Crassula ovata (Mill.) Druce

* System Hydrokultur

© Stefan Hecktor

Kritisch betrachtet

Wohin führt der Weg der Hydrokultur? Über dieses Thema wurde in den letzten Jahren seit  Erscheinen der Mitgliederzeitung 'Hydrokultur intern' schon oft berichtet.

Das Lamentieren ist groß, das Einzelkämpfertum auch. Wir von der DGHK wissen ganz genau welches gut funktionierende System wir für die Langzeitbewässerung von Zimmerpflanzen mit der Hydrokultur haben.

Wir sehen aber auch, wo die Probleme (- oder positiv:
die Chancen -) des Systems Hydrokultur liegen. Nur mit einem perfekt aufeinander abgestimmten System können Endnutzer von der Hydrokultur überzeugt werden.

Deshalb wollen wir an dieser Stelle einmal den Finger in die Wunde legen und die Hydrokultur- Systembausteine zusammenfassend kritisch betrachten.

In der kleinen Hoffnung, dass die Systemhersteller, die Pflanzenproduzenten, der Fachverband Raumbegrünung und Hydrokultur im ZVG und die FLL sich der Sache einmal annehmen.

Wasserstandsanzeiger
In Hydrokultur intern Nr. 16 und auf der IPM 2005 wurde auf das Problem der unterschiedlichen Anzeigehöhen bei 19er Wasserstandsanzeigern von verschiedenen Herstellern hingewiesen. In einem kleinen, einfachen Test hatte dies Dr. Molitor festgestellt. So sollte bei den Anzeigern für Bodengefäße (KT 19) bei Optimum die Wasserstandshöhe bei 3,5 cm liegen.
Aber auch bei der Ausgestaltung der Anzeiger könnte es eine Weiterentwicklung geben. Kriterien sind: Anzeiger soll oben offen sein; Anzeige sollte lesbar sein, die Bezeichnung Optimum in Stopp ändern; Maximum nicht mehr aufdrucken, Funktionsfähigkeit sollte regelmäßig geprüft werden.

Blähton
Für den Blähton gibt es Gütekriterien der RAL Gütesicherung für Blähton in der Hydrokultur (Gütegemeinschaft Substrate für Pflanzenbau e. V.). Warum gibt es aber trotzdem in der letzten Zeit auch nach eigenen Erfahrungen Probleme mit dem "Ausblühen" von Blähton? (Nach einigen Wochen bildet sich beim Kunden ein weißer Kalkbelag (?), der nicht schön aussieht.)

Kulturtopf
In einem Beitrag in Hydrokultur intern Nr. 5 (2002) hat Udo Stock das Problem der Behinderung des Wurzelwachstums durch den Kulturtopf sehr gut beschrieben. Nachdem die Pflanzen, im Hydrokulturtopf bewurzelt und ihren festen Stand gefunden haben, werden sie zur weiteren Vermarktung den Hydrokulturgärtnern oder den Verbrauchern zur Verfügung gestellt. Bei einer guten Pflege und einem guten Standort entwickeln sich sowohl die Pflanze als auch ihre Wurzeln sehr schnell.

Dabei ist das Wurzelwachstum schon nach kurzer Zeit stark eingeschränkt. Da die Wurzeln nur aus den Öffnungen des Hydrokulturtopfes wachsen können, die sich in der wasserführenden Zone befinden, verwurzelt der Hydrokulturtopf in der Feuchtzone so stark, dass hier bald kaum noch Wurzelwachstum möglich ist.
Eine gute Wurzeldurchlüftung ist daher auch nicht mehr gewährleistet. Und gerade die Wurzeldurchlüftung ist eine der wichtigsten Bausteine der gesunden Hydrokultur.

Ist kein ausreichendes Wurzelwachstum und keine Wurzeldurchlüftung mehr gewährleistet, treten Pflanzenschäden und -schädlinge auf, die letztendlich zum Absterben der Pflanze führen können, zum Teil sogar führen.

Die Lösung — der Kulturtopf mit vorgestanzten Fenstern — wurde von Udo Stock schon vor Jahren patentiert. Keiner der Hersteller von Kulturtöpfen hatte aber Interesse an der Produktion. Auch will keiner der Pflanzenproduzenten Palmen und Dracaenen in diesem Kulturtopf anbieten. Und die Raumbegrüner — die später die Probleme und Reklamationen haben — fordern den neuen Kulturtopf nicht lautstark genug ein.

Düngung
Für die Düngung im Profibereich gibt es unzählige Rezepte und Möglichkeiten: Langzeit-, Flüssig– oder Salzdünger. Diese sind gut beschrieben und können mit Leitfähigkeits- und Nitratmessungen auch gut kontrolliert werden. (Nr. 6, 2002) Aber gerade die Langzeitdüngung mit Lewatit HD 50 oder anderen Ionenaustauschern hat so seine Tücken:
Der Ionenaustauscher funktioniert nur in der wasserführenden Zone. Aber wer verwendet das Düngerohr oder den Service - Point?
Nach Untersuchungen in Geisenheim ist die Düngewirkung bei empfohlener Düngermenge nach etwa 3 Monaten im unteren Bereich. Aber immer noch gibt es Empfehlungen von Fachleuten nach 6 Monaten zu düngen.

Als die Produktion von Lewatit HD 50 — die spezielle Entwicklung von Dr. Strauch für weiches Gießwasser — vor einigen Jahren eingestellt wurde, gab es zwar seitens der Systemanbieter Alternativen (Floralin Plus oder Magnesiumkalk), aber werden diese auch im Fachhandel geordert und an die Endverbraucher weitergegeben?

Untersuchungen von Flüssigdüngern für Endverbraucher in Geisenheim (Nr. 3, 2001) deckten eine Reihe von Schwachstellen auf. Besonders gravierend ist im Einzelfall das Fehlen von Spurenelementen, der hohe Gehalt an Chlorid sowie unzureichende oder falsche Anwendungsempfehlungen.
Wann gibt es eine neue Untersuchung?

Gefäße
Rein theoretisch ist das System Hydrokultur firmenübergreifend kompatibel. Aber wie das so ist: Keine Regel ohne Ausnahme. Es kommt immer wieder vor, dass der Wasserstandsanzeiger von Firma a nicht in die Aussparung bei Kulturtopf b passt.
Ärgerlicher ist das Problem wenn der Kulturtopf x im Hydrokulturgefäß y nicht passt, sei es, dass das Gefäß konisch ist, oder der Kulturtopf einen breiten Rand hat oder die Seitenwand höher gezogen wurde. Aktuell ist das Problem beim 13/12er Kulturtopf von Leni in Verbindung mit der Serie Venus von Luwasa und lineaVerde.
Dieses Problem ist schon seit langem bekannt (Hydrokultur intern Nr. 12, 2004).

Pflanzen
Die Produktionsfläche an Hydrokulturpflanzen ist in den letzten Jahren kontinuierlich kleiner geworden.
Dies führt mittlerweile zu einem verkleinerten Pflanzensortiment. Warum können sich Systemanbieter und Pflanzenproduzenten nicht auf Produktionsabsprachen einigen, um wenigstens die Vielfalt zu erhöhen?

Aber auch die Pflanzenqualität hat in den letzten Jahren gelitten. Was nützen Qualitätsnormen, wenn diese bei der Produktion nicht angewendet werden.

Bereits beim 4. Euro- Forum Hydrokultur im Jahre 2001 (Nr. 7, 2002) stellte Franziska Kohlrausch vom Institut für Zierpflanzenbau an der FH Weihenstephan in einer kritischen Betrachtung die Frage:

Hydrokultur, ein System mit Zukunft? Auf Grund ihrer Vorteile hat sich die Hydrokultur unter den Innenraumbegrünungssystemen in Deutschland den ersten Platz erobert und über Jahrzehnte gehalten.
So wie es derzeit aussieht, ist die Hydrokultur aber dabei ihren 1. Platz zu verlieren.

Wo liegen die Versäumnisse?
1. Im Grunde kann festgestellt werden, dass in den letzten Jahren weder von Seiten der Wissenschaft, noch von Seiten der Wirtschaft großartige Innovationen gekommen sind.

2. Die im Zusammenhang mit der Hydrokultur häufig genannte Langzeitversorgung ist einfach auf Kleingefäße übertragen worden.

3. Die Liste mit Fehlern bei der Installation von Pflanzen unter suboptimalen Licht– und Temperaturverhältnissen ist endlos.

4. Der Endverbraucher wird zu wenig informiert.

5. Hydrokultur hat einen großen Exklusivitätsverlust! Was muss getan werden, um Versäumtes auf– und nachzuholen?

Über die nachfolgenden Mängel sollte nachgedacht werden:
1. Pflanzen werden oft als "Beipack" zu besonders wertvollen Gefäßen oder anderen Gegenständen, wie z.B. Zimmerbrunnen, gesehen.

2. Nur wenige Arten, die zudem schon sehr lange im Angebot sind, werden angeboten.

3. Mangelhafte Qualität wird akzeptiert.

4. Die Normung als Hemmschuh des Fortschrittes zeigt auch bei der Hydrokultur Wirkung.


5. Es ist ein gewisser Preisverfall zu beobachten.


6. Das negative Berufsimage der Gärtner in unserer Gesellschaft kommt nicht von ungefähr.

7. Versäumnisse von Verbänden und Institutionen liegen sicherlich vor.
Die vorliegenden Ausführungen zeigen deutlich, dass das Hydrokultur - System innovativ überarbeitet werden müsste.

Aber wer nimmt sich dieser Arbeit an?
Es wäre wünschenswert, wenn die Praktiker aus Industrie, Produktion und Raumbegrünung zusammen mit Wissenschaftlern und den Verbänden (Fachverband, FLL etc.) zusammenfinden würden, um die Hydrokultur weiter zu entwickeln.

Wunschdenken?
Quo vadis Hydrokultur?

(08.06.2008)
(02.02.2013)

Update: 28.09.2015 09:59:05