voraus, was die Beobachtung der klaren Flüssigkeit angeht:
verkalkte Kaffeemaschinen und Heizstäbe sowie Flecken auf den Badezimmerarmaturen sind für sie deutliche Zeichen einer besonderen Wasserqualität, auf die entsprechend reagiert werden muss.

 Auch unser Pflanzen verdienen und brauchen die richtige Wasserqualität, denn es ist nicht gleichgültig, wie unsere Hydrokulturen versorgt werden. Wie unterschiedlich Wasserqualität sein kann, machen Kalkflecken auf den Blättern sichtbar und wissenschaftliche Analysen im Detail deutlich. Die in Tabelle 1 beispielhaft aufgelisteten Analyseresultate zeigen, wie unterschiedlich Wasserqualität sein kann.
Hier wurden im Raum Wiesbaden/Frankfurt das Trinkwasser vier verschiedener Objekte analysiert.

Zu beachten ist:

Leitungswasser, das den Vorgaben der Trinkwasserverordnung genügt, muss als Gießwasser noch lange nicht geeignet sein. Tabelle 2 zeigt Ihnen die Grenzwerte für einzelne Inhaltsstoffe nach der Trinkwasserverordnung.

Gießwasser liegt in der Regel nicht als reines Wasser vor. Gleichgültig ob es sich um Leitungswasser, Brunnenwasser oder Regenwasser handelt, so sind doch in unterschiedlicher Menge gelöste Salze enthalten.

Welche Bedeutung hat die Wasserqualität

Die Wasserqualität wirkt sich in mehrfacher Hinsicht auf die Ernährung der Pflanzen und damit auf deren Haltbarkeit und Aussehen aus. So hängt vom Salzgehalt des Gießwassers ab, ob Ionenaustauscher-Dünger eingesetzt werden können. Denn ohne ausreichenden Salzgehalt des Wassers werden die Nährstoff-Ionen nicht von dem Ionenaustauscher freigesetzt und die Pflanzen verhungern.

Die Säurekapazität des Wassers entscheidet darüber, in welcher Richtung sich der ph-Wert in der Nährlösung entwickelt. Bei einem Anstieg des pH-Wertes können sich krankhafte Farbveränderungen und Vergilbungen zeigen.

Wichtig ist auch zu wissen, ob im Gießwasser ausreichende Mengen an Kalzium enthalten sind, da die meisten Düngemittel diesen Nährstoff nicht enthalten.

Beim Einsatz von Ionenaustauscher-Dünger wird sogar zusätzlich Kalzium im Austausch gegen Nährionen gebunden. Kalziummangel kann die Folge sein. Besonders wichtig ist die Kenntnis über den Gehalt an Schadstoffen wie Natrium, Chlorid, Zink und Kupfer. Diese können sich anreichern und zu erheblichen Pflanzenschäden führen.

Wasseranalyse

Auskunft über die im Wasser gelösten Inhaltsstoffe gibt eine Wasseranalyse. Sofern es sich um Leitungswasser handelt, genügt dazu eine Nachfrage bei der jeweiligen Kommune oder beim Wasserbeschaffungsverband. Diese lassen mindestens einmal jährlich Analysen durchführen und stellen die Ergebnisse in der Regel auf Anfrage kostenlos zur Verfügung. Nur wenige der dort aufgeführten Nebenwerte sind jedoch für uns zur Beurteilung der Gießwasserqualität von Bedeutung. Sofern Gießwasser aus eigenem Brunnen, Bachwasser oder Regenwasser eingesetzt wird, ist es deshalb nicht erforderlich, eine komplette Trinkwasseranalyse durchführen zu lassen, die mehrere Hundert DM kosten würde. Einige Nebenwerte lassen sich auch mittels Schnelltest aus dem Laborfachhandel kostengünstig und eigenhändig messen.

Welche Nennwerte sind wichtig?

Wichtige Kenngrößen der Wasserqualität sind: die Leitfähigkeit (Salzgehalt) die Säurekapazität die Gesamthärte oder besser noch der Gehalt an Kalzium und Magnesium der Gehalt an Natrium und Chlorid der Gehalt an Zink und Kupfer

Welche Bedeutung haben die angeführten Kenngrößen?

Der Gesamtsalzgehalt einer Nährlösung ist von Bedeutung bei der Wahl des richtigen Düngemittels. Gemessen wird dazu die elektrische Leitfähigkeit des Wassers.

 Der Leitfähigkeitswert hilft uns zu entscheiden, ob ein Ionenaustauscher-Dünger eingesetzt werden kann oder nicht. Die Säurekapazität (SBV= Säurebindungsvermögen) gibt die Konzentration an Bikarbonat-Ionen (HCO3-Ionen) im Wasser an. Diese sind von entscheidender Bedeutung im Hinblick auf den Verlauf des pH-Wertes der Nährlösung im Anstaubereich und im Wurzelraum darüber.

Außerdem muss bei der Wahl des richtigen Düngemittels dessen Stickstoff-Form berücksichtigt werden. Die Messung der Säurekapazität kann mit einem Schnelltest selbst erfolgen (z.B. Aquamerck 1.08041).

Die Gesamthärte charakterisiert den Gesamtgehalt des Wassers an Kalzium (Ca) und Magnesium-Ionen (Mg). Die Gesamthärte lässt sich ebenfalls mittels eines Schnelltests (z.B. Aquamerck 8039) selbst messen. Dieses Maß eignet sich als Entscheidungsgrundlage dafür, ob Flüssigdünger eingesetzt werden können - die kein Kalzium und Magnesium enthalten - und welche Form des Ionenaustauscher-Düngers gewählt werden sollte.

 

Hartes Wasser bewirkt in idealer Weise den Austausch der Nährstoffe und liefert gleichzeitig das für die Pflanzenernährung nötige Calcium und Magnesium. Die Gesamthärte wird in mmol/Liter (Ca+Mg) oder teilweise noch als Grad deutscher Gesamthärte (°dGH) angegeben, wobei zwischen beiden Bezeichnungen folgende Beziehung besteht: 1 mmol/Liter (Ca+Mg) Gesamthärte = 5,6°

Im Gießwasser sollten mindestens 1 mmol/Liter Kalzium (= 40,1 mg Ca) enthalten sein; bei Einsatz von Ionenaustauscher-Dünger mindestens 2 mmol/Liter.

Natrium und Chlorid sind keine Nährelemente und werden von Pflanzen nur in geringer Menge aufgenommen. Sie können sich deshalb in der

Nährlösung und im Substrat anreichern. Beide Ionen sind gut löslich und osmotisch hoch wirksam., d.h. sie binden sehr gut Wasser. Das führt dazu, dass die Pflanzen nur sehr schwer an das lebensnotwendige Wasser herankommen können. So führen entsprechend hohe Konzentrationen zu Pflanzenschäden. Probleme sind mittel- und langfristig bei Überschreiten von etwa 1 mmol/Liter im Gießwasser (= 23 mg Na oder 35,5 mg Cl) zu erwarten.

 Achtung: Hohe Natriumgehalte sind häufig ein Indiz für eine hauseigene Enthärtungsanlage. Derartig aufbereitetes Wasser ist als Gießwasser grundsätzlich nicht geeignet Kupfer und Zink sind für die Pflanzenernährung unverzichtbare Spurenelemente. Sie können aber in höherer Konzentration Pflanzenschäden verursachen.

Hohe Konzentrationen entstehen du Korrosion entsprechender Leitungssysteme. Die Gefahr einer Anreicherung ist groß bei weichem, kohlensäurehaltigen Wässern. Die Lösung von Zink und Kupfer nimmt mit zunehmender Temperatur und Standdauer im Rohrnetz zu. Aus diesem Grunde sollten

Sie grundsätzlich vor der Entnahme von Gießwasser an einer selten benutzten Zapfstelle die Leitung spülen, indem Sie kurze Zeit das Wasser laufen lassen.

Dies gilt grundsätzlich auch stets vor Entnahme einer Wasserprobe für eine Wasseranalyse. Besondere Gefahr durch Zink- oder Kupferüberschuss besteht bei Regenwasser, wenn dieses mit entsprechenden Metallen in Berührung kommt.

Nur in begründeten Einzelfällen, etwa bei der Verwendung von Brunnenwasser kann auch die Kenntnis des Gehalts an Nitrat-Stickstoff  von Bedeutung sein. Dies erübrigt sich bei Trinkwasser, da der Nitratgehalt durch die Trinkwasserverordnung begrenzt wird.

Der pH-Wert des Gießwassers hat in der Regel keine praktische Bedeutung für die Pflanzenernährung.

Entscheidend ist immer der pH-Wert der Nährlösung, also nach der Zugabe von Nährstoffen. Sulfat ist in vielen Gießwässern im Überschuss vorhanden, wird aber von Pflanzen auch in hoher Konzentration vertragen.

Regenwasser

Regenwasser ist in der Regel salzarm und scheint deshalb als Gießwasser besonders geeignet.
Aber Vorsicht: Regenwasser erfordert eine besondere Düngung. Alle herkömmlichen auf dem Markt befindlichen Düngermittel für Endverbrauche:
seien es Ionenaustauscher-Dünger. Flüssigdünger oder Salzdünger, sind dafür aber nicht geeignet.

Regenwasser bietet sich jedoch sehr gut zum Verdünnen von salzreichem Wasser an. Die häufig vorgebrachten Bedenke wegen des niedrigen pH-Werte ("saurer Regen") sind völlig unbegründet. Einziger Risikofaktor kann die bereits erwähnt Belastung mit Schwermetallen sein, wenn das Regenwasser mit derartigen Metallen in Berührung kommt. Schon eine einzige Schlauchschelle oder einer Messingkupplung kann ausreichen, um Regenwasser mit Zink oder Kupfer zu belasten.

(28.07.2008)
(28.02.2015)

 
Update: 08.12.2016 18:38:30