Hoya

Günter Gregg und die Deutsche Gesellschaft für Hydrokultur

© Jochen & Gabriele Euler

Bereits seit 1983 war Günter Gregg persönliches Mitglied und Förderer der DGHK, damals noch ausschließlich eine kleine Liebhabergesellschaft, aber mit wissenschaftlichem Anspruch. Seinen Einladungen nach Nordkirchen folgten wir gerne und führten 3x in Abständen von mehreren Jahren unsere Jahreshauptversammlungen im Münsterland durch. Der Vormittag war jeweils für die Betriebsbesichtigung bei der Fa. HYGRENO (HYdrokultur-GREgg-NOrdkirchen) reserviert. Souverän führte uns der Firmeninhaber durch die Gewächshäuser und Außenanlagen, begleitet von seinem Chef- Chemiker, Herrn Dr. Harald Strauch, der geduldig alle Fragen der Teilnehmer zur Ernährung, Düngung und Vermehrung ihrer Pflanzen-Lieblinge beantwortete!
Im Sommer 1997 bat der damalige Präsident der DGHK, Herr Heinrich Bömken aus Herten, Günter Gregg um Unterstützung. Die Mitgliederzahlen waren stark zurückgegangen und dem Vorsitzenden fehlten neue Ideen, um das Vereinsleben wieder zu mobilisieren und die "Hydrokultur-Fibel" (damalige Vereinsmitteilungen), zu modernisieren.

Diese Bitte fiel auf fruchtbaren Boden, denn Günter Gregg hatte inzwischen die Firmenleitung seinen Söhnen Wilhelm und Markus übergeben und zeichnete nur noch für die "Hydrothek" in Nordkirchen verantwortlich.

Zeit und "Know how" waren nun reichlich vorhanden, quasi ungenutzt und somit ein neues Konzept für die Vereinszeitung schnell entworfen.

Bei der ersten Vorstandssitzung am 14.11.1998 in Herten (1.Vize: Herbert Mosel aus Berlin und Schatzmeisterin Gabriele Euler aus Essen), zeigte uns Günter Gregg die ersten Seiten der neuen Zeitung: "Hydrokultur exclusiv", den Probedruck für einen neuen Briefkopf und erläuterte die Entwürfe für 5 Flyer, die die Grundlagen der "Hydrokultur" mit einfachen Worten erklärten. Der Hausgrafiker der Fa. HYGRENO, Herr Hüning, hatte ganze Arbeit geleistet.

Vor so viel Professionalität kapitulierte Heinrich Bömken, denn es war nun ganz offensichtlich, dass diese beiden Männer "nicht zusammen" arbeiten konnten! In den folgenden Diskussionen zeigte sich deutlich, dass ihre Vorstellungen über die Vereinsführung vollkommen konträr waren, sie beide trennten Welten!!!

Noch am selben Tag legte Heinrich Bömken mit sofortiger Wirkung sein Amt nieder und übergab den Vorsitz seinem 1. Vize Herbert Mosel aus Berlin.

Günter Gregg verstand sich als Lokomotive, die auf Hochtouren laufen wollte. Er gab die Richtung vor, in die die Lok fahren sollte, er stellte die Weichen und entschied auch, wie viele Waggons angehängt wurden. Es sollten natürlich Personenwagen sein, denn er erwartete eine rege Beteiligung und Mitarbeit der Fahrgäste. Wenn der Zug dann Fahrt aufgenommen hatte und gut fuhr, so sollte nach ein paar Jahren eine Person aus den Waggons gewählt werden, die in Zukunft die Lok steuern sollte. Dann wollte er sich anderen Aufgaben zuwenden und neue Projekte in Angriff nehmen. Er war nicht der Güterzug, der mit 30 oder auch mehr Waggons durch die Republik ratterte!

Auf der Mitgliederversammlung 1999 wurde auf der BuGa Magdeburg Günter Gregg zum Präsidenten der "Deutschen Gesellschaft für Hydrokultur e.V." gewählt. Nun folgte eine neue und ganz andere Ära der DGHK. Dieser Mann, der von sich selbst behauptete: "Ich bin Gärtner und habe das noch nie in meinem Leben bereut", zeigte uns nun eine andere Seite seines Könnens, sein unternehmerisches "Know how"!

Es folgten viele Gespräche und Treffen in Nordkirchen, der Ideenreichtum dieses Mannes war schier unerschöpflich. Wenn wir dann leise Bedenken anmeldeten, ob denn die ein oder andere Aktion nicht doch zu gewagt sei und unsere Erwartungen einfach zu hoch, ernteten wir als erstes ein Schmunzeln und dann ein nachsichtiges Lächeln mit der Bemerkung: "Ich bin Unternehmer, nicht Unterlasser"! Diesen Satz sollten wir in den folgenden Jahren noch oft hören!

Welcher Profi unser neuer Präsident war, erlebten wir auf der BUGA in Magdeburg. Er war zum  "Table-Talk" eingeladen und sollte in der "Regionalen Abendschau" über "Wohnen mit Grün — Zimmerpflanzen für`s Wohlbefinden in Hydrokultur" referieren, da für 4 Wochen extra eine Hydrokulturschau aufgebaut worden war. Kein Problem für Günter Gregg, ohne lange Probe und ohne jegliche Scheu vor Journalisten, Kameramännern und Scheinwerfern, beantwortete er alle Fragen routiniert und humorvoll, ohne die sonst so oft gehörten "Ähs und Ohs". Seine Sprache war deutlich und flüssig, laut genug und der Inhalt für jeden Pflanzen-Liebhaber verständlich. Wir waren fasziniert und begeistert, für die DGHK und für uns begann eine neue Zeit der Vorstandsarbeit!

Die kommenden Jahre waren ausgefüllt mit vielen Tagungen und Sitzungen in Dortmund und Kassel, mit Verbänden, Vereinen und den unterschiedlichsten Gremien. Wenn Günter Gregg zu Treffen einlud kamen fast alle, sein Name stand für Qualität, Stabilität und Erfolg. Und er holte viele seiner Weggefährten aus der "grünen Branche" mit "ins Boot". Wir bekamen einen großen Zulauf an neuen Mitgliedern und er schaffte es auch, der DGHK finanziell zu einer stabilen Grundlage zu verhelfen. Wohin wir auch mit ihm fuhren; ob nach Holland zur Fa. Nieuwkoop oder zur Fa. Bruinsma, nach Osnabrück zum Treffen mit Architekten, nach Bonn ins Ministerium für Landwirtschaft und Ernährung, überall wurden wir wie alte Bekannte, ja Freunde empfangen, Türen und Schranken öffneten sich fast von selbst! Er bewegte sich auf dem "grünen", sowie auch auf dem politischen, internationalen Parkett wie zu Hause! 

Im Jahre 2001 waren wir zum ersten Mal auf der "Internationalen-Pflanzen-Messe" (IPM) in Essen.
Günter Gregg hatte als Gründer der IPM seine Kontakte und Beziehungen genutzt und uns zu einem Standplatz in Halle 3 verholfen. Mit seiner goldenen Messekarte und langjährigen Mitarbeit im Messebeirat gab es für ihn keine verschlossenen Türen. Manchmal half auch ein wohlwollender Brief oder ein freundliches Telefonat.

Wir waren überwältigt, befanden wir uns doch plötzlich in unmittelbarer Nachbarschaft von: Fachverband für Hydrokultur, Fachhochschule Geisenheim, Forschungsanstalt Weihenstephan, Zentralverband für Gartenbau, CVM etc. "Plötzlich spielten wir in einer anderen Liga, waren wir vom Amateurverein ins Profilager gewechselt"?!


Unser Eckstand war klein und mit viel Improvisationstalent liebevoll aufgebaut. Unterstützung bekamen wir von der Fa. "CN-Consulting", durch die Geschäftsführerin Frau Ah-Kee Clausen-Hoormann und ihren Prokuristen Herrn Petersen. Mit viel Charme gelang es Frau Clausen-Hoormann einige ihrer Geschäftspartner zu einer Mitgliedschaft in der DGHK zu bewegen, die bis heute noch besteht!

Am zweiten Messetag wollten Günter Gregg und ich zur Mittagspause ins Restaurant gehen, ein Weg von ca. 10 bis 15 min wurde zu einem "Spießrutenlaufen" der feinen Art. Kaum einen Schritt konnten wir unbemerkt tun, sofort wurde gerufen: "Hallo, Günter, wie geht es dir? Hast du Zeit, komm doch auf einen Sekt oder Kaffee zu uns"?! Sein Hinweis, wir wären auf dem Weg zum Essen wurde dann so beantwortet: "Dann komm aber wenigstens auf dem Rückweg vorbei"!

So erging es uns mehrmals, wir schafften den Weg nur in der dreifachen Zeit und bekamen nur noch die Reste zu essen. Für den Rückweg wählten wir einen anderen Hauptgang, aber auch dort konnten wir den vielen Bekannten und Freunden nicht entkommen. Hier im Ruhrgebiet sagt man dann: "Der ist so bekannt wie ein bunter Hund"! Günter Gregg war eben eine feste Größe in der "grünen Branche"!

Die Messe Essen kam uns sehr wohlwollend entgegen und hat uns auch über diese Jahre finanziell unterstützt. So konnten wir außer auf der IPM, auch an anderen Messen aktiv teilnehmen: "Mode-Heim und Handwerk" und "Haus und Garten". Auch die "Raritätenbörse" und die "Orchideenschau" wurden uns von der Messe Essen angeboten, wir hätten 4 Messen pro Jahr durchführen können, doch leider fehlte uns dazu die weitere Unterstützung unserer Mitglieder.

Im September 2001 feierten wir unser 50. jähriges Bestehen der DGHK in Mannheim bei "Hydro-Teufel" Kurz zuvor bekamen wir die Nachricht, dass unser Präsident Günter Gregg erkrankt war, im Krankenhaus lag und leider nicht teilnehmen konnte.

Udo Stock aus Unterweikertshofen wurde zunächst als "kommissarischer Präsident" gewählt. Er sollte die Zeit bis zur vollständigen Wiedergenesung überbrücken. Dazu kam es leider nicht mehr. Günter Gregg  trat im folgenden Jahr von seinem Amt als Präsident zurück, blieb uns aber als Ehrenpräsident erhalten.

Gerne haben wir auch in den folgenden Jahren seinem Rat große Beachtung geschenkt und von seiner reichlichen Arbeits- und Lebenserfahrung profitiert. Wir müssen heute ohne Übertreibung bekennen, dass wir ohne Günter Gregg nicht mehr existent wären, die DGHK hätte keine Überlebenschance gehabt. Alles, was unsere Gesellschaft heute darstellt, ist mit der großen Persönlichkeit Günter Gregg‘s untrennbar verbunden!

(07.09.2016)

 
Update: 07.09.2016 18:12:58