Lantana camara L.

Begrünung von Büros

© Stefan Hecktor

Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz
Über 17 Millionen Menschen in Deutschland arbeiten im Büro – ob Großraumbüro, Arztpraxis oder Schalterhalle. Diese Menschen verbringen meist mehr als 10 Stunden in Innenräumen. Oft regeln Klimaanlagen den Luftaustausch – in vielen Gebäuden können noch nicht einmal die Fenster geöffnet werden. Richtlinien sollen den Arbeitsschutz in den Büros regeln. Es wird auf die Ergonomie und die Beleuchtung geachtet und auch der Bildschirmarbeitsplatz wird regelmäßig verbessert. Und dennoch verzeichnen die kaufmännisch-verwaltenden Berufe die größte Zahl von krankheitsbedingten Ausfalltagen. Die Mitarbeiter klagen über Augenbeschwerden, Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme, Ermüdung, bis hin zu Schwindelgefühlen. Dieses unspezifische Beschwerdebündel wurde schon vor Jahrzehnten unter dem Begriff „Sick-Building-Syndrom“ beschrieben. In der ganzheitlichen Bürogestaltung wird auf das Wohlbefinden der Mitarbeiter viel Wert gelegt. Fühlt sich der Mitarbeiter Begrünung von Büros Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz Begrünung von Büros wohl, steigt die Produktivität, Arbeitszufriedenheit und letztendlich die Wirtschaftlichkeit.

Was Pflanzen bewirken
Grünpflanzen im Büro haben ein breites ‚Wirkungsspektrum’. Zuallererst fördern sie die Attraktivität eines Büros und erhöhen den Büro- Attraktivitäts-Index. Dieser ist der Gradmesser für das Gefallensurteil der gesamten Büroumgebung. Als attraktiv gilt ein Ambiente, das eine bewusste Gestaltung erkennen lässt und dabei einen hochwertigen, repräsentativen und gepflegten Eindruck vermittelt. Somit wird klar, dass es nicht mit irgendeiner Pflanze aus dem Baumarkt in einem Untersetzer getan ist. Wohlproportionierte Pflanzen in schönen Gefäßen sind das Maß der Dinge. Natürlich müssen diese Pflanzen auch gepflegt werden. Nur so steigern sie das Wohlbefinden der Mitarbeiter.
Pflanzen können Büros klimatisieren, Schadstoffe absorbieren, Schall dämmen, Stress mindern und die Keimbelastung verringern. In vielen Untersuchungen und Versuchen, z.B. in Norwegen, Veitshöchheim oder in München (BMW-Studie), wurden die Wirkungen statistisch bewiesen.

Verwendungsmöglichkeiten
In der Bürobegrünung werden vor allem langlebige, bewährte Grünpflanzen eingesetzt, um das Begrünungsziel von 10 Jahren Haltbarkeit zu erreichen (FLL-Richtlinie). Die meisten sind tropische Pflanzen, die mit den gleichbleibenden Temperaturen von 20 – 24°C in den Büros am besten zurecht kommen. Das Licht ist der alles entscheidende Faktor bei der Pflanzenauswahl. Die Beratung vor Ort durch den Gärtner ist an dieser Stelle entscheidend.

Die Lichtansprüche der Pflanzen werden in drei Gruppen unterteilt:
[i(Das Minimum, bei dem weniger lichtbedürftige Pflanzen gerade noch am Leben bleiben, aber nicht mehr richtig wachsen, liegt bei 700 Lux)*]

1. Mäßig helle Standorte < 5000 Lux
z.B. Dracaena fragrans 'Stedneri', Dracaena deremensis 'Janet Craig', Philodendron sp. und Aglaonema sp.

2. Helle Standorte 5000 – 10.000 Lux,
z.B. Ficus benjamina, Schefflera sp., Palmen, wie Howeia forsteriana

3. Sehr helle Standorte > 10.000 Lux,
z.B. Euphorbia sp., Kakteen und andere Sukkulenten
[i(Es ist durchaus möglich, dass an sonnigen Tagen die Lichtstärke über 100.000 Lux ansteigt!) *Rob Herwig: Zimmerpflanzen]

Bei der Verwendung der Pflanzen sind vor allem auch der Geltungsanspruch und die Wirkung zu berücksichtigen.
Palmen wie Phoenix roebelinii oder Rhapis excelsa sind dominante Solitärpflanzen für den Empfangsbereich. Sie brauchen Platz, um ihre Wirkung zu entfalten. Der aktuelle Trend dagegen ist minimalistisch:
Hohe Vasengefäße aus Keramik oder Kunststoff werden zu dritt in eine Reihe gestellt und mit Pflanzen mit grundständigen Blättern bestückt, z.B. Zamioculcas zamiifolia oder Sansevieria trifasciata.
Im Chefbüro sind besondere Wuchsformen wie geflochtener Hochstamm von Ficus benjamina oder verzweigte Mutterpflanze von Dracaena reflexa ‚Song of India’ der repräsentative Blickfang. In den Mitarbeiterbüros dagegen ist vor allem die Robustheit und der schlanke Wuchs gefragt.
Auf den Unterschied zwischen Dekoration und Raumbegrünung sollte der Gärtner den Anwender hinweisen. Beliebte Grünpflanzen, wie Pachira oder Bambus, haben sich im Büro nicht bewährt und sind meist schon nach Wochen unansehnlich. Als kurzzeitige Dekoration können sie ihren Zweck erfüllen. Zur langfristigen Begrünung von Büros sind sie ungeeignet. Genauso verhält es sich mit blühenden Pflanzen. Nach einer Blühphase sind Azaleen, Weihnachtsstern und Alpenveilchen zwar grün, meist aber unansehnlich. Und wer kultiviert die Pflanzen noch mit viel Liebe und Geduld auf der Fensterbank bis zur nächsten Blüte?
Spathiphyllum sp. und Anthurium sp. blühen immer wieder nach und haben dazwischen grüne Blätter. Trotzdem sind diese Pflanzen langfristig nicht attraktiv, und können so für die Raumbegrünung nur bedingt empfohlen werden.
Welches System?
In der Raumbegrünung gibt es eine Vielzahl bewährter Pflanzsysteme. Erdpflanzen sind bei der Bepflanzung von Flächen gut geeignet. Spezialsubstrate vermindern die Gefahr der Verdichtung des Erdreiches. Im Büro werden mobile Pflanzeinheiten verwendet. Standard sind Gefäße mit Rollen aus Kunststoff oder Edelstahl in den Größen, Kreis 40 bis 50. Drei Systeme zur Langzeitbewässerung bieten sich an:

1. Hydrokultur – spezielle Kultur der Pflanzen in Blähton
2. Seramis – Erdpflanzen werden in Seramis (gebrannter Ton) gepflanzt
3. Lechuza - Erdpflanzen werden in Lechuza-Pon Substrat gepflanzt

Jedes System hat seine Eigenarten.
Der Gärtner sollte diese kennen und den Anwender darauf hinweisen.
Update: 31.08.2010 00:00:00