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Blattläuse - Allerweltsschädlinge

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Florfliege gegen Blattlaus
Zu den häufigsten und bekanntesten Schädlingen an unseren Zierpflanzen zählen die Blattläuse. Sie können an fast allen Pflanzenarten im Freiland, im Zimmer und im Wintergarten auftreten. Blattläuse sind kleine, meist tropfenförmige Insekten von 1-4 mm Größe. Es gibt sie in verschiedenen Farben wie Grün, Gelb, Grau oder Schwarz. Typisch sind die zwei nach hinten gerichteten Röhren am Hinterleib (Siphonen). Normalerweise sind Blattläuse ungeflügelt, zu bestimmten Zeiten können aber auch geflügelte Tiere auftreten.

Manche Arten sind pflanzenspezifisch, viele andere jedoch, wie die weit verbreitete Grüne Pfirsichblattlaus (Myzus persicae), schädigen an vielen Zier- und Nutzpflanzen.
Schäden durch Blattläuse
Blattläuse findet man meist in Kolonien an den Triebspitzen sowie an den Blattunterseiten der jüngsten Blätter, da an solchen Stellen der Pflanzensaft am nährstoffreichsten ist. Um diesen aufnehmen zu können, stechen die Blattläuse mit ihrem Rüssel die Pflanzen mehrfach an, bis sie auf ein Leitbündel treffen. Durch den in der Pflanze herrschenden Unterdruck strömt der Pflanzensaft in die Laus, ohne dass sie dafür aktiv saugen müsste. Sie verwertet hauptsächlich die wertvollen Eiweißstoffe. Die im Überschuss aufgenommene Zuckerlösung wird größtenteils unverdaut wieder ausgeschieden. Sie führt auf den Pflanzen zu dem klebrig-glänzenden Honigtaubelag, den man meist als erstes entdeckt.
Auf diesem Belag siedeln sich häufig noch Schwärzepilze an. Dieser sogenannte "Rußtau" schädigt die Pflanze zwar nicht direkt, beeinträchtigt aber das Aussehen und die Assimilationsleistung.
Durch die Saugtätigkeit der Blattläuse und abgegebene Giftstoffe kommt es zu Verkrüppelungen von Triebspitzen und Blättern sowie zum Abfallen von Knospen. Außerdem übertragen viele Läuse gefährliche Viruskrankheiten, die nicht zu bekämpfen sind.

Rasante Vermehrung
Die meisten Blattläuse wechseln im Freiland zwischen einem Winterwirt (meist Gehölze) und einem Sommerwirt (meist krautige Pflanzen). Nur auf dem Winterwirt findet im Herbst die geschlechtliche Vermehrung mit Eiablage statt. Auf dem Sommerwirt und bei geeigneten Temperaturbedingungen in Innenräumen auch ganzjährig, können sich die Läuse ungeschlechtlich fortpflanzen. Die Weibchen gebären ohne Befruchtung identische, lebende Nachkommen, die ihrerseits schon nach 10 bis 14 Tagen wieder neue Läuse zur Welt bringen können. Die Entwicklung verläuft über 4 Larvenstadien, zwischen denen sich die Jungtiere jeweils häuten. Die auf den Blättern und unter den Pflanzen liegenden weißen Häutungshüllen (Exuvien) führen oft dazu, dass man einen bis dahin unbemerkten Blattlausbefall überhaupt erst feststellt. Hier sollte man schnellstens eingreifen, denn eine einzige Blattlaus kann innerhalb von drei Wochen bis zu 100 Jungtiere gebären.
Wird die Population an einer Pflanze so groß, dass sich die Läuse gegenseitig starke Konkurrenz machen, werden geflügelte Tiere geboren, die dann auf andere Pflanzen ausschwärmen

Verschiedene Bekämpfungsmöglichkeiten
Will man die Blattläuse mit Pflanzenschutzmitteln bekämpfen, müssen die Pflanzen von allen Seiten, besonders auch blattunterseits, tropfnass gespritzt werden. Die Behandlung muss mehrfach wiederholt werden, um alle Stadien sicher zu erfassen.
Biologische Präparate wie Neudosan Neu Blattlausfrei, Spruzit Schädlingsfrei und Raptol SchädlingsSpray sind zur Behandlung von Zierpflanzen in Innenräumen zugelassen und für die meisten Pflanzenarten gut verträglich. Dennoch sollten bei empfindlichen Kulturen zunächst Probespritzungen an einzelnen Trieben vorgenommen werden.

Einsatz von Nützlingen bei Blattlausbefall
Gegen Blattläuse können nützliche Insekten zur Bekämpfung eingesetzt werden.
Die Vorteile bestehen in der sicheren, umweltfreundlichen und einfachen Anwendung. Mensch, Tier, Pflanze und Umwelt werden nicht durch gefährliche Stoffe und Rückstände belastet.
Selbst gegen Pflanzenschutzmittel resistente oder auch sehr versteckt lebende Schädlinge werden erfasst. Für die Ausbringung benötigt man keine teuren Geräte und keine speziellen Kenntnisse. Auch große Pflanzen lassen sich gut behandeln, das Umfeld leidet nicht unter Spritzmittelabdrift.
Da die Nützlinge nicht wegfliegen oder auf andere Nahrung ausweichen, belästigen sie weder Menschen noch Tiere.

Gefräßige Florfliegenlarven
Für die Anwendung in der Hydrokultur sind besonders die Larven der bei uns heimischen Florfliege (Chrysoperla carnea), auch "Goldauge" genannt, geeignet. Sie sind bei Durchschnittstemperaturen von 14 – 30 °C ganzjährig einsetzbar und stellen nur geringe Ansprüche an die Luftfeuchtigkeit. Die auch als "Blattlauslöwen" bekannten Larven können im Laufe ihrer etwa dreiwöchigen Entwicklung jeweils bis zu 300 Blattläuse abtöten. Auch andere weichhäutige Pflanzenschädlinge werden nicht verschmäht, mit den zangenförmigen Kiefern festgehalten und ausgesaugt. Die nacht- und dämmerungsaktiven Florfliegenlarven werden ca. 5 – 10 mm groß und ähneln in der Körperform kleinen Krokodilen.
Ihre Entwicklung endet bei gezielter Ausbringung normalerweise mit dem Puppenstadium, d.h. es schlüpfen keine Schwärme von erwachsenen Florfliegen, was in Innenräumen sicherlich von Vorteil ist. Auf Grund ihres effektiven Fraßverhaltens können Florfliegenlarven auch bei stärkerem Blattlausbefall (erste Kolonien) eingesetzt werden und diesen tilgen. Bei einem erneuten Befall müssen allerdings wieder neue Nützlinge ausgebracht werden, da diese sich nicht ansiedeln können. Für eine 2 m hohe Pflanze werden je nach Befall und Standort 10 bis 20 Florfliegenlarven, bei niedrigen Pflanzen etwa 5 Stück pro qm benötigt. Befallene Pflanzen sollte man so zusammenrücken, dass sich die Blätter berühren, damit sich die Florfliegenlarven gut im Bestand ausbreiten können. Nach etwa zwei Wochen ist eine deutliche Reduzierung des Blattlausbefall feststellbar.

So erhält man die Nützlinge
Florfliegenlarven können vom Hobbygärtner über ein im Fachhandel gekauftes Bestell- Set angefordert werden. Per Post werden die Nützlinge samt ausführlicher Gebrauchsanweisung dann unverzüglich vom Nützlingsbetrieb zum Anwender geschickt, im Winter allerdings nur bei Temperaturen über 5 °C. (SK)
Update: 25.10.2010 00:00:00