Lantana camara L.

Mikronährstoff – Eisen

Dieser Beitrag widmet sich den Mikronährstoffen, die sich von den Makronährstoffen besonders in quantitativer Hinsicht unterscheiden. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts zeigte sich durch die verbesserten Möglichkeiten der Pflanzenanalyse und der Analysen für Boden und Nährlösungen, der bedeutende Einfluss der Mikronährstoffe als lebensnotwendige Elemente für die Pflanzen, besonders in ihrem Einfluss auf deren Stoffwechsel und in ihrer hohen physiologischen Wirksamkeit. Beim Fehlen auch nur eines dieser Elemente, kommt es zu typischen Ausfall-  oder Mangelerscheinungen.
Zu den Mikronährstoffen zählen die Schwermetalle Eisen, Mangan, Zink, Kupfer, Molybdän und das Nichtmetall Bor. An vorderster Stelle steht das Element Eisen, mit dem wir beginnen.

Ein beachtlicher Anteil des Eisens ist in den Chloroplasten an Eiweiß gebunden. Als wesentlicher Bestandteil von Enzymen ist es für die Chlorophyll-  und Eiweißsynthese notwendig. Es ist Bestandteil von Chlorophyllvorstufen.
Eisen ist wichtig für den Energiestoffwechsel und für die Atmungsenergie. Ein Mangel an Eisen reduziert die Atmung und demzufolge die benötigte Energie für die natürlichen Wachstumsprozesse. Beim Eisenmangel werden vor allem die jüngeren und jüngsten Blätter beeinträchtigt, die sich gelbgrün bis gelb verfärben und in diesem Zustand an den Pflanzen verbleiben. Nur bei extremem Eisenmangel bleichen sie völlig aus, erscheinen fast weiß und können abfallen. Der Eisenmangel zählt nach wie vor zu den am schwierigsten zu behebenden Nährstoff-Mangelkrankheiten. Deshalb sind die Ursachen für diesen Mangel zu benennen. Es ist von Bedeutung im Folgenden darauf einzugehen.


Hartes Gießwasser mit entsprechend hoher Karbonathärte kann bei einem zu gering gewählten Ammoniumanteil (pH-Wert absenkend) bei der Stickstoffgabe zu Eisenmangel führen, der sich als kalkinduzierte Chlorose darstellt. Andere Schwermetallionen, wie beispielsweise Zink, Kupfer, Mangan, Chrom oder Nickel wirken antagonistisch und hemmen die Eisenaufnahme. Diese Schwermetallionen können wie bei Zink und Kupfer aus Wasserleitungsrohren stammen oder wie beispielsweise bei Mangan, Chrom und Nickel sich im Substrat befinden und bei mangelnder Pufferung des Gießwassers bzw. des Substrats von den Wurzeln der Pflanzen aufgenommen werden. Eisen kann auch durch hohe Phosphatgaben, wie sie im Zierpflanzenbau häufig vorkommen, festgelegt werden und dadurch nicht mehr zur Verfügung stehen. Weiterhin kann Unterkühlung der Pflanzen an ungeeigneten Standorten wie beispielsweise in Eingangsbereichen durch niedrige Temperaturen oder Zugluft zu Eisenmangel führen. Auch ein rasches Wachstum nach starkem Rückschnitt führt häufig zu Eisenmangel, da Eisen nicht schnell genug von den Wurzeln aufgenommen, ebenso wenig aus älteren Blättern in jüngere Blätter verlagert werden kann, wie das bereits vom Calcium bekannt ist (Die Calcium-Versorgung ist nicht nur für den Menschen von Bedeutung, Hydrokultur intern 2007, Heft 3).
Das heißt, Eisen muss von der Pflanze kontinuierlich aufgenommen werden können, um keinen Mangel in den jungen noch wachsenden Blättern zu verursachen. Auch ein mangelhaftes Wurzelwachstum lässt Eisenmangel entstehen, insbesondere durch hohe Wassergaben und Substrat-Verdichtungen einhergehend mit Sauerstoffmangel.

In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass Eisen nur von den Wurzelspitzen aufgenommen werden kann, die jedoch bei Staunässe und Verdichtungen im Substrat (Abb. 4) absterben. Bemerkenswert ist auch, dass aktive Wurzelspitzen nicht nur für die Eisenaufnahme von übergeordneter Bedeutung sind, sondern auch in ihrer Funktion als Syntheseort pflanzlicher Hormone gelten, wie beispielsweise die der Cytokinine, die Alterungsprozessen entgegenwirken. Ein Teufelskreis entsteht: Staunässe und Substrat-Verdichtungen lassen Wurzelspitzen absterben. Die natürlichen Wachstumsprozesse werden gehemmt, vergreisende Pflanzen entwickeln keine neuen Wurzelspitzen, die eine lebenserhaltende Eisenaufnahme und Cytokininsynthese gewährleisten könnten.

An dieser kurzen Auflistung beeinflussender Faktoren auf die Eisenaufnahme ist zu erkennen, wie umfangreich das Störpotenzial für die Eisenernährung ist. Hauptverursacher des Eisenmangels ist meist nicht eine zu geringe Eisenkonzentration in der Nährlösung, vielmehr sind es Substratverdichtungen und hohe Wasserstände, die eine Eisenaufnahme erschweren, oft sogar verhindern. Über die Widrigkeiten der Substratverdichtungen und der hohen Wasserstände wurde in Hydrokultur intern in folgenden Heften berichtet: "Das Wurzelfenster", Hydrokultur intern 2009, Heft 3, vom 10. Oktober und "Grandios... einfach nur tief durchatmen", Hydrokultur intern 2005, Heft 2 vom 15. Juli.

Bei der Wasserversorgung in Hydrokultur erinnert das Stichwort "Blaicher Hydro-Tank" an eine geniale Idee des Mannheimer Diplom Chemikers Dr. Wolfgang Blaicher, ein physikalisches Grundprinzip in Form eines Hydro-Tanks für die Raumbegrünung zur Verfügung zu stellen. Genial, weil das Problem der hohen Wasserstände frühzeitig erkannt und daraus eine Langzeitbewässerung konzipiert wurde, die dadurch besticht, dass ein dauerhaft geringer Wasserstand mit einer ausreichenden und vorteilhaften Höhe von etwa 2 cm die Pflanzen über einen längeren Zeitraum versorgen können. Leider, muss man sagen, möglicherweise aus Unkenntnis, wurde diese Innovation nie von der Hydrokultur Praxis übernommen und erfolgversprechend umgesetzt. Da das Thema, Vergreisung von Hydrokultur- Pflanzen, nach nur wenigen Jahren Standzeit, immer noch aktuell ist und hauptsächlich durch Substratverdichtung und auf zu hohe Wasserstände zurückzuführen ist, könnte dennoch unter anderem das Thema "Blaicher Hydro-Tank" eine vernünftige und zukünftige Option für "Richtiges Gießen von Hydrokulturen" sein.

Durch mehrmalige Blattspritzungen mit Eisen in einer geeigneten Chelatform kann der Mangel verhältnismäßig leicht überwunden werden, ohne jedoch die Ursachen dafür zu beseitigen. Deshalb zählt zur Behandlung des Eisenmangels keineswegs die schnelle Verabreichung eines speziellen Eisendüngers, sondern in erster Linie die Beseitigung der Kardinalfehler, wie Substratverdichtungen. Ferner Sicherstellung einer guten Sauerstoffversorgung im Wurzelbereich, das heißt relativ geringe Wasserstandshöhen, besonders in der Winterzeit. Eine pH-Wert Korrektur in Richtung leicht saurem Bereich und die Vermeidung eines raschen Längenwachstums der Pflanzen, die beispielsweise einen starken Rückschnitt zur Folge hätten. Diese Maßnahmen in Verbindung mit einem geeigneten Hydrokultur Volldünger sind vollkommen hinreichend um einen Eisenmangel erfolgversprechend zu vermeiden.

Im Gegenteil, ich rate von einer zusätzlichen, speziellen Eisendüngung dringend ab, da eine Erhöhung des Eisengehalts zu einer Aufnahme-Hemmung von Mangan, Zink und Kupfer führt und dadurch ein Ungleichgewicht bei den Mikronährstoffen verursacht. Denn für die Pflanze ist nicht die absolute Menge an Eisen von Bedeutung sondern die Verfügbarkeit im Substrat, die bei guter Durchlüftung meist ausreichend gegeben ist.

Auch in diesem Beitrag über das Eisen, zeigt sich die besondere Bedeutung einer guten Pflege von Hydrokultur-Pflanzen auf ein qualitativ hochwertiges Wachstumspotenzial, wenn auf grundlegende pflanzenbauliche Maßnahmen eingegangen wird. Es ist eine hohe Aufmerksamkeit auf ein lockeres Substrat und auf einen niedrigen Wasserstand notwendig. Das Austopfen von schadhaften Pflanzen zur Beurteilung der Wurzelqualität, ist eine einfache und schnelle Aufklärungs - Maßnahme über verursachte Pflegefehler, die ganz besonders zu empfehlen ist.

(25.10.2015)

 
 
 
Update: 27.10.2015 16:18:39