Besoffene Pflanzen

Besoffene Pflanzen

© Dr. Heinz-Dieter Molitor
26.10.2005
Sanierung von mit Getränken verunreinigter Gefäße

Im einem unserer letzen Beiträge wurde dargestellt, wie
nachhaltig sich eine Verschmutzung der Nährlösung von Hydrogefäßen
durch Getränke auswirkt und wie man dies eindeutig
nachweisen kann.

Im folgenden werden nun Möglichkeiten dargestellt, wie betroffene Gefäße saniert werden können. Um den Arbeits- und damit Kostenaufwand so gering wie möglich zu halten wurde von einem Verbleib der Gefäße am bisherigen Standort ausgegangen.

Nicht in Betracht gezogen wurde das Austopfen der Pflanzen
und Entfernen der abgestorbenen Wurzeln. Die Sanierung zielte darauf ab, durch entsprechende Maßnahmen zusätzlich Sauerstoff in die Anstauzone zu bringen und dadurch den höheren Bedarf zu kompensieren.

Am Beispiel mit Wein belasteter Nährlösungen wurden drei Verfahren geprüft:
  • “Mini-Oxydator”/Söchtig Biotechnik GmbH – Dieses Gerät stammt aus der Aquarientechnik und basiert auf der kontinuierlichen Abgabe von Sauerstoff aus H2O2. Die Reaktorzelle war in den Düngeschacht des Gefäßes eingelassen.
  • Belüften der Nährlösung durch Einblasen von Luft mittels Membranpumpe (1,5-2,0 Liter/ min)
  • Kontinuierliches Umpumpen der Nährlösung (240 ml/min) von unten nach oben auf die Blähtonoberfläche Wein wurde gewählt, weil dieser in Geisenheim aus verständlichen Gründen kostenlos zur Verfügung stand.


Die im letzten Beitrag dargestellten Ergebnisse haben gezeigt, dass im Hinblick auf die Sauerstoffzehrung keine nennenswerten Unterschiede zu Coca Cola oder Bier
zu erwarten sind, wenn diese in vergleichbarer Menge verabreicht werden. Die Behandlung begann
4 Tage nach der Belastung der Nährlösung mit Wein. Nach diesem Zeitraum
dürften sich deutliche Anzeichen einer Belastung durch auffälligen Geruch
bemerkbar machen.



Verlauf der Sauerstoffsättigung der Nährlösung


Mit allen geprüften Verfahren gelang es zunächst nicht die Sauerstoffsättigung nennenswert anzuheben (Abb. 1).
Erst 4-6 Tage nach Sanierungsbeginn, stieg die Sauerstoffsättigung deutlich an, wenn die Nährlösung nach oben gepumpt und über die Blähtonoberfläche verteilt intensiv mit Luftsauerstoff in Berührung kam.
Durch Einblasen von Luft in die Nährlösung dauerte es einige Tage länger, bis die Sauerstoffsättigung deutlich anstieg. Noch deutlich später und in der Wirkung unregelmäßiger trat dies bei dem Oxidator ein. Dieser war in der Wirkung
ungleichmäßiger, was allerdings auf das nicht immer rechtzeitige Nachfüllen von H2O2
zurückzuführen war.



Einfluss des Austausches belasteter Nährlösung


Eine weitere wichtige Frage in diesem Zusammenhang war, ob es notwendig, oder
sinnvoll ist die belastete Nährlösung abzupumpen und das Gefäß durch wiederholtes
Durchspülen von allen Getränkeresten und abgestorbenen Feinwurzeln zu befreien.
Es zeigte sich, dass das Austauschen der belasteten Nährlösung und
dreifaches Durchspülen der Gefäße in den ersten 30 Tagen zu keinen messbaren Unterschieden führte. Erst danach stieg die Sauerstoffsättigung der durchgespülten Gefäße im Vergleich zu den unbehandelten früher wieder an (Abb. 2).
Dies erklärt sich dadurch, dass ein großer Teil der Sauerstoffzehrung nicht durch die in den Getränken enthaltenen Kohlenstoffquellen, sondern durch die abgestorbene Wurzelmasse verursacht wird.

Das Beispiel macht aber auch deutlich, dass ein Austauschen der belasteten Nährlösung sinnvoll ist, weil die Dauer der Sanierung dadurch verkürzt wird.
Die Versuche haben gezeigt, dass bei belasteten Nährlösungen der
Mineralstickstoffgehalt stark zurück geht. In einer ergänzenden Versuchsreihe wurde
versucht durch zusätzliche N-Gaben den Bedarf der Mikroorganismen zu kompensieren.



Einfluss eines zusätzlichen N (Stickstoff)-Angebotes


Zu Beginn der Sanierung wurden pro Gefäß (= 2,5 Liter Nährlösung) zusätzlich 168 mg N in Form von Ammonnitrat verabreicht. Aufgrund der regelmäßig durchgeführten Kontrollanalysen waren weitere fünf N-Gaben in niedrigerer Konzentration erforderlich,
bis die Mineralstickstoffkonzentration stabil blieb.

Insgesamt betrug der zusätzliche N-Bedarf im vorliegenden Fall 595 mg N/Liter. Diese Maßnahme verkürzte die Sanierungsdauer. Wurde die Sauerstoffanreicherung unterbrochen ging die Sauerstoffsättigung der Gefäße mit N-Ausgleich nach 50 Tagen bereits weniger stark zurück. Nach 65 Tagen war der Effekt noch deutlicher erkennbar. Zu diesem Zeitpunkt hätte man die Sauerstoffanreicherung bei der Variante mit N-Ausgleich abschalten können.

Abschließend ist zu bedenken,
dass in der vorliegenden Untersuchung die Gefäße nur einmal mit Getränken behandelt wurden. In der Praxis dürften betroffene Gefäße wiederholt solchen Eingriffen
ausgesetzt und damit die Sanierung im Einzelfall weitaus weniger kalkulierbar sein.

Wichtig ist in jedem Fall die Information der Personen vor Ort, damit das unbedachte Verschmutzen der Gefäße unterbleibt. Das Problem der Entsorgung von Getränken in Pflanzgefäßen mit den dargestellten Folgen für das Wurzelsystem ist auf das HydrokulturSystem beschränkt. Vergleichbare Untersuchungen mit dem Seramis-System haben in keinem Fall zu einer Schädigung des Wurzelsystems infolge Sauerstoffmangel geführt. Dies erklärt sich durch den intensiven Sauerstoffaustausch über die Grobporen des Pflanzgranulates. (HDM)

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