Umtopfen in Hydrokulturen - Deutsche Gesellschaft für Hydrokultur e.V.

Umtopfen in Hydrokulturen

© Udo Stock e.K. Wann steht die Umtopfarbeit an?
Achtung, schon beim Einkauf der Pflanze!

(us) Seit 1986 bin ich Pflanzenliebhaber und seit 1993 als Objekt- u. Raumbegrüner mit Hydrokulturen, im Innenraum tätig. In diesen Jahren konnte ich mir ein beachtliches Wissen über eine Pflanzenhaltung mit Hydrokulturen erarbeiten und aneignen. Aber nicht nur eine Raumbegrünung mit dieser Art Pflanzenhaltung war für mich eine Herausforderung, sondern auch, und das im besonderen Maße, die dazu gehörenden Erkenntnisse, zu welchem Zeitpunkt anstehende Umtopfarbeiten durchgeführt werden müssen. Über diese gesammelten Erfahrungen wird in den nachfolgenden Zeilen berichtet. Damit möchte ich versuchen auf alle Fragen, die vom Liebhaber oder Raumbegrüner in der Vergangenheit immer wieder gestellt wurden, eine Antwort zu geben. Wie zum Beispiel: Ab wann muss man eine Hydrokultur umtopfen oder woran erkenne ich, dass Umtopfarbeiten anstehen? Worauf muss ich vor und nach dem Umtopfen achten, damit meine Pflanze auch in Zukunft gut gedeiht? Viele Fragen und mehr stellen sich dem Hydrokulturanwender, kommen doch die meisten erst einmal aus dem Bereich der Pflanzenhaltung in Erde.

Beginnen wir mit der Frage, ab wann Umtopfarbeiten anstehen?
Meine Antwort: Achtung, schon beim Einkauf der Pflanze!

Bei der Erdkultur zum Beispiel, ist man gewohnt, schon beim Einkauf, die Pflanze aus ihrem Topf zu nehmen, um nachzusehen ob der Wurzelballen schön durchwurzelt ist. Zwar wird dies vom Handel nicht so gerne gesehen, kann allerdings den Pflanzenkenner oder Liebhaber nicht stören, denn er weiß, wie ein guter und gesunder Wurzelballen auszusehen hat. Er kauft keine Katze im Sack!

Bild 1: Hier kann man sehr schön eine gesunde Wurzelbildung erkennen aber auch, dass ein Umtopfen noch lange nicht erforderlich ist.

Bei Hydrokulturpflanzen ist es nicht wie in der Erdkultur möglich beim Einkauf den Kulturtopf zu entfernen, um mal kurz nach dem Wurzelballen (Wurzelwachstum) zu sehen, da sich sofort Substrat (Tongranulat) von den Wurzeln lösen würde. Eine solche Handlung könnte größere Schäden zur Folge haben. Hier hat nämlich der Kulturtopf die Aufgabe, Pflanzwurzeln und Pflanze mitsamt dem Substrat ( Tongranulat) zusammen zu halten und der Pflanze den nötigen Halt zu geben. Somit kann der Hydrokulturtopf auch als Stützkorsett der Pflanze angesehen werden. Somit ist unser Hydrokulturtopf nicht nur ein Topf worin die Pflanze kultiviert wird, sondern auch ein wichtiger Bestandteil für die Zukunft der Pflanzenhaltung in Hydrokultur, auf welchen nicht verzichtet werden kann.
Bild 2:[bild591||rechts] Hier ist zu erkennen welche Folgen es hat, wenn man den Kulturtopf von der Pflanzwurzel entfernt. Wird in diesem Zustand unsere Pflanze neu eingesetzt und weiter im Innenraum kultiviert, ist mit einer langen Zeit des Wachstumsstillstandes zu rechnen, aber auch ein Absterben der Pflanze ist möglich. Nur unter ganz besonderen Bedingungen und Erfahrungen ist dieses zu empfehlen.


Wie wir wissen, werden unsere Hydrokulturpflanzen in Gewächshäusern in ihren Kulturtöpfen angezogen, oder besser gesagt kultiviert. Sind Sie nach einiger Zeit gut durchwurzelt werden Sie dem Verkauf zur Verfügung gestellt, wo sie dann noch einige Tage, Wochen oder sogar Monate stehen können, bis sie letztendlich vom Endverbraucher, Liebhaber oder Raumbegrüner erworben werden. In dieser Zeit entwickeln sich die Wurzeln im Hydrokulturtopf weiter, das erste Problem kann auftreten, Mangel an Wurzelraum. In der Erdkultur würden sich jetzt die Wurzeln Platz verschaffen, zu erkennen am Wurzelballen, der sich nach oben aus dem Gefäß hebt, da in diese Richtung der geringste Widerstand besteht und somit auch gleichzeitig eine Umtopfmaßnahme schon beim Einkauf anzeigen würde.

Nicht so in der Hydrokultur, hier hebt sich keine Pflanze! Warum ist das so?

Das Substrat (Tongranulat) spielt hierbei eine ganz entscheidende Rolle. Auf der einen Seite hat unser Tongranulat hervorragende Eigenschaften, wie zum Beispiel eine gute Durchlüftung, eine hohe Kapillarität, eine gute Speicherkapazität sowie auch eine hervorragende Strukturstabilität.

Aber auch einen Nachteil, der nicht verschwiegen soll, hat unser Substrat. Schon beim Einfüllen zum Zeitpunkt, wo die Pflanze im Kulturtopf platziert und zur Kultivierung vorbereitet wird, verdichtet oder verkeilt sich unser Tongranulat dermaßen stark, was auf der einen Seite den Vorteil hat, dass unsere Pflanze sofort oder unmittelbar, einen festen Halt oder Stand im Kulturtopf findet, aber auf der anderen Seite, den Pflanzwurzeln nicht die Möglichkeit gewährt, sich nach oben zum gegebenen Zeitpunkt, Platz zu schaffen. Das hat teilweise zur Folge, dass die Wurzeln nach Beendigung der Kultivierungszeit, also zum Zeitpunkt wo sie in Treibhäusern auf den Wiederverkäufer oder Endverbraucher warten, sich die ersten Wurzelquetschungen durch weiteres Wurzelwachstum zuziehen können. Hierdurch sind oft schon und das ist meine Meinung, nach kurzer Zeit an der Pflanze, die ersten Blattschäden zu erkennen, vorrangig bei Dracaenen, die sich wiederum bei einigen Pflanzen später im Wohn- oder Objektbereich nicht mehr oder nur schwer regenerieren werden, weil hier wesentlich schlechtere Wachstumsbedingungen, als in Treibhäusern vorzufinden sind.

Woran kann man beim Einkauf von Hydrokulturen nun erkennen, dass es sich um eine gesunde und gut entwickelte Pflanze mit gesundem Wurzelsystem handelt? Als erstes am Aussehen der Pflanze selbst. Findet man zum Beispiel hier schon Blattschäden oder Ernährungs-mangelerscheinungen, zu erkennen am helleren Blattgrün oder Blattflecken, ist von einem Einkauf, speziell bei Dracaenen abzusehen. Als zweites sollte man darauf achten, dass unsere Pflanze fest im Kulturtopf sitzt. Dieses zeugt von einem gut entwickelten Wurzelsystem. Aber Achtung, wenn sie zu diesem Zeitpunkt schon starke Beulen oder Verformungen am Kulturtopf sehen, können Sie davon ausgehen, dass Ihre Pflanze im Wurzelbereich schon Platznot hat und dabei ist sich
seitlich durch Wurzeldruck neuen Raum für weiteres Wurzelwachstum zu schaffen. In diesem Zustand, wird von mir, von einem Einkauf von Hydrokulturen mit stark verbeulten Kulturtöpfen, abgeraten.
Bild 3: Sehr schön zu erkennen, wie sich der Hydrokulturtopf zu verformen beginnt .

Von einem guten Pflanzeneinkauf kann gesprochen werden, wenn wie hier im Bild gezeigt, unsere Pflanze gesund aussieht und fest in ihrem Kulturtopf sitzt und keinen stark verbeulten Kulturtopf aufweist. Zur weiteren Verwendung soll nun unsere Hydrokulturpflanze, mit Ihrem Hydrokulturtopf in einem größeren Hydrokulturgefäß, welches der Wurzel für lange Zeit genügend Platz und Wasservorrat (Nährlösung) bietet, neu platziert werden. Zu diesem Zeitpunkt ist ein Umtopfen, meiner Meinung nach nicht nur notwendig sondern auch ein Muss, damit sich unsere Pflanze auf lange Zeit gesehen gut entwickelt und hierdurch keine Wurzelschäden bekommen kann. Nur wie soll jetzt vorgegangen werden, haben wir doch eben gelesen, dass unser Hydrokulturtopf nicht entfernt werden darf oder soll, weil sonst mit starken Wurzel- und Pflanzenschäden gerechnet werden muss und auch die Standfestigkeit der Pflanze nicht mehr gewährleistet ist? Hier gibt es eine Möglichkeit, die ich Ihnen empfehlen möchte, welche den Wurzeln ermöglicht, in der Feuchtzone, wo sich bekanntlich unser Wurzelwachstum befindet, den Hydrokulturtopf zu verlassen, ohne ihn zu entfernen.

Versehen Sie den Hydrokulturtopf mit einem Bodenmesser, welches eine abgerundete Klinge aufweisen soll, damit die Wurzeln nicht beschädigt werden können, seitlich in der Feuchtzone mit ca. vier Öffnungen ( Fenster), welche nicht breiter wie ca. 1,5 cm sein sollten. So kann kein großer Tongranulatverlust entstehen und unsere Pflanze behält ihre nötige Standfestigkeit. Diese Tätigkeit bezeichne ich heute, als die erste und wichtigste Umtopfmaßnahme der Hydrokulturpflanze, die im Laufe eines Pflanzenlebens auf uns zukommt.
Bild 4: Rote Markierung zeigt den zu öffnenden Bereich des Kulturtopfes vor der Pflanzung

Nach erfolgter Arbeit am Hydrokulturtopf kann unsere Pflanze in einem größeren Gefäß mit weiteren Pflanzen platziert werden. Versehen mit einem Wasserstandsanzeiger, Düngerohr und aufgefüllt mit Tongranulat wird sie nun auf viele Jahre an einem schönen Standort ein gesundes Wachstum zeigen und uns mit ihrer Schönheit erfreuen. Jeder, der eine Hydrokulturpflanze mit einem ungeöffneten Kulturtopf in ein größeres Hydrokulturgefäß setzt, muss schon nach kurzer Zeit wissen, dass er mit erheblichen Pflanzschäden zu rechnen hat.


Zu glauben, dass Pflanzenwurzeln über den Hydrokulturtopf hinaus ins Hydrokulturgefäß wachsen, ist nur bedingt und nur bei einigen Pflanzen richtig. Doch kann gesagt werden, dass alle Pflanzen große Schäden von sich tragen, die sich im Objektbereich wenn überhaupt, nur an den besten Standorten wieder regenerieren lassen. Wünschenswert wäre es, wenn unsere Hydrokulturpflanzen mit Ihren Hydrokulturtöpfen, schon im Handel, für uns mit vorgestanzten Fenstern erhältlich wären. Eine Forschungsarbeit von Herrn Dr. Heinz -Dieter Molitor (Forschungsanstalt Geisenheim) zeigt Ihnen ganz klar, dass eine positive Wurzel- u. Pflanzenentwicklung nur bei geöffneten Kulturtöpfen stattfindet.
Nach all den getroffenen Maßnahmen hat man erst einmal viele Jahre Zeit, sich an einer schönen Pflanzenentwicklung zu erfreuen.

Nun sind viele Jahre vergangen und die ersten Anzeichen sind an unserer Pflanze zu erkennen, dass eine Umtopfarbeit ansteht.

Woran erkennt man das?

Am verminderten Pflanzenwachstum - unsere Pflanze wird lichter und hat nur noch wenig Neuaustrieb.

Am heller werdendem Blattgrün - sog. Ernährungsmangelerscheinungen, hervorgerufen durch stark durchwurzeltes Substrat oder durch Quetschungen der Wurzeln.
An der Nährlösungszugabe (Menge) - Der Stand Optimum ist beim Gießen schneller erreicht, weil das Substrat stark durchwurzelt oder stark verdichtet ist sowie durch falsche Zugabe von Langzeitdünger. Aber auch die Nährlösung ist schneller verbraucht.

An der Verformung unseres Hydrokulturgefäßes - in erster Linie bei rechteckigen Gefäßen zu erkennen.

Treffen alle Punkte bei unserer Hydrokultur zu, wird eine Umtopfmaßnahme notwendig.

In welcher Jahreszeit? Diese Frage ist mit Sicherheit berechtigt! Nun werden Einige sagen: "kann man doch immer, es handelt sich hier doch um tropische oder subtropische Pflanzen". Im Grunde genommen stimmt das auch und doch gibt es eine Zeit im Jahr, die besonders günstig ist: das zeitige Frühjahr, wenn die Sonne am Himmel wieder steigt und unsere Pflanzen einen Energieschub, der auch im Innenraum stattfindet, erhält. Eine Umtopfarbeit in dieser Zeit, übersteht sie viel besser. Gerade bei Großpflanzen empfehle ich diese Jahreszeit. Zum Umtopfen selbst, muss jetzt unsere Pflanze aus Ihrem Gefäß heraus genommen werden. Bei kleineren Pflanzgefäßen besteht noch kein Problem und doch kann man hier schon deutlich erkennen, wie sich unsere Pflanzwurzel mitsamt dem Substrat (Tongranulat) im Topf verkeilt hat. Besser gesagt, Topf und Pflanze sind eins geworden. Bei Großpflanzen, wie hier im Bild zu sehen ist, gibt es nur noch eines, den Einsatz eines Kranfahrzeuges.

Ist unsere Pflanze erst einmal aus dem Gefäß gehoben, geschlagen, wie auch immer werden wir mit einem Blick auf den Wurzelballen belohnt, der sich in den meisten Fällen als kompakte Masse darstellt: Wurzeln, Tongranulat, Kulturtopfreste, zusätzlich verdichtetes Substrat, durch falsche Anwendung von gebräuchlichem Langzeitdünger.


Bild 6: Kranwagen zum Umtopfen, mit Udo Stock. Ohne Kranwagen ist diese Arbeit nicht mehr ausführbar.

Die nun folgende Arbeit verlangt fachkundige Voraussetzungen und Fingerspitzengefühl für unser Lebewesen Pflanze. Mit einer Kralle wird ein Teil des Wurzelbereiches (etwa 1/3 des Wurzelballens) vom Tongranulat getrennt. Mehr ist nicht zu empfehlen, da sonst Schäden auftreten können. Ein weiterer Schritt, ist der Rückschnitt der Wurzeln. Bevor der Wurzelrückschnitt beginnt, werden alle Wurzeln entfernt, die schwarz und faul sind, die in der Vergangenheit des Öfteren einen Schluck Wasser zuviel bekommen haben. In der weiteren Arbeitsfolge werden die gesunden Wurzeln um ca.1/3 zurück geschnitten. Ist dieser Arbeitsvorgang auch beendet kommt unsere Pflanze in einem neuen und größeren Gefäß zum Stehen. Allerdings nicht direkt auf dem Gefäßboden absetzen, denn hier würde sie sich, in Zukunft, schnell wieder eine Wurzelfäulnis zuziehen, da sie ja direkt in der Nährlösung zu stehen käme. Ein Tipp! - Geben Sie ca. 5 cm Tongranulat ins Gefäß, bevor Sie die Pflanze darin neu platzieren. Um unser Hydrokultursystem zu ergänzen, gehört nicht nur ein Wasserstandsanzeiger sondern auch ein Versorgungsschacht oder Düngerohr genannt, dazu. Ein Düngerohr ist ein Muss, damit auch in Zukunft richtig mit handelsüblichem Langzeitdünger gedüngt werden kann.

Bild 7: Bei Großgefäßen gehört zum Wasserstandsanzeiger auch ein Düngerohr. Heute ein Muss!

Beim Einfüllen des Tongranulates, wird an der Gefäßwand geklopft, damit sich das Substrat richtig verdichtet und die Pflanze sofort den richtigen Halt bekommt. Bevor wir uns an die Arbeit machen, die Pflanze zurück zu schneiden, dürfen wir nicht vergessen sie zu gießen. Unsere Gießwassertemperatur beträgt 20 bis 26°C. Wichtig ist jetzt, dass nicht durch das Düngerohr, sondern über das gesamte Tongranulat gegossen wird, damit das Substrat richtig durchnässt ist. Würde dies nicht so ausgeführt und das Tongranulat bliebe trocken, könnte die Pflanze schon am nächsten Tag vertrocknet sein, weil über trockenes Tongranulat der kapillare Wasseraufstieg nur schlecht erfolgen kann.

Das Schneiden der Pflanze ist ein weiterer Punkt, der nicht nach Umtopfarbeiten vergessen werden darf. Denn, das was wir am Wurzelballen zurück geschnitten haben, ca. 1/3, muss jetzt an unserer Pflanze auch zurück geschnitten werden. Eine Aufgabe die nicht jeder erfüllen kann. Hier wird nicht nur darauf geachtet wie viel an der Pflanze zurück geschnitten wird und was, sondern auch auf Schönheit und Ästhetik, sollte geachtet werden.
Bild 8: Guter Standort, mit Wasserwagen der Firma Stoptimal
Und zum guten Schluss wird unsere Pflanze, an einem schönen und ruhigen Standort, neu platziert, wo sie sich, von Ihren Umtopfmaßnahmen wieder erholen kann.
Bild 9: Stark verwurzelter Wurzelballen - nicht zu lange warten!

Sollten weitere Fragen zu diesen Arbeiten anstehen, bitte ich Sie, sich direkt an mich zu wenden.
Udo Stock
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Hydrokultur

(09.11.2006)
(08.02.2013)

Update: 2017-12-30 17:01:20