Flüssigdünger zur Ernährung von Citrus in Kübeln

Flüssigdünger zur Ernährung von Citrus in Kübeln

© Dr. Heinz-Dieter Molitor
28.10.2007

Für den Endverbraucher werden eine Reihe von flüssigen Spezialdüngern für die Düngung von Citrus im Handel angeboten. Ziel der vorliegenden Untersuchung war es einen Überblick über die angebotenen Produkte und deren Zusammensetzung zu erlangen.
Zusätzlich wurden die jeweiligen Anwendungskonzentrationen gemessen und das Nährstoffangebot pro Woche der verschiedenen Produkte errechnet.
12 verschiedene flüssige Citrus-Spezialdünger wurden im Mai 2003 im Handel aufgekauft und einer Analyse im Labor unterzogen. Die Bestimmung der wasserlöslichen Nährstoffgehalte erfolgte in einer mit 5 ml/l angesetzten Düngelösung in jeweils zweifacher Wiederholung. Eine Übersicht der verschiedenen Produkte mit den jeweiligen Anwendungsempfehlungen ist in Tabelle 1 aufgeführt.

Die Zusammensetzung der einzelnen Produkte war bezogen auf die absoluten Nährstoffgehalte, als auch im Hinblick auf das Nährstoffverhältnis, sehr unterschiedlich. Die Analyse ergab, dass die von den Herstellern deklarierten Gehalte meist hinreichend genau mit den gemessenen Werten übereinstimmten (Tab. 2, Tab. 3 und Tab. 3a). Nennenswerte Abweichungen ergaben sich lediglich bei den Produkten Dehner, Euflor, Floragard und Gardol.

Für die Ernährung von Citrus bedeutungsvoller dürfte allerdings das Fehlen von wichtigen Spurenelementen sein. Deutliche Defizite wiesen hier die Produkte "Dehner", "Gabi" und "Grün erleben" auf. Positiv zu vermerken ist, dass alle Hersteller zumindest das Eisen in Chelatform einsetzen, wobei überwiegend anstelle des bei pH-Werten über 6 nicht mehr ausreichend stabilen EDTA, hochwertige Chelate wie DTPA, HEDTA oder EDDTHA verwendet werden. Bei "Wuxal" fällt der vergleichsweise deutlich höhere Zinkund hohe Eisengehalt auf.

Auch in Bezug auf die Nährstoffkonzentration der Düngelösung zeigen sich erhebliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Herstellern (siehe Tab. 4). Zu deren Beurteilung muss allerdings auch die Häufigkeit der empfohlenen Anwendung mit herangezogen werden. In Tab. 5 wurde deshalb das Nährstoffangebot auf der Grundlage einmal wöchentlicher Düngung berechnet. Dabei wurde aufgrund der Erfahrungen des Versuchsjahres 2003 von einer dreimaligen Bewässerung pro Woche während des Sommerhalbjahres ausgegangen.

Bereits am Beispiel des Leitelementes Stickstoff wird deutlich, wie unterschiedlich das Nährstoffangebot bei den einzelnen Produkten ist. Im Extremfall werden bei dem Produkt "Grün erleben" nur 103 mg N/l Düngelösung angeboten, bei dem Produkt Dehner mit 1490 mg/l eine mehr als 10-fach höhere Konzentration. Ähnliches gilt auch für die übrigen Nährstoffe.

Zusätzlich ist in Tab. 4 und Tab. 5 der Gehalt an Schwefel aufgeführt. Schwefel ist ein Makronährstoff, der in der Regel nicht deklariert wird. Einige Produkte enthalten keine nennenswerten Mengen, was bei der Verwendung von Regenwasser als Gießwasser beachtet werden muss. Vorangegangene Untersuchungen von Flüssigdüngern haben teilweise hohe Gehalte an Ballast-Ionen, wie Natrium und Chlorid ergeben.
In der vorliegenden Untersuchung waren von beiden Ionen meist nur geringe Mengen nachweisbar. Lediglich zwei Produkt fielen durch hohe Chloridgehalte auf. So betrug der Chloridgehalt bei Euflor 268 mg/l in der Anwendungslösung, was einem Gehalt von 2,39 Gew.-% im Düngemittel entspricht. In Floragard waren 1,06 Gew.- % Chlorid enthalten.

Die Untersuchung macht deutlich, dass die verschiedenen Citrus-Flüssigdünger sehr unterschiedlich zusammengesetzt sind und das Nährstoffangebot extrem unterschiedlich sein kann. Es ist deshalb nicht verwunderlich, wenn der Verbraucher im Einzelfall auch sehr unterschiedliche Erfahrungen mit der Düngung seiner Pflanzen macht. Dies dürfte mit erklären, warum Citrus häufig mehr oder weniger chlorotisch sind. Dafür gibt es weitere mögliche Gründe. So können Flüssigdünger aus technischen Gründen keine nennenswerten Ca-Mengen enthalten, da Calcium mit Phosphat in konzentrierten Lösungen schwerlösliche Verbindungen eingeht und ausgefällt wird. Calcium muss demnach in ausreichender Menge durch das Gießwasser zugeführt werden.

In diesem Zusammenhang ist die Empfehlung einiger Hersteller nicht nachvollziehbar Regenwasser oder weiches Gießwasser zu verwenden. Der im Topfsubstrat enthaltene begrenzte Kalkvorrat dürfte durch Entzug und Auswaschung bald erschöpft sein. Ähnliches gilt auch für die Versorgung mit Magnesium. Auch Magnesium ist schwierig in Flüssigdüngern in Lösung zu halten. Nur bei drei Produkten ist deshalb Magnesium deklariert (Dehner, Gabi und Substral) und bei "Algoflash", "Dehner", "Gabi" und "Grün erleben" auch tatsächlich in nennenswerter Menge enthalten.

Wenn mit Regenwasser gegossen werden soll, müssen im Düngemittel auch nennenswerte Sulfatmengen zur Versorgung der Pflanzen mit Schwefel enthalten sein. Dies ist bei "Chrysal", "Euflor", "Floragard", "Gabi" und "Grün erleben" nicht der Fall.

Zusammenfassend kann es nicht verwundern, wenn viele Citrus so aussehen, wie sie aussehen: mehr oder weniger chlorotisch. In nachfolgenden Untersuchungen wurden deshalb die angeführten Flüssigdünger in einem Vegetationsversuch mit zwei Citrusarten untersucht, wobei neben der von Herstellern empfohlenen Konzentration auch eine "optimierte" Variante geprüft wurde. Parallel dazu wurden Steigerungsversuche mit einem Profidünger durchgeführt. Über die Ergebnisse wird in einer der nächsten Ausgaben von "Hydrokultur intern" berichtet werden.

Hinweis: Zur Zeit laufen im Fachgebiet Zierpflanzenbau in Geisenheim umfangreiche Versuche zur Frage der Phosphat- und der Ca-Ernährung von Citrus calamondin. Beide Faktoren stehen vermutlich in engem Zusammenhang zur Chloroseproblematik.

Alle Tabellen können eingesehen unter: Füssigdünger! (HDM)

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