Hydrokultur-Systemteil: Wasserstandsanzeiger - Deutsche Gesellschaft für Hydrokultur e.V.

Hydrokultur-Systemteil: Wasserstandsanzeiger

© Stefan Hecktor Grundlagen der Hydrokultur

Über den Anzeiger wird der Wasserstand im Gefäß sichtbar gemacht.

Das Prinzip
Der Wasserstandsanzeiger besteht aus einer Hülse mit durchsichtigem Oberteil und undurchsichtigem Unterteil. Im Unterteil befinden sich Schlitze, durch die Wasser zum sogenannten Schwimmer ins Innere dringt. Dieser hebt und senkt sich mit dem Wasserstand. Auf dem Schwimmer sitzt ein Kunststoffstäbchen mit Signalkopf. Je nach Wasserstand zeigt er auf die Marken Minimum oder Optimum, leider häufig auch immer noch Maximum.

Größen
Es gibt einheitliche Wasserstandsgrößen aber auch etliche Sondermaße. Die Höhen sind auf die Kulturtopfhöher abgestimmt.
  •   5 cm
  •   7 cm
  •   9 cm
  • 12 cm
  • 19 cm
  • 28 cm


Die kleinen Wasserstandsanzeiger 5 und 7cm sind aber mit Vorsicht zu genießen, da diese Anzeiger ja nur ein kleines Spiel haben, und deshalb sehr ungenau sind.
Für Großpflanzen jenseits der 28cm Kulturtopfhöhe gibt es die Möglichkeit Wasserstandsanzeiger zu verlängern oder aber speziell ahngefertigte zu verwenden.

Die Anwendung
Gegossen wird über den Blähton bis der Anzeiger die Markierung 1 Optimum anzeigt. Nachgießen erst dann, wenn der Wasserstand auf Minimum abgesunken ist, der sogenannte ,Ebbe und Flut - Effekt tritt ein.

Der Zeitraum bis zum Nachfüllen richtet sich nach der Gefäßgröße, der Pflanzenart und dem Standort.
Eine regelmäßige Kontrolle des Anzeigers ist wichtig, um den Gießzeitpunkt festzustellen. Der professionelle Raumbegrüner, der alle 3 Wochen zur Pflege ins Büro anrückt, weiß, welche Pflanzen viel Wasser benötigen, und welche weniger, damit sie drei Wochen optimal versorgt sind. So brauchen Rhapis-Palmen an einem warmen Standort mehr Wasser als ein Dracaena-Tuff am Nordfenster.

Das Prinzip Wasser-Luft
Das größte Problem bei Zimmerpflanzen ist, dass diese totgepflegt werden. Viele Menschen glauben, ihren Pflanzen wie einem lieben Gast laufend etwas anbieten zu müssen; und was sie zur Hand haben, ist Wasser, Wasser, Wasser.
Mindestens ebenso nötig wie Wasser braucht die Pflanze jedoch auch Luft, und die nimmt sie nicht nur über ihre Blätter, sondern auch über ihre Wurzeln auf (Wurzelatmung).

Wo aber Wasser ist, da kann keine Luft sein.
In der Hydrokultur gibt es eine Wasseroberfläche, eine Wassergrenze im Substrat, da sich das Wasser nicht wie in Erde mit dem Substrat zu einem luftlosen Gemenge verdichten kann. Der Blähton selbst ist strukturstabil. Er bleibt gekörnt und sichert so auch immer die Luftzufuhr zum Wurzelbereich.
Zu viel Wasser führt zu Sauerstoffmangel im Wurzelbereich. Dadurch kommt es zum Absterben der Saugwurzelnd und der Hemmung der Wasser- und Nährstoffs-Aufnahme (Wurzeln faulen). Es entstehen es zu Welkeerscheinungen der Blätter, da ja in den Trieben Wasser fehlt. An den abgestorbenen Saugwurzeln können sich außerdem viele bakterielle und pilzliche Krankheitserreger entwickeln.

In älteren Büchern und Pflegeanleitungen wird davon geschrieben, dass man Hydrokulturpflanzen ruhig auch zwei bis drei Tage mal trocken stehen lassen kann. Abgesehen von der Gefäßgröße und der Pflanzenart (Steht eine Rhapis-Palme ein Wochenende trocken, ist sie anschließend Stroh!) kann man diesen Tipp heute nicht mehr so ohne weiteres weitergeben.

Der Grund ist das Substrat. Früher konnte der Blähton etwa 18% Wasser speichern und diente so in der "Trockenphase" als Reservetank. Doch seit den 90er Jahren wird der Blähton aus produktionstechnischen Gründen bei höheren Temperaturen gebrannt. Dadurch ist Wasserspeicherrate auf weniger als 7% gesunken.

Bei zu wenig Wasser trocknet der Blähton aus. Die Saugwurzeln sterben ab und es kann zu Pflanzenschäden durch Anstieg der Salzkonzentration in den Pflanzenzellen kommen. Gleichzeitig kommt es zu einem verstärkten Wurzelwachstum, da die Pflanzen Wasser und Nahrung sucht.

Fehlleistungen
Das Ausfälle und Versager vorkommen, liegt nicht alleine an der Konstruktion der Wasserstandsanzeiger.
Doch ereignet es sich leider immer wieder, dass der Schwimmer nicht gemäß der wahren Wasserstandshöhe schwimmt, sondern tief unten, am Boden seiner Hülse festgehalten wird und dem Hydrofreund dadurch akuten Wassermangel vortäuscht. Wurzeln, Pflanzenteile oder Dünger- und Granulat-Krümel können den Schwimmer verklemmen. Eine Kontrolle des Anzeigers kann durch Klopfen mit dem Finger erfolgen. Reagiert er dann trotzdem nicht, muss er ausgebaut und unter fließendem Wasser gereinigt werden.

Untersuchungen in Geisenheim belegen, das ein möglichst niedriger Wasserstand das Pflanzenwachstum am besten fördert, da genügend Luft im Wurzelraum sich befindet. Technisch wäre dies mit dem Hydrotank System Blaicher machbar. Dieser hat sich am Markt aber nicht durchgesetzt.

Konstruktionsmängel
Durch die im Innern der Hülse des Anzeigers herrschende Feuchtigkeit, kann es zu gewissen Adhäsionswirkungen kommen: Das Stäbchen mit dem Signalknopf schmiegt sich der Wandung an und bietet dem Schwimmer unten soviel Widerstand, dass er ebenfalls schräg an der Wandung klebt, während die Nährlösung immer weiter absinkt. Ohne genaue Beobachtung kann es hier bis zu ernsten Trockenschäden an den Wurzeln kommen.

Gerade für Bodengefäße mit wertvollen Pflanzen ist ein gut funktionierender Wasserstandsanzeiger unerlässlich. Anzeiger mit einem Durchmesser eines Bleistiftes haben sich nicht bewährt. Ein Durchmesser von etwa 6 bis 7cm ist wichtig. Nur so wird die Funktionalität gewährleistet. Auch nicht bewährt haben sich Verlängerungen von normalen Anzeigern für Bodengefäße auf 28 cm oder länger. Durch den Aufsatz können die Stäbe an einer Kante im Rohr hängen bleiben. Besser sind Anzeiger, bei denen die längere Hülle (bis 64cm) aus einem Stück ist.

Eine kleine Markenübersicht
Diese Übersicht ist sicherlich nicht vollständig.
Marktübersicht

Details
Es gibt einige pfiffige Details an Wasserstandsanzeigern:
  • Düngegedächtnis ‚ welches an nächste Düngen erinnern soll (Pegulator, Grenometer, Floramat, Luwasa)
  • Farbige Hülle, damit die Größen besser unterschieden werden können. Dazu gibt es auch den passenden Farbpunkt am Kulturtopf (Aquamat color, Pegulator)
  • Leuchtstab (Aquamat color)
  • Wurzelschutz um das Anzeigerrohr (Pegulator IV, Profi)
  • Absaugschacht - ist bei Verwendung mit Düngerohr nicht mehr nötig.


Philosophie
Welcher Wasserstandsanzeiger der beste ist, ist letztendlich eher eine philosophische Frage. Wichtig ist, das er langfristig funktioniert! (SH)

(27.09.2007)
(19.01.2013)

Update: 2015-01-19 16:41:27