Gloriosa superba L.

Palmenkiller macht sich breit

Auch auf Mallorca sind die Pflanzen durch den Roten Palmrüssler bedroht. Das Palmensterben bei Almuñéar an der südspanischen Costa del Sol begann 1994. Von der Mitte aus wurden die Blätter strohgelb, reihenweise ließen die Bäume „den Kopf hängen“, wie es Einwohner und Touristen beschreiben.

Innerhalb weniger Wochen war die Palme tot. Inzwischen ist bekannt dass die Pflanzen dem Roten Palmrüssler (Rhynchophorus ferrugineus), aus derselben Familie wie der Dickmaulrüssler (Rüsselkäfer -Curculionidae) zum Opfer fielen. Doch auch 14 Jahre danach ist noch kein wirksames Mittel gegen diesen Schädling gefunden. Der Käfer hat sich stark ausgebreitet und bedroht nun vielerorts die zum Symbol für unbeschwerten Urlaub gewordenen Palmen. Von Mai bis Oktober hat der ursprünglich aus Asien stammende Palmrüssler seine „Hochsaison“, erklärt der Zoologe Fosé Angel López von der Universität Murcia.

„Wenn die Symptome des Befalls sichtbar werden, ist es für die Bäume bereits zu spät. Dann müssen sie ausgerissen und verbrannt werden, damit der Käfer nicht noch auf weitere Palmen übergreift.“ Entlang der spanischen Mittelmeerküste sowie auf den Kanaren sind deshalb bereits viele tausend Palmen gefällt worden. Nach Überzeugung von López ist das jedoch nur die Spitze des Eisbergs. Einig sind sich Fachleute, dass die Bedrohung vielerorts nicht ernst genug genommen werde.


So werde die Vorschrift, Palmen nur im Winter zu stutzen, vielfach ignoriert. Ein fataler Fehler: Denn die Duftstoffe, die sommers aus den Schnittwunden austreten, ziehen den Käfer erst recht an. Auf Mallorca mussten bislang 120 Palmen vernichtet werden. Der Palmrüssler ist in Pollensa, Cala D‘Or, Sa Rápita und Alaró festgestellt worden.

Der etwa daumengroße Käfer und die Larven leben versteckt im Palmenstamm, von der Krone aus fressen sie meterlange Gänge durch den Baum, bis dieser schließlich abstirbt. Hoffnung auf ein wirksames Mittel kommt jetzt aus Alicante: An der dortigen Universität experimentieren Wissenschaftler mit Pilzen, die dem Käfer auf natürliche Weise den Garaus machen sollen.

Jörg Vogelsänger
(WAZ, 21.Mai 2008)
Update: 28.08.2010 00:00:00