Kalziumversorgung von “Hydrokulturen”

Kalziumversorgung von “Hydrokulturen”

© Dr. Heinz-Dieter Molitor
18.11.2006
- ein häufig unterschätztes Problem -
An Kalziummangel wird, wenn überhaupt, meist erst zuletzt gedacht, wenn Probleme mit der Ernährung von “Hydropflanzen” bestehen. Dabei ist diese Gefahr gerade bei der “Hydrokultur” aus verschiedenen Gründen besonders groß und verdient deshalb mehr Beachtung. Erfahrungsgemäß werden Pflanzenschäden durch Ca- Mangel in den meisten Fällen als solche nicht erkannt und fälschlich anderen Ursachen zugeordnet.

Wie äußert sich Ca-Mangel?
Kalzium ist in der Pflanze schlecht beweglich. Es kann aus älteren Pflanzenteilen nicht mobilisiert und in jüngere wachsende Bereiche transportiert werden. Die Pflanze ist somit auf eine kontinuierliche Versorgung über die Wasserleitungsbahnen (Xylem) angewiesen. Dies erklärt, warum Ca- Mangelsymptome ausschließlich an jungen, noch nicht voll entwickelten Pflanzenteilen auftreten. Besonders betroffen sind die Ränder von Blättern, die sich gerade voll entfaltet haben. Sie sind leicht an der noch glänzenden und etwas helleren Blattfarbe zu erkennen. Die Blattränder werden chlorotisch und wenig später auch nekrotisch (siehe Abb. 1 u. 2)
. Die Chlorose überzieht schließlich das ganze Blatt. Häufig verbräunen auch die Blattadern vom Blattrand her (siehe Abb. 3) Ursache ist die fehlende Stabilität des Gewebes, da Kalzium unverzichtbar für den Aufbau der Zellwände ist. Da die Blattrandbereiche sich nicht vollständig entwickeln, kommt es zur Wölbung der B l a t t o b e r f l ä c h e (Löffelblätter). Im weiteren Verlauf tritt Blattfall auf. Besonders schnell und drastisch reagiert Ficus pumila a u f Ca- Mangel. Auffällig sind zunächst die eingetrockneten Blättchen mit Adernbräune (siehe Abb. 4). Durch den rasch einsetzenden Blattfall entsteht unterhalb der Triebspitzen eine blattfreie Zone. Bei anhaltendem Mangel sterben die Triebspitzen vollständig ab (siehe Abb. 5). Die älteren Pflanzenteile sind dabei dunkelgrün und zeigen keinerlei Auffälligkeiten.

Unter welchen Bedingungen tritt Kalziummangel auf?
Häufigste Ursache für Ca- Mangel in “Hydrokultur” ist absoluter Mangel. Daneben kann Ca-Mangel auch bei ausreichendem Angebot in der Nährlösung durch zu hohes Kalium- Angebot oder durch einen niedrigen pH-Wert verursacht werden (= physiologischer Ca-Mangel).

- Absoluter Ca-Mangel
In der Regel ist das Gießwasser die wichtigste Ca-Quelle für die Pflanzen. Regenwasser oder auch weiches Leitungswasser enthalten nur wenig oder kein Kalzium. Das gleiche gilt für enthärtetes Wasser. Flüssigdünger enthalten keine nennenswerten Ca- Mengen. Dies gilt auch für solche Produkte, die laut Produktbeschreibung Kalzium enthalten sollen!!!
Kalzium lässt sich nämlich nicht zusammen mit Phosphat in hoch konzentrierten Lösungen stabil in Lösung halten. Ionenaustauscherdünger, wie Lewatit HD5 oder das neue Lewatit HD50, binden zusätzlich das im Gießwasser enthaltene Kalzium und können dadurch bei zu geringem Ausgangsgehalt ein Ca- Problem erheblich verschärfen.
Bei zu hoher K-Konzentration in der Nährlösung wird die Aufnahme von Kalzium in die Wurzel behindert. In ähnlicher Weise ist dies auch bei niedrigem pHWert der Fall, durch Überschuss an H-Ionen. Sinkt der pH-Wert deutlich unter pH 5 ab, kann die Ca-Aufnahme völlig zum Erliegen kommen.

Wie hoch muss das Ca- Angebot sein?
Erfahrungsgemäß sollte die Ca-Konzentration in der Nährlösung nach Möglichkeit über 100 mg/l (= 2,5 mmol/ l) betragen. Mit Mangel ist zu rechnen, wenn 50 mg/l Ca für längere Zeit unterschritten werden. Der Einsatz von Ionenaustauscher-Dünger setzt einen Gehalt von mindestens 80 mg/l Ca voraus (siehe Abb. 6 und 7). Dabei ist berücksichtigt, dass der Ionenaustauscher im weiteren Verlauf nach der Zugabe mehr und mehr Ca in der Nährlösung zurück lässt (siehe Abb. 6). Eine über die übliche Empfehlung hinausgehende Dosierung von Ionenaustauscher würde allerdings auch zu einer länger andauernden Phase starker Ca-Bindung führen. Eine Überdosierung von Ionenaustauscher- Dünger kann in diesem Zusammenhang also durchaus von Nachteil sein.

Was kann man gegen Ca- Mangel tun?
Gießwasser mit ausreichendem Ca-Gehalt verwenden. Der genaue Ca-Gehalt von Leitungswasser lässt sich beim Wasserversorgungsunternehmen erfragen. Alternativ kann der Ca-Gehalt näherungsweise auch aus der Gesamthärte ermittelt werden, die sich leicht mittels entsprechender Teststäbchen feststellen lässt. 5,6 ° deutscher Gesamthärte entsprechen dabei näherungsweise 40 mg/l Ca. Abhängig vom Magnesiumgehalt des Wassers ist es in Realität etwas weniger, da ein Teil der Gesamthärte auch durch Magnesium verursacht wird.
Zusatz von grob gekörntem dolomitischen Kalksteingranulat. Diesen Weg ist die Bayer AG beim “Lewatit HD5 plus” gegangen (siehe Abb. 7). Leider wird dieses Düngemittel in Zukunft nicht mehr in der gewohnten Mischung zur Verfügung stehen.
Zusatz von Gips; in dieser Form kann Kalzium ergänzt werden, ohne dass der pHWert der Nährlösung beeinflusst wird. Gips ist beispielsweise im “Blusana Aktiv Dünger” zusätzlich enthalten.
Profis setzen bei weichen Wässern Kalksalpeter in Verbindung mit einem N-freien Basisdünger (“Flory Basisdünger 1”) ein. Dies ist die fachlich einzig richtige Düngung, da neben Kalzium zusätzlich Stickstoff als Nitrat verabreicht und damit der bei Ammonium-Ernährung unvermeidliche pH-Abfall verhindert wird.
Hinweis: In der nächsten Ausgabe von “Hydrokultur intern” wollen wir dieses Düngesystem näher vorstellen und entsprechende Rezepturen mit Bezugsquellen der Düngemittel nennen. (HDM)

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