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Mein Wintergarten …

© Dr. Heinz-Dieter Molitor

Der Bau eines Wintergartens gehört zu den ganz großen Vorhaben

Der Bau eines Wintergartens gehört zu den ganz großen Vorhaben im Leben, ähnlich einem Hausbau. Idee und Wunsch entwickelten sich über viele Jahre, bis schließlich 1999/2000 die Umsetzung erfolgte. Wiederholte Anläufe auch bei namhaften Wintergartenherstellern waren zuvor gescheitert.

Trotz utopischer Preise waren es meist Wintergärten von der Stange und Fragen, etwa nach einer vollautomatischen Lüftung, zeigten schnell die Grenzen der Fachkompetenz der Firmenvertreter auf. Überzeugen konnte schließlich nach jahrelanger Suche ein auf Solararchitektur spezialisierter "normaler" Architekt, der einen individuellen Wintergarten, zugeschnitten auf unsere Bedürfnisse und an die vorhandene Umgebung angepasst, entwarf.
Dieser wurde unter seiner Regie mit viel Eigenleistung (Ausschachtungs-, Beton- und Maurerarbeiten) und verschiedener ortsansässiger Firmen (Stahlbau, Zimmermann, Fensterbau) umgesetzt.

Ausführung
- Grundfläche etwa 7 x 7 Meter
- Angebaut an das vorhandene Wohnhaus, aber durch eine Drehung ausgerichtet nach Süden
- Im Innenbereich drei unterschiedliche Ebenen angepasst an die Geländeneigung:
* Erste Ebene auf Kellerniveau mit Ausgang ins Freie und zusätzlichem Wohnraum. Von dort Abgang zum tiefer liegenden Weinkeller
* Über dem Weinkeller die zweite Ebene, ebenfalls mit Ausgang ins Freie.
* Über dem neu geschaffenen Wohnraum die dritte Ebene mit Sitzplatz und Anbindung an das Wohnzimmer.

Der Übergang von einer Ebene zur nächsten erfolgt über Steintreppen. Zum Konzept gehören solide Mauern aus 24 cm Kalksandsteinen nach Norden und als Seitenwände für den neu geschaffenen Wohnraum und massive Betondecken belegt mit Miltenberger Sandstein.
Alle Außenwände sind mit 8 cm Styroporplatten von außen isoliert. Die Steinmasse nimmt tagsüber Wärme auf und gibt sie in der Nacht wieder ab.

- Die Stehwand ist bis zu 5,90 Meter hoch aus lackiertem Vierkantstahlrohr; die Gesamthöhe des Wintergartens bis zur Giebelspitze beträgt 8,60 Meter.
- Der Zentralpfeiler aus Douglasholz mit schirmartig nach oben strebenden Armen gibt dem Wintergarten eine gewisse Leichtigkeit und hat kaum statische Funktion. Die Dachbalken aus Holz liegen auf dem Stahlrahmen auf und sind selbst tragend.
- Lediglich ein Viertel des Daches (Südteil) ist verglast und inzwischen mit einem zusätzlichen Sonnensegel während des Sommerhalbjahres ausgestattet, um das dann doch stark blendende Sonnenlicht zu brechen. Ansonsten ist keine Schattierung erforderlich.
- Die Verglasung erfolgte mit Energiesparglas; K-wert 1,40 (W/m² . K)
- Die Lüftung arbeitet automatisch über einen Temperatursensor und eine Regelung in drei Stufen: Zunächst öffnet ein Lamellenfenster und ein Dachfenster, dann ein zweites Lamellenfenster und das zweite Dachfenster, bei weiterem Temperaturanstieg dann fünf Kippfenster als zusätzliche Seitenlüftung, alle mit Stellmotoren. Zusätzliche Wind- und Regenwächter sind der Lüftung vorgeschaltet und schließen bei Bedarf die Lüftungsflächen.

Pflanzkonzept
Alle Pflanzen stehen in Gefäßen. Das Besondere ist, dass es sich um eine Wechselbepflanzung handelt. Im Winterhalbjahr, von etwa November bis März, ist der Wintergarten gefüllt mit 4 großen Kamelien, diversen Citrus- und Azaleen-Arten und -Sorten, sowie jeweils einer großen Myrthe, einem Leptospermum, einer Hochstamm-Olive und einer Feige.
Außerdem gibt es zwei große Kübel mit Cymbidien. Eine Kamelie (‚Chandleri elegans’) und die Myrte sind über 30 Jahre alt. Es gibt noch eine Reihe kleinerer Topfpflanzen, die im Winter gerne kühl stehen, wie beispielsweise Cyclamen und Epacris-Arten, sowie eine Ampel mit Paphiopedilum.

Im Frühjahr beginnt sich der Wintergarten Zug um Zug zu leeren. Alle erwähnten Pflanzen wandern nach draußen. Der Wintergarten ist dann aber nicht leer. Aus dem Wohnzimmer wandern diverse Orchideen an ihre Stammplätze zurück.
Außerdem wird viel Platz für die Tomatenkultur benötigt: zwei Fleischtomaten und eine Kirschtomate. Diese werden bereits Anfang Februar durch Aussaat vermehrt und angezogen. Die Tomaten werden in 20 Liter Kübeln mit Substrat kultiviert und an einer starken Kordel hoch geleitet. Mit zunehmendem Wachstum können sie über eine Rolle abgelassen werden, so wie es auch in einem Tomatenbetrieb geschieht. Die Kirschtomate erreicht in der Regel eine stattliche Höhe von etwa 5-6 Meter; die Fleischtomaten erreichen etwa 3-4 Meter.

Die bisherigen Erfahrungen:
- Schwachpunkt von vielen Wintergärten ist häufig die unzureichende Lüftung. Durch die große Höhe des Wintergartens mit Zuluft an der tiefsten Stelle und Abluftmöglichkeit im Dachbereich gibt es keinen Hitzestau, auch keine Zugluft. Die Lamellenfenster bieten Einbrechern keine Chance einzudringen.
Die automatische elektronische Steuerung funktioniert relativ gut. Es gibt allerdings immer wieder mal Störungen, die ein Eingreifen erfordern. Dies ist unbefriedigend, weil man bei Abwesenheit nicht völlig sicher sein kann, dass alles funktioniert.
- Die Pflanzen wachsen hervorragend. Auch empfindliche Kamelienarten werfen ihre Knospen nicht ab.
Von Oktober bis März gibt es regelrechte Blütenorgien durch Kamelien, Azaleen, Cyclamen, die wegen der niedrigen Temperatur außergewöhnlich lange andauern.
- Die Tomatenkultur versorgt unsere vierköpfige Familie den gesamten Sommer bis in den Spätherbst mit Früchten. Besonders die Cocktail-Tomaten haben einen hohen Zierwert, wenn man sie an der Pflanze belässt. Leider ist die Versuchung zu groß sie zu Pflücken.
Einziges Problem sind Weiße Fliegen, die sich massenhaft vermehren können und die Freude zunichte machen, wenn nichts dagegen getan wird. Gelbtafeln zeigen den Beginn des Befalls an.
- Besonders angenehm ist das völlig stressfreies Ein- und Auslagern der Kübelpflanzen im Winterhalbjahr.
- Während des Hochsommers ist es trotz guter Lüftung im Tagesverlauf im Wintergarten zeitweise zu warm. Schließlich kann die Temperatur nicht unter die Außentemperatur abgesenkt werden. Ideal sind die Zeiten im Frühjahr und im Herbst.
Ab März lässt sich der Wintergarten voll für Wohnzwecke nutzen, ebenso der Herbst bis weit in den Oktober hinein.
- Die Wärmespeicherung am Tag funktioniert sehr gut. Das Wohnzimmer bleibt auch im Hochsommer bei geschlossenen Schiebetüren angenehm kühl und zwar kühler als es vor Anbau des Wintergartens war, da die direkte Sonneneinstrahlung unterbleibt. Im Winter dient der Wintergarten als Puffer zum deutlich kälteren Außenbereich.
Die Temperaturen können bei zweistelligen Minustemperaturen im ungeheizten Wintergarten bis auf fast Null Grad absinken.
- Im Winterhalbjahr muss der Versuchung widerstanden werden die Lüftungstemperatur zu hoch einzustellen, damit bei Sonneneinstrahlung viel Wärme gesammelt wird. Die Temperaturen können auch bei Frost dann leicht auf über 20 °C ansteigen. Das würde allerdings den Pflanzen nicht gut bekommen.
Der Wintergarten hat die Wohn- und Lebensqualität beträchtlich erhöht. Es wäre falsch gewesen bei der Größe zu knausern. Er ist jeden Euro wert, den er gekostet hat.
Weitere Informationen:
Clemens Dahl
, Architekt - Solararchitektur - Holzbau - ökologische Konzepte!

Alle Bilder des Wintergartens können Sie in der Galerie Mein Wintergarten ..... sich ansehen

Update: 19.01.2013 17:03:12