Mitgliederversammlung 2018 — Teil 2 - Deutsche Gesellschaft für Hydrokultur e.V.
Crassula ovata (Mill.) Druce

Mitgliederversammlung 2018 — Teil 2

© Jochen Euler "Bildungsstätte Gartenbau in Grünberg" — Ein Ereignis der besonderen Art — Vom 13. bis 15. September

Es trafen sich die Hydrokulturfreunde und Mitglieder der "Deutschen Gesellschaft für Hydrokultur e.V."  zu ihrer Mitgliederversammlung im nordwestlichen Vogelsberg, in Grünberg.

Den Beginn dieser besonderen Erlebnistage haben wir in Jahr 2018 — Heft 03 schon veröffentlicht, mittlerweile haben wir schon das Zentrum Frankfurts erreicht.

Frankfurt hatte eine Judengasse von 1462 – 1806 dort lebten ca. 30.000 jüdische Mitbürger, danach lebten die Juden in der Nähe der "Konstablerwache" außerhalb der "Staufenmauer", die Napoleon abreißen ließ. Von da aus ging es in die ehemalige "Bronx", das Armenviertel von Frankfurt, schwerpunktmäßig von den Arbeitern des Osthafens, Ende des 19. Jahrhunderts angelegt. Der Osthafen ist bis heute ein wichtiger Binnenhafen in dem 2 Mill. t Güter umgeschlagen werden. Derzeit werden hier Eigentumswohnungen gebaut, die bis 12.000 €/m² kosten. Im Hintergrund sind schon die EZB und das "Main Plaza" zusehen.

Weiter ging es zum "Arnold-Arnsberg-Platz", wo wir uns ein "Mobiles Grüne Zimmer" von der Firma Helix angeschaut haben. Die grünen Wände sind Schattenspender, Staubfilter, Wasserspeicher sowie Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Sie sorgen für Lärmreduktion, Kühlung durch Verdunstung und erhöhen die Aufenthaltsqualität.

"Ab 2017 steht das "Mobile Grüne Zimmer" auch für Ihre Veranstaltungen zu Themen der grünen Stadtentwicklung, der Umweltbildung oder zum Klimawandel zur Vermietung bereit.

Das Mobile Grüne Zimmer® besteht aus bepflanzten Modulen, die auf einer Abroll-Container-Plattform befestigt sind und wird auf einem herkömmlichen LKW mit Ladearm transportiert. Versorgung und Pflege übernehmen wir . Ein solarbetriebenes Bewässerungssystem versorgt die Pflanzen automatisch und wird von uns via Internet überwacht. Der Wassertank im Unterbau stellt die Bewässerung von bis zu zwei Wochen sicher" (© Helix).

Unser Parkplatz lag direkt vis-à-vis von der "Europäische Zentralbank"; 1,35 Mrd. € hat das Gesamtprojekt EZB bei einer Bauzeit von 10 Jahren gekostet, 2014 wurde es eingeweiht. Es ist ein Kunstwerk der Ingenieure mit einer Außenverglasung, die das Gebäude belüftet. Die Dachplattformen sind begrünt und als gesellschaftliche Treffpunkte gestaltet. Im Hintergrund die Skyline von Frankfurt mit 40 dicht aneinandergereihten Hochhäusern, in der Mitte der "Commerzbank Tower", von Norman Forster. Er wurde 1997 fertiggestellt und ist mit 259 Metern und 56 Stockwerken das "Höchste Hochhaus Deutschlands". Bis 2003 war er außerdem das höchste Gebäude Europas. Neben dem Commerzbankturm dann der "Main Tower" und zwischen den beiden Hochhäusern, deutlich zu erkennen, die Baustellen der Eigentumswohnungen-Hochhäuser mit Kosten von 10.000 bis 12.000 €/m². So kosten die Panorama-Wohnungen, so um die 300 m², im Henninger Turm 1,5 Mill. €, 12 bis 13 Tsd./m², im Dachgeschoss wieder ein Restaurant. Der Rekord lag in 2017 in der Innenstadt bei 22 Tsd. €/m². Danach ging es über den Cityring, bis 1806 eine gigantische Wallanlage, die Napoleon schleifen ließ, seitdem 1807 im Wallservitut festgelegter Grüngürtel. Die am Rande der Grünanlagen liegenden Grundstücke dürfen höchstens 15 m tief bebaut werden, toller Baumbestand mit allen möglichen Freizeitangeboten. Dann folgte der "Bethmann-Park", einer von insgesamt 40 Parks, der Sommerresidenz der Familie Bethmann, außerhalb der ehemaligen Wallanlage. Und immer wieder die Wasserhäuschen. Davon gab es ursprünglich 800, eingerichtet Ende des 19. Jahrhunderts, um die Arbeiter mit Trinkwasser für ganz wenig Geld, zu versorgen, damit sie nicht so viel Alkohol trinken sollten. Heute entsteht eine "Wasser-Häuschen-Kultur".



Unser nächstes Ziel war das 90 ha große Europaviertel, direkt hinter dem Messegelände. Der Baubeginn auf dem ehemaligen Hauptgüterbahnhof war 2005.  30% sind öffentlich geförderter Wohnungsbau, der Rest sind Luxuseigentumswohnungen. Viel asiatisches Kapital ist hier investiert worden. In der Mitte ein Grüngürtel, der eigentlich komplett untertunnelt werden sollte, aber aus Kostengründen nicht komplett realisiert wurde. Es sollen Wohnungen für 10.000 und Arbeitsplätze für 30.000 Menschen entstehen. Es ist interessant, dass die befürchteten sozialen Konflikte zwischen dem Neubaugebiet und dem gewachsenen Gallusviertel nicht entstanden sind. Beide Stadtteile haben sich positiv akzeptiert. Auf dem Schlussstück unserer Stadtrundfahrt zum Main Tower, kamen wir noch an der Deutschen Bank vorbei. "Soll & Haben" werden sie genannt, mit 155 m Gebäudehöhe. Überall verstreut in diesem Bankenviertel finden sich Skulpturen der besonderen Art. So beispielsweise "Inverted Collar and Tie", eine von Claes Oldenburg und Coosje van Bruggen im Jahr 1994 entworfene Skulptur. Das Kunstwerk wurde im Jahr 1993 von der DG Bank in Auftrag gegeben. Angefertigt wurde die Skulptur in Kalifornien. Das Kunstwerk ist eine ironische Anspielung auf die "Schlips und Kragen" tragenden Büromenschen des umliegenden Frankfurter Bankenviertels, die auch im Büroturm des Auftraggebers arbeiten. Oder die Skulptur "Kontinuität" von Max Bill, auch "Koloss von Frankfurt" genannt , ist ein Hauptwerk der "Zürcher Schule der Konkreten" und wurde im Auftrag der Deutschen Bank für den Vorplatz vor den Doppeltürmen ihrer Hauptverwaltung an der Taunusanlage in Frankfurt am Main erstellt. Im Herbst 2011 wurde die Skulptur in einer Grünanlage in der Nähe des "Deutsche-Bank-Hochhauses" platziert.
Der Abschluss dieser geführten Stadtrundfahrt endete am "Main Tower", den wir dann "bestiegen". Wir nahmen aus Zeitgründen natürlich den Fahrstuhl zur Plattform in der 56. Etage, der die 200 m oder 1.090 Treppenstufen in 45 Sekunden bewältigte.


Nach einem fantastischen Rundumblick, von der Skyline bis in den Taunus und Odenwald, traten wir unseren Stadtbummel durch die "Neue Altstadt" an. Das Ziel war der "Eiserne Steg", denn unser Bus sollte uns von der anderen Mainseite zur "Skyline Plaza" bringen, denn unser Mitglied Alexander Hildebrand erwartete uns dort mit dem Besichtigungsschlusspunkt: "Skyline Garden".

Im Zuge des "Neue Altstadt-Projekts" wurden die Plätze und Straßenzüge "Alter Markt" und "Neugasse" mit ihren historischen Grundstücken und Innenhöfen, darunter dem "Hof Rebstock am Markt" und dem "Goldenen Lämmchen", weitgehend wiederhergestellt. Insgesamt entstanden 35 Neubauten, darunter 15 als "schöpferische Nachbauten" bezeichnete Rekonstruktionen von historischen Altstadthäusern. Als wertvollste Rekonstruktion und Prunkstück des Areals gilt das "Haus zur Goldenen Waage". Für alle Neubauten galt eine 2010 erlassene Gestaltungssatzung, die unter anderem ausschließlich steile Satteldächer zuließ und die Verwendung bestimmter Baumaterialien vorschrieb, die für Frankfurt regionaltypisch waren und sind. Die Kommentare im Regionalfernsehen dazu waren sehr unterschiedlich und genau so erging es uns auch. Historische Baumaterialien und Farben, die frisch verarbeitet wurden, sind schon sehr gewöhnungsbedürftig. Nach dem Kriege hatte man an dieser Stelle das "Technische Rathaus" errichtet, das nach 40 Jahren nicht mehr den Anforderungen entsprach und abgerissen wurde. So begann 2004 die Planung und Ende September 2018 wurde es nun feierlich eröffnet. Leider sind in diesem Areal die Gassen so eng, dass Fotos nur mit einer Spezialausrüstung möglich sind.

Danach erwartete uns Alexander Hildebrand in der "Shopping Mall – Skyline Plaza", mit 170 Läden und dem "Skyline Garden" mit über 10.000 m². Das ovale Grundstück ist ein 47.000 m² großes östlich gelegenes Teilstück des ehemaligen "Frankfurter Hauptgüterbahnhofs"

im Stadtteil Gallus und dominanter Eingangsteil des Neubaugebiets Europaviertel. Im Norden grenzt das Grundstück an das Messegelände, im Süden an die Innenstadt und wurde 2013 eröffnet.

Alexander Hildebrand hatte den Auftrag bekommen, wobei "Shopping Mall" für Raumbegrüner wegen der problematischen Lichtverhältnisse als extrem schwierig gelten; „Das geht eigentlich gar nicht," so seine Aussage.

Da bereits für die Raumbegrünung im Einkaufszentrum tätig, hat das Center-Management Alexander Hildebrand beauftragt, auch den Dachgarten zu pflegen. Im September 2013 ist das Center eröffnet worden und erst im Februar/März 2014 konnte der Pflegedienst zum ersten Mal dort aktiv werden. Das größte Problem war und ist die Bewässerung, da ein Bewässerungs-Anlagenbauer für das gesamte Objekt verantwortlich ist. 150 Bewässerungskreise werden über Magnetventile gesteuert. Es werden einige 1.000 m³ Wasser verbraucht. Dadurch, dass der Garten direkt auf dem Dach aufgebracht ist, wird das Center gekühlt und somit die Kosten teilweise kompensiert. Alle Bewässerungskreise sind automatisiert ohne die Möglichkeit manuell einzugreifen. So ist  es vorgekommen, dass einzelne Kreise 6 – 8 Wochen ausgefallen sind. Die Substrathöhe beträgt zwischen 50 und 100 cm. Der SXYLINE GARDEN ist an 365 Tagen 24 h täglich geöffnet und wird als ein Kleinod direkt in der City gut angenommen. Von der Aussichtsterrasse aus hat man einen hervorragenden Blick auf das Wohnhochhaus "Grand Tower", 172 Meter hoch und damit das höchste Wohnhochhaus Deutschlands. Baubeginn war Anfang 2016  nachdem alle Wohnungen verkauft waren. Alexander Hildebrand hatte den Auftrag, auf den Dachterassen der oberen Wohneinheiten,  durch Vertikalbegrünung  einen wirksamen Sichtschutz zu erstellen. Im SKYLINE GARDEN liegen unterschiedliche Disziplinen an: Heckenschnitt, Rasen schneiden, Rasen sanieren nach Partys, kurze Pflegeintervalle, viel Dreck wegräumen, die Bodenentwässerung warten, Spielgeräte montieren, 2 m³ Sand im Spielplatzbereich austauschen, wobei die Pflege der Patenen im "Restaurant Alex" dabei noch nicht mit erfasst sind.  All das ergibt einen Einsatz von knapp 2.000 h pro Jahr. Außer im Januar/Februar ist das Pflegeteam jede Woche vor Ort.

Den Abschluss des Tages rundete eine gemütliche Grillrunde, zurück in Grünberg, ab. Wir waren alle voll der vielen so unterschiedlichen Eindrücke, von historischer Architektur, über städtebauliche Ideen, Raumbegrünungen in Großobjekten, bis hin zu Dachgestaltungen und Dachbegrünungen. Die Mitgliederversammlungen der letzten Jahre scheinen sich einzeln übertreffen zu wollen.

Herzlichen Dank an alle, die an dieser Gestaltung dieses so eindrucksvollen Wochenendes mitgewirkt haben.

Die Fotos von dieser Mitgliederversammlung finden Sie in der Rubrik Mitgliederversammlung 2018!

(04.04.2019)

Update: 2019-05-01 11:39:09