Hydrokultur - Systemteil: Der Kulturtopf - Deutsche Gesellschaft für Hydrokultur e.V.

Hydrokultur - Systemteil: Der Kulturtopf

© Stefan Hecktor Grundlagen der Hydrokultur
Der Kulturtopf nimmt die Pflanzenwurzeln und das Tongranulat auf und bietet ideale Voraussetzungen für ein gutes Wachstum. Im unteren Bereich des Kunstofftopfes befinden sich Schlitze, durch die die Wurzeln in das Hydrogefäß hinauswachsen können . Bei Anzuchttöpfen für Jungpflanzen sind die Seitenwände stärker durchbrochen. Alle Töpfe besitzen an einer Seite eine Aussparung für den Wasserstandsanzeiger. Kulturtöpfe sind mit den Wasserstandsanzeigern abgestimmt und in Höhe und Durchmesser festgelegt.

Kulturtöpfe sollten nach den Anforderungen des Gütezeichens Deutsche Hydrokultur des Fachverbandes Hydrokultur gefertigt werden. Dadurch wird das System Hydrokultur firmenunabhängig. Der Kulturtopf der Fa. Leni passt in das Gefäß der Fa. Luwasa mit dem Wasserstandsanzeiger von Magic Green.
Die Größe des Kulturtopfes ist standardmäßig festgelegt (siehe Tabelle 1) Tabelle 1: Standardkulturtöpfe.

Zuerst wird der Durchmesser genannt und dann die Höhe. 13/12 ist also ein Kulturtopf mit 13 cm Durchmesser und 12 cm Höhe. Bei größeren Pflanzen können Speiskübel aus dem Baumarkt als Kulturtopf verwendet werden. Natürlich müssen mit einer 'Flex ' große Öffnungen in den Kübel geschnitten werden
Die heutigen Kulturtöpfe bestehen aus Polypropylen- Kunststoff (PP) und sind bis zu einem gewissen Punkt elastisch. Noch vor 10 Jahren verwendete man viele Kulturtöpfe aus Polystyrol und Polyethylen (PE). Nachteile waren, daß die Kulturtöpfe unansehnlich und brüchig wurden, wenn sie längere Zeit auf der Kulturfläche in der Gärtnerei standen.

Die Fa. Leni hat an Ihrem Kulturtopf noch ein paar 'Besonderheiten ':
  • Der Boden ist auf der Innenseite mit Einklipmöglichkeit versehen. Hier kann man einen Haltestab für Kletterpflanzen befestigen.
  • Auf der Unterseite des Topfes befindet sich eine Mulde. Hier kann die Nährstoffbatterie von Leni eingesetzt werden.
  • Auf der Oberkante befindet sich ein Schlitz, in dem Bildetiketten eingesteckt werden können

Der Kulturtopf hat im großen und ganzen, nur den Sinn den Blähton festzuhalten und Wurzeln aus dem Kulturtopf wachsen zu lassen. Bei näherer Betrachtung des Kulturtopfes gibt es bei aller Funktionalität aber auch einige Probleme.

Kompatibilität
Rein theoretisch ist das System Hydrokultur firmenübergreifend kompatibel. Aber wie das so ist: Keine Regel ohne Ausnahme. Es kommt immer wieder vor, daß der Wasserstandsanzeiger von Firma a nicht in die Aussparung bei Kulturtopf b passt. Ärgerlicher ist das Problem wenn der Kulturtopf x im Hydrokulturgefäß y nicht passt, sei es daß das Gefäß konisch ist, oder der Kulturtopf einen breiten Rand hat oder die Seitenwand höher gezogen wurde. Aktuell ist das Problem beim 13/12er Kulturtopf von Leni in Verbindung mit der Serie Venus von Luwasa und LineaVerde.

Behinderung des Wurzelwachtums
In einem Beitrag in Hydrokultur intern Nr. 5 / 2002 hat Udo Stock das Problem sehr gut beschrieben. Nachdem die Pflanzen, im Hydrokulturtopf bewurzelt und ihren festen Stand gefunden haben, werden sie zur weiteren Vermarktung den Hydrokulturgärtnern oder den Verbrauchern zur Verfügung gesellt. Bei einer guten Pflege und einem guten Standort entwickeln sich sowohl die Pflanze als auch ihre Wurzeln sehr schnell. Dabei ist das Wurzelwachstum schon nach kurzer Zeit stark eingeschränkt.

Da die Wurzeln nur aus den Öffnungen des Hydrokulturtopfes wachsen können, die sich in der wasserführenden Zone befinden, verwurzelt der Hydrokulturtopf in der Feuchtzone so stark, dass hier bald kaum noch Wurzelwachstum möglich ist. Eine gute Wurzeldurchlüftung ist daher auch nicht mehr gewährleistet. Und gerade die Wurzeldurchlüftung ist eine der wichtigsten Bausteine der gesunden Hydrokultur.

Ist kein ausreichendes Wurzelwachstum und keine Wurzeldurchlüftung mehr gewährleistet, treten Pflanzenschäden und -schädlinge auf, die letztendlich zum Absterben der Pflanze führen können, zum Teil sogar führen. Wurzeln von Dracaena
Leider ist es meistens nicht möglich, beim Plazieren der Pflanzen ins Hydrokulturgefäß, den Hydrokulturtopf zu entfernen. Die Pflanzen benötigen diesen um im Gefäß einen festen Halt zu haben (Vor allem Pflanzen mit hohem Schwerpunkt, wir Dracaena und Hochstämme). Dagegen ist es aber bei manchen Pflanzen immer am Besten auszutopfen oder große Löcher in den Topf zu schneiden, so z.B. bei Rhapis- Palmen. Das Ausschneiden ist aber sehr mühsam!
Zwei Möglichkeiten sind denkbar:

1. Der Kunststoff hat einen Stabilisator, der sich nach einer gewissen Zeit auflöst. Die Wurzeln können durch den Kunststoff durchbrechen. Die Funktionsweise ist aus dem Gemüseanbau mit Folien auf den Feldern bestens bekannt. Mir ist aber keine Versuchsreihe bekannt, die in diese Richtung geforscht hat. Produzenten hätten Angst, daß die Kulturtöpfe schon in den Gärtnereien sich auflösen. Dies ist nicht ganz unbegründet, da manche Solitärpflanze jahrelang im Gewächshaus steht.
2. Der Kulturtopf mit vorgestanzten Fenstern – patentiert von Udo Stock. Der bisherige Hydrokulturtopf der sich in seiner Bau - und Funktionsweise zur Anzucht von Pflanzen bestens bewährt hat, wird selbst nicht verändert, sondern nur zusätzlich mit 4 vorgestanzten Fenstern - die sich von der Nährlösungszone bis zum Ende der Feuchtzone erstrecken - versehen. Diese Fenster sind zum Zeitpunkt der Pflanzenproduktion noch verschlossen.

Erst in dem Moment, in dem die Pflanze – einzeln oder mit mehreren zusammen – in ein größeres Hydrokulturgefäß platziert wird, gibt es die Möglichkeit, diese 4 vorgestanzten Fenster mittels einer Kralle heraus zu brechen. Nun hat die Wurzel der Pflanze die Chance, den Hydrokulturtopf im Bereich der Feuchtzone zu verlassen, und sich im gesamten übrigen Hydrokulturgefäß auszubreiten.
Leider konnte bisher noch kein Kunststoffhersteller gefunden werden, der diesen neuen Kulturtopf herstellt.

Manche der standardisierten Töpfe werden heute fast nicht mehr verwendet. So findet man kaum noch Pflanzenproduzenten, die im 11/12er oder 15/12er Kulturtopf kultivieren. Auch die Kulturschalen 13/7, 16/7, 20/9 und 25/9 finden kaum noch Verwendung. Lieber werden Jungpflanzen direkt in die Schale gepflanzt. Allenfalls bei bepflanzten Brunnengefäßen werden sogenannte Systemkulturschalen verwendet. Das sind zwei zueinander passende Kulturschalen: Eine für Pflanzen und eine mit geschlossenen Seitenwänden als separates Brunnengefäß. (SH)

(04.06.2007)
Update: 2011-10-26 00:00:00