Hydrokultur in der Fachpresse

Hydrokultur in der Fachpresse

© Stefan Hecktor
27.10.2007
Im vergangenen Herbst konnte man die ein oder andere Veröffentlichung in der TASPO (Wichtigste Wochenzeitung des deutschen Gartenbaus) mit Verwunderung lesen. Man musste fast den Eindruck gewinnen, die TASPO - Redaktion will die Hydrokultur bewusst beschädigen. Ausgangspunkt war ein Interview mit der Geschäftsführerin des Verbandes deutscher Gartencenter , Martina Lok-Tönnies, die auf die Probleme im Absatz mit Hydrokulturen hingewiesen hatte (September 2004).

Diesen Artikel hat der ehemalige Chefredakteur der TASPO, Walter Helfert, zu einem persönlich unterzeichneten Lesebrief genutzt. (Oktober 2004).
Willi Höfer hat daraufhin im Namen des Fachverbandes Raumbegrünung und Hydrokultur den nachfolgenden Brief geschrieben, welcher
ebenfalls im Oktober 2004 in der TASPO veröffentlicht wurde.

Hydrokulturen sind für viele Fälle noch immer erste Wahl ..
Kritik Ist hilfreich und nützlich.
Kritik erfordert aber auch solides Wissen und Kenntnisse. Der Leserbrief von Walter Helfert aus Vallendar aber belegt: Die Lust am Untergang ist im Gartenbau weiter ungebrochen. Walter Helfert redet ein seit Jahrzehnten erwiesenermaßen erfolgreiches Raumbegrünungssystem schlecht.
Ohne Zweifel hat die Hydrokultur Grenzen, so zum Beispiel im Temperaturbereich.
Aber einen im System begründeten faktischen Vorteil zum Nachteil zu verkehren, spricht für diese Lust am Negativen. Die Hydrokultur ist ein System zur Langzeithaltung von Pflanzen. Der Nutzer, sei es Verbraucher. Arzt, Hotelier usw. erwarten eine pflegeleichte Pflanzenhaltung. Blütenpflanzen sind attraktiv, aber - und dies liegt in der Natur der Sache begründet - in ihrer Blühdauer begrenzt. Deshalb finden Blütenpflanzen in allen Langzeitpflanzenhaltungssysteme n nur einen geringen Einsatz.

Wer möchte schon eine verblühte Pflanze in seinem Gebäude, wer möchte jeden morgen Blütenblatter aufsammeln? Wer also Gärtner aus Überzeugung ist, möchte dem Nutzer solche Erfahrungen ersparen, die eine weitere Investition in Grün sicherlich behindern würden. So kann man den Leserbrief nur noch als Plädoyer für Textilpflanzen in gewerblichen Gebäuden verstehen oder man müsste gänzlich auf Pflanzen in Innenräumen verzichten.
In gleichem Sinne sind auch die sicherlich vorhandenen negativen Begrünungsbeispiele zu verstehen. Im Regelfall handelt es sich um lange existierende Begrünungen, die in vielen anderen Pflanzenhaltungssystemen längst den Tod gefunden hatten.
Die Besitzer solcher Hydrokulturen glauben häufig auf die professionelle Pflege verzichten zu können oder sind nicht bereit, für optimalere Haltungsbedingungen zu sorgen.

Auch hier gilt: Eine lebende Begrünung ist dennoch überall dort sinnvoll, wo Pflanzen überleben. Ich möchte keine Textilpflanzenwüste in deutschen Arztpraxen, Rechtsanwaltskanzleien, Firmenentrees oder Hotels und Gaststätten.
Die Hydrokulturbegrünungen sind für viele Fälle noch immer erste Wahl. Anders wäre es auch nicht zu verstehen, dass sicherlich in klar über 80 % der Begrünungen in mobilen Gefäßen Hydrokultur eingesetzt wird.
Die Frage der Wohlfahrtswirkung von Pflanzen in Innenräumen ist immer auch ein Thema deutscher Verbände und Institutionen gewesen. Die Aussage der besonderen Eignung von Hydrokulturen bei der Luftreinigung basiert auf Forschungsergebnissen der Universität Köln, die als erste die Mechanismen dieser symbiotischen Systeme
aufgezeigt haben.

Aber wie gesagt, die Freude, in Deutschland die Dinge schlecht zu reden, zieht sich durch die Ausführungen Walter Helferts, der diese Urheberschaft fälschlicherweise in die Niederlande verlegt.
Es gilt hier nicht» die zweifelsohne bestehenden Schwierigkeiten der Hydrokultur im Konsumentenmarkt zu verneinen.

Aber die Ursachen liegen nicht in den Schwächen des Systems, sondern in einer schnelllebigen Zeit, Pflanzen sind häufig Dekorationsartikel für ein schöneres Zuhause.
Die Branche setzt sich seit mehreren Jahren selbstkritisch mit diesen Fragen auseinander und musste feststellen, dass hier eine Reihe von Gründen von der Mode bis zum Personalabbau im Einzelhandel ineinander greifen, deren Beseitigung so leider noch nicht gelungen ist Hier wäre eine selbstkritische Frage sinnvoll gewesen, ob nicht gerade der Fachhandel sich mit einem etwas beratungsintensiveren Produkt wie der Hydrokultur besser von allen anderen Vermarktungskanälen hätte absetzen können.

Es gibt sie nämlich noch, die Gärtnerkollegen, die erfolgreich Hydrokultur an den Endverbraucher verkaufen.

Die Hydrokultur wird, wie andere beratungsintensivere Produkte dabei häufig klar Profilbildend eingesetzt. Deshalb gilt es die Chancen des Produktes Hydrokultur zu nutzen und nicht das Totenglöckchen zu läuten. Es gibt kein anderes Produkt der Branche. bei dem es In den vergangenen Jahren gelungen wäre, einen neuen Gattungsbegriff beim Verbraucher zu verankern. Der Verbraucher kennt Hydrokultur. Eine Neubelebung dieser Idee verdient die Anstrengung vieler Gärtnerkollegen in der Kette vom Produzenten bis zum Facheinzelhandel.
Willi Höfer Vorsitzender des Fachverbandes Raumbegrünung und Hydrokultur (SH)

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