Buntnessel

Pflanzen verbessern Raumklima im Büro

© Plants for people

Neueste Forschungsergebnisse
Der Mensch hält sich in Mitteleuropa ca. 90% seines Lebens in Räumen auf:
zu Hause, im Büro, in Verkehrsmitteln wie Auto, Bus und Bahn.
Grund genug, um die Innenraumluft als einen wesentlichen Gesundheitsfaktor in Betracht zu ziehen.

Eine Forschungsgruppe der Technologischen Universität Sydney ging in einer ausführlichen Untersuchung der Frage nach,
ob Topfpflanzen in der Lage sind, zu einer Reduktion der flüchtigen organischen Verbindungen in Büroräumen beizutragen.

Zu den flüchtigen organischen Verbindungen (Volatile Organic Compounds, auch VOCgenannt) zählen Stoffe wie
Benzin, Benzol, Alkane, Aldehyde, viele Ester und Tetrachlorethen.

VOC werden von einer Vielzahl von Produkten ausgesondert, z.B. aus Baumaterialien, Ausstattungsmaterialien, Teppichen, Möbeln, Reinigungsmitteln, Lacken, Wandfarben etc. Sie können in hoher Konzentrationfür das Auftreten von Befindlichkeitsstörungen (Sick-Building-Syndrome) oder ernstere Gesundheitsbeschwerden in Gebäuden verantwortlich sein.

Die Symptome der Betroffenen reichen von Augen- und Schleimhautreizungen, trockenen Schleimhäuten oder Hautausschlag über Kopfschmerzen,Erschöpfung und schnelle Ermüdung, Störungen der Gedächtnisleistung und Konzentrationsfähigkeit bis hin zu unangenehmen Geruchs- und Geschmackswahrnehmungen.

Das Studienprojekt wurde zwischen Juni und Oktober2003 in klimatisierten und nicht klimatisierten Büroräumen, die zur Technologischen Universität Sydney gehören, durchgeführt.

Eine wichtige Voraussetzung für die Forscher war es, den Einfluss einer 'realistischen' Anzahl von Topfpflanzen auf die Qualität der Raumluft in den Büros zu untersuchen.

Eine Versuchsreihe wurde mit drei bzw. sechs Dracaena deremensis pro Bürodurch geführt.
Diese standen aufgrund der Wuchshöhe von 1,30 Metern auf dem Boden in Töpfen mit 30 cm Durchmesser.
In einer zweiten Versuchsreihe wählte man eine gemischte Bepflanzung im Tischformat, d.h.fünf Spathiphyllum und eine Dracaena deremensis in 20 cm-Töpfen.


Die Studie förderte Erstaunliches zutage: Nur wenn die flüchtigen organischen Verbindungen(VOC) über 100 ppb (parts per billion) lagen, trug die Anwesenheit der Topfpflanzen zu einer Reduktion der Schadstoffbelastung von 50 bis 70 Prozent bei.

Lagen die flüchtigen organischen Verbindungen unter 100 ppb, gab es keinen bemerkenswerten Unterschied zwischen den Büros mit und ohne Pflanzen und somit auch keine Verringerung der Belastung. Des weiteren stellte man in Bezug auf die Reduktion der Schadstoffbelastung keinen Unterschied zwischen klimatisierten und nicht klimatisierten Büros fest.

Die Untersuchungsergebnisse führen zu der Hypothese, dass die Innenraumluft mit flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) den Grenzwertvon 100 ppb (eine extremgeringe Konzentration) überschreiten muss, um den Organismus der Pflanzen zu einem Schadstoffabbau zu stimulieren.
Der durchschnittliche Wert für flüchtige organische Verbindungen in geschlossenen Räumen bewegt sich zwischen 200 und 400 ppb. Zudem ergaben die Untersuchungen,dass schon wenige Pflanzen ausreichebn, um die Luft zu säubern.

"Es stimmt nicht, dass man einen ganzen Regenwald braucht", konstatiert die Universitätsprofessorin Margaret Burchett.
Bereits 2002 hatte sie mit ihrem Team häufig genutzte Zimmerpflanzen wie Einblatt oder Kentiapalme in geschlossenen Kammern von der Größe eines Aquariums untersucht. Unter diesen Bedingungen wurden flüchtige organische Substanzen innerhalb von 24 Stunden sogar komplett aus der Luft entfernt.

Doch neben den direkten Verbesserungen des Raumklimas haben Pflanzen auch wesentliche emotionale Wirkungen auf das individuelle Wohlbefinden und auf das Miteinander im Büro.

Diese "weichen Faktoren", die nur bedingt messbar sind, dürfen nicht aus den Augen verloren werden. Eine Umfrage der Kienbaum Executive Consultants und TNS Emnid unter 152 deutschen Nachwuchs-Managern aus dem Jahr 2003 hat ergeben, dass bei der zukünftigen Arbeitgeberauswahl ein gutes Arbeitsklima im Unternehmen das wichtigste Kriterium ist. "Weiche Faktoren" wie persönliches Wohlbefinden und Motivation beeinflussen zunehmend den Berufsalltag der künftigen Führungskräfte. Befragt nach ihren Vorstellungen vom optimalen Arbeitsplatz antworteten fast 60 Prozent, dass sie gerne Pflanzen im Büro hätten.

Die Präferenz für Grün im Arbeitsumfeld steht noch vor dem Wunsch nach einem technisch perfekten Arbeitsplatz, den 50 Prozent der Befragten als Optimum nennen.(pfp)
Update: 26.11.2007 00:00:00