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Schildläuse – oft übersehen

© Sabine Klingelhöfer

Der Pflanzenschutz-Tipp
Meist wird der Befall erst entdeckt, wenn der Befall schon massiv ist. Denn Schildläuse sind so unscheinbar, dass sie mit der Pflanze zu verschmelzen scheinen. Erst wenn es in der Umgebung der Pflanze klebt oder die Tiere sich an den Blättern deutlich sichtbar ausgebreitet haben wird nach den Verursachern geforscht.

Schildläuse in unterschiedlichen Arten
Zur großen Gruppe der Schildläuse gehören zwei wichtige Arten: die Napfschildläuse und die Deckelschildläuse. Sie unterscheiden sich durch mehrere Merkmale:
Zu jeder dieser Arten gehören wieder mehrere Gattungen. Ihre Bestimmung ist jedoch für die Bekämpfung in der Regel unerheblich.

Schäden durch Schildläuse
Schildläuse schädigen auf verschiedene Weise:
  • Der Entzug von Pflanzensaft schwächt die Pflanze
  • Als Reaktion auf die Saugtätigkeit können Blätter verkrüppeln
  • Manche Arten können Viruskrankheiten übertragen, die zu Verfärbungen oder Verkrüppelungen der Blätter führen können
  • Die Ausscheidung von verklebt Fußböden und Mobiliar
  • Auf dem Honigtau können sich Russtaupilze ansiedeln, die sich von dem Honigtau ernähren. Sie mindern die Lichtmenge, die auf das Blatt trifft und zur Photosynthese gebraucht wird, und schwächen daher die Pflanze indirekt
Honigtau

Versteckte Lebensweise sichert Nachkommen
Je nach Schildlausart ist die Vermehrungskapazität der Schädlinge unterschiedlich. Doch haben sie auch einige Gemeinsamkeiten: So legen die Schildlausweibchen ihre Eier unter dem Schild ab. Hier können die Eier in Ruhe ausreifen, sind durch das Schild vor Austrocknung und auch Fressfeinden geschützt.
Sobald die Larven geschlüpft und groß genug sind, verlassen sie den mütterlichen Schild. Die Larven laufen aktiv auf der Pflanze umher und suchen sich eine Stelle, an der sie die Pflanze einstechen. Sobald diese gefunden ist, bleiben sie meist bis zum Lebensende dort sitzen und saugen Pflanzensaft. Je nach Art kann ein einziges Weibchen bis zu 2000 Eier ablegen. Wie schnell daraus eine Massenvermehrung resultieren kann wird deutlich durch die Entwicklungszeiten: in der Regel braucht ein Ei etwa drei bis sechs Wochen, um sich bis zum erwachsenen Weibchen zu entwickeln. Wenn das Klima optimal ist, kann ein Weibchen pro Jahr bis zu 10 Generationen hervor bringen.

Gut geschützte Lebensweise
Das Schild der Schildläuse ist eine sinnvolle Erfindung der Natur. Die Eier und Jungtiere sind darunter geschützt, und auch als erwachsene Tiere bleiben die Schildläuse ihren Feinden dadurch meist verborgen. Nachdem die Jungtiere die optimale Stelle für die künftige Nahrungsaufnahme gefunden haben, stoßen sie mit der nächsten Larvenhäutung auch die Beine ab, und das Schild beginnt sich zu entwickeln.

Mit ihrem Saugrüssel stechen die Läuse durch das Blattgewebe bis in das Leitungsgewebe (Phloem), wo der zuckerhaltige Pflanzensaft transportiert wird. Daher sitzen sie oft in der Nähe der Blattadern. Denn da sie dort meist bis zum Lebensende haften bleiben müssen sie dafür sorgen, dass die Nahrungsquelle nicht versiegt. Ebenso häufig sieht man sie auch am Stamm oder an Zweigen sitzen. Da sie oft ebenso braun gefärbt sind, fällt der Befall entsprechend spät auf.

Bekämpfungsstrategien
Das Schild der Schildläuse schützt vor vielen Feinden. Und auch vor vielen Spritzmitteln. Denn die Präparate treffen nur den Schild, nicht die Laus selbst. Daher kommen zwei unterschiedliche Bekämpfungsstrategien in Frage:

- Ölhaltige Spritzmittel
Sie legen sich wie ein Film über die Tiere und ersticken sie, wie z.B. Promanal Neu. Dieses paraffinölhaltige Präparat wird einfach auf die Pflanzen gespritzt. Wichtig ist, die Blattunterseiten sowie die Blattachseln tropfnass zu spritzen. Denn nur die Tiere, die getroffen werden, sterben auch ab. Da dies mit einem einzigen Spritzgang nicht erreicht werden kann, muss die Behandlung nach einer Woche wiederholt werden.

Promanal Neu sollte, ebenso wie viele andere ölhaltige Präparate, nur an hartlaubigen Pflanzen eingesetzt werden. Pflanzen mit weichem Laub vertragen Öle in der Regel nicht. Im Zweifelsfall sollte eine Probespritzung an einen Trieb vorgenommen werden, um die Verträglichkeit zu prüfen.

[ kursiv|- Einsatz von nützlichen Insekten]
Die Alternative zum Einsatz von Spritzmitteln sind die Nützlinge. Es handelt sich dabei um unterschiedlichen Arten von nützlichen Insekten, die gegen die Schildläuse eingesetzt werden können. Werden ein paar Voraussetzungen für ihren Einsatz erfüllt, können sie einen Befall tilgen. Da die Nützlinge meist sehr klein sind, ist eine Belästigung von Menschen oder auch Tieren nicht zu erwarten. Geöffnete Türen und Fenster sind kein Problem, denn die Tiere bleiben an den Pflanzen, wo sie ihre Nahrung finden. Sind alle Schädlinge vertilgt, verhungern die Nützlinge. Sie können nicht auf andere Nahrung ausweichen. Daher müssen sie bei einem später auftretenden erneuten Befall auch erneut eingesetzt werden. Nur in sehr großen Pflanzenbeständen kommt es vor, dass sich ein Gleichgewicht einstellt zwischen Schädlingen und Nützlingen.

Voraussetzungen für den Nützlingseinsatz
Nur wenn die Ansprüche der Nützlinge erfüllt werden, können sie optimal arbeiten.
Dazu gehören:
  • Tagestemperaturen von 18 bis 20 grdC
  • Beim Einsatz von Marienkäfern tropfbares Wasser zum Trinken, d.h. die Pflanzen sollten mehrfach pro Woche übersprüht werden
  • Etwa 6 Wochen vor dem Einsatz kein Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Einige Präparate haben noch längere Wartezeiten, daher am besten Rücksprache mit dem Nützlingsbetrieb. Ausnahme: z.B. Promanal kann noch einen Tag vor dem Einsatz ausgebracht werden.
  • Der Befall sollte im Anfangsstadium sein. Kleben die Pflanzen bereits vom Honigtau, sollte zunächst durch Schnitt- und Spritzmaßnahmen der Befall dezimiert werden.
  • Die Nützlinge müssen sofort nach der Ankunft ausgebracht werden. Eine Lagerung ist nicht möglich.


Vorteile des Nützlingseinsatzes
Der Nützlingseinsatz hat viele Vorteile, sowohl für den Anwender als auch für die Pflanzen:
  • rein biologisches Verfahren
  • keine gesundheitlichen Risiken für den Anwender
  • keine Gefährdung von Haustier oder Pflanze
  • keine Unverträglichkeitsreaktionen der Pflanze
  • keine schädlichen Rückstände auf Pflanze oder Erde
  • keine Umweltbelastung
  • keine Einhaltung von Wartezeiten notwendig
  • schnelle Anwendung ohne zusätzlichen Aufwand; keine speziellen Geräte notwendig
  • einfache Anwendung auch an hohen Pflanzen, die mit Spritzgeräten nur schlecht zu behandeln sind
  • auch wirksam gegen resistente Schädlinge
  • vorhandene Nützlinge werden geschont


Nützlinge gegen Schildläuse
Je nach Schildlausart kommen unterschiedliche Nützlinge zum Einsatz. Um zu entscheiden, welcher Nützling der sinnvollste ist, muss die Schildlaus zunächst gründlich angesehen werden. Dazu ist eine Lupe mit sechs- bis zehnfacher Vergrößerung sinnvoll.

Die Auswahl des Nützlings erfolgt nach zwei Schritten:
1. Bestimmung der Familie Handelt es sich um Deckeloder um Napfschildläuse. Hierzu gibt die Tabelle 1 oben Auskunft.
2. Auswahl des geeigneten Nützlings.

Handelt es sich um Deckelschildläuse, so kann der Käfer Rhyzobius eingesetzt werden. Er frisst Löcher in die Schilde und kommt so an die darunter sitzende Laus. Der Käfer kann zwischen März und September eingesetzt werden. In den Wintermonaten geht er in eine Ruhepause und ist nicht aktiv.

Sind es Napfschildläuse, so sollte mit der Fachberatung der Firma Neudorff Kontakt aufgenommen werden. Denn in diesem Fall ist eine genauere Bestimmung notwendig, die aber meist am Telefon erfolgen kann.

Die Nützlinge können direkt beim Nützlingsbetrieb bestellt werden. Sie werden dann per Post als Nachnahmesendung zugeschickt. Über das bekannte Gutschein- System ist dies nicht möglich.
Weitere Informationen erhalten Sie bei:
Sabine Klingelhöfer
W. Neudorff GmbH KG
An der Mühle 3
31860 Emmerthal
0180-563 83 67 Fax: 05155-6010
info@neudorff.de www.neudorff.de
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(18.11.2006)
Update: 27.10.2011 00:00:00