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Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist

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Verminderung gesundheitlicher Beschwerden am Arbeitsplatz
Am 14. Juni 2002 veranstaltete die Initiative Plants for People auf dem Gelände der Weltgartenbauausstellung Floriade im niederländischen Haarlemmermeer ein Symposium mit dem Titel: Verminderung gesundheitlicher Beschwerden am Arbeitsplatz. Internationale Referenten aus Europa und Übersee präsentierten Architekten, Facility Managern, Ärzten, Psychologen und Vertretern des internationalen Gartenbaus Forschungsergebnisse zum Thema.

'Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist', könnte das Resümee der Veranstaltung lauten. Referenten wie Teilnehmer machten deutlich, dass Fragen rund um das Wohlbefinden am Arbeitsplatz eine neue Dynamik bekommen haben.

Menschen verbringen heute mehr als 80 Prozent ihrer Lebenszeit in geschlossenen Räumen. Dabei ist der Homo sapiens sapiens evolutionsgeschichtlich auch heute noch genetisch auf dem Stand des Naturmenschen - der Typus des Homo officinalis ist noch nicht geboren. Der Mensch hat sich im Laufe seiner Entwicklung noch nicht weit vom draußen lebenden Steinzeitmenschen entfernt, dennoch haben sich seine Lebens- und Arbeitsbedingungen erheblich verändert. Hierin sieht der amerikanische Psychologe Roger S. Ulrich die wichtigste Ursache für die zunehmenden gesundheitlichen Beschwerden, die sich im Alltag in Kopfschmerzen, Müdigkeit und Unwohlsein äußern. Pflanzen können hier abhelfen und entspanntere Bürowelten schaffen.
In den vergangenen 15 Jahren wurden von den unterschiedlichsten Forschungseinrichtungen auf der ganzen Welt die physikalisch-chemischen Wirkungen von Pflanzen auf das Raumklima untersucht; international ist man sich einig, dass Pflanzen das Raumklima verbessern, indem sie die Luftfeuchtigkeit erhöhen, Stäube filtern und die Luft von toxischen Stoffen reinigen. Dabei weisen unterschiedliche Pflanzenarten eine unterschiedliche Leistungsbilanz auf. Pauschal lässt sich festhalten, dass Pflanzen mit großer Blattoberfläche einen höheren Stoffwechsel haben und entsprechend zu einer höheren Luftfeuchte führen. Wesentlich ist, dass die passenden Pflanzen für den Standort gefunden werden, um optimale Wirkung zu erreichen.

Auch die emotional-psychologischen Wirkungen von Pflanzen sind mittlerweile erforscht. Alle Untersuchungen zeigen, dass begrünte Büros deutliche positive Wirkungen auf das Wohlbefinden und die Arbeitszufriedenheit zur Folge haben. Dies führt auch zu einer steigenden Effizienz und Effektivität der Arbeit. Gemessen wird dies beispielsweise an Ausfallzeiten und an der Fluktuationsrate. Immerhin sind nach Untersuchungen von John Bergs von der niederländischen Vereinigung Integrierte Biologische Architektur rund 25 Prozent der krankheitsbedingten Fehlzeiten auf Ursachen im Gebäude zurückzuführen.

In langjährigen Studien wurde auch die Wirkung von Pflanzen auf das Wohlbefinden von Patienten und Mitarbeitern in Krankenhäusern untersucht. Interessant hierbei ist, dass die emotionalen Wirkungen von Pflanzen sich auch durch den Blick aus dem Fenster entfalten - nicht in allen Krankenhausbereichen ist der Einsatz von Zimmerpflanzen möglich. Patienten reagieren signifikant positiv auf die bloße Ansicht von Pflanzen - sie sind weniger ängstlich in der Nach-Operationsphase, sie empfinden weniger Schmerzen, Heilungserfolge werden schneller erreicht. Solche Ergebnisse führen nachweislich auch zu kürzeren Aufenthaltszeiten und insgesamt verringerten Kosten. Prof. Roger S. Ulrich zeigte an einigen Beispielen, wie in den Vereinigten Staaten bei Neubauten von Krankenhäusern dieser Erkenntnis Rechnung getragen wird. Die Grünplanung für den Innen- wie Außenbereich von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen ist in den USA derzeit ein wichtiges Thema.

Einen beeindruckenden Appell an Architekten und Bauherren lieferte der Tübinger Architekt Prof. Dieter Schempp, der eine Reihe von jüngeren Projekten der grünen Bauplanung und Solararchitektur vorstellte. Die Entwicklung, architektonische Ästhetik lediglich in streng funktionalen Anforderungen an das Gebäude zu suchen, hält er für einen schlichten Irrweg. Seine Planung ist darauf ausgerichtet, Gebäude mit einer positiven Wirkung von außen für den Betrachter wie innen für die Bewohner bzw. Mitarbeiter zu konzipieren. Als wesentlicher Zusatznutzen wird die Energieeffizienz und mittel- bis langfristige Kostenreduzierung für die Gebäudeunterhaltung berücksichtigt. So können durch optimale Kombination von Solartechnik und Innenraumbegrünung rund 50 bis 80 Prozent des Energiebedarfs eines Hauses mit Sonnenenergie abgedeckt werden.
Immer noch ist nach den Erfahrungen der Forscher die ökonomische Bewertung des 'grünen Arbeitsplatzes'; schwierig. Menschen, die eigene Erfahrungen haben, lassen keine Zweifel daran, dass neben der bekannten direkten Verbesserung des Raumklimas auch wesentliche emotionale Wirkungen auf das individuelle Wohlbefinden wie auf das Miteinander im Büro festzustellen ist. Diese 'weichen Faktoren'; sind nur bedingt quantifizierbar und dementsprechend schwer zu kommunizieren.
Quelle: Plants-for-people(SH)
Update: 16.01.2009 00:00:00