Forschungsschwerpunkt — "Urbanes Grün"

Forschungsschwerpunkt — "Urbanes Grün"

© Marlis Gregg
02.04.2022
"Antworten auf eine sich verändernde Welt"? Ja bitte! Zum Beispiel: Wie können wir Lebensmittel besser und sicherer machen? Wie sieht nachhaltiger Naturschutz aus? Und: Wie kann "urbanes" Grün Städte lebenswerter gestalten?

Rund um solche Zukunftsfragen forscht und lehrt "Die staatliche Hochschule Geisenheim in Hessen" – bis 2017 intensiv im Bereich "Erdelose Pflanzenkultur und Innenraumbegrünung" unter Leitung von Dr. Heinz-Dieter Molitor. Mit seinem Ruhestand wurde es auch um das Thema ruhig, bis die Hochschule 2019 den "Studiengang Gartenbau" modernisierte.

Jetzt gibt es den Schwerpunkt "Urbanes Grün" und seit Anfang 2021 mit der Geisenheimer Doktorandin Maren Stollberg (M. Sc.) die Nachfolgerin. Die hatte 2020 beim "7. Forschungsforum Landschaft" schon den Besucherpreis für ihr Thema "Hitzesommer 2019" ergattert: „Können Pflanzen einen Beitrag zur Abkühlung leisten?“ fragte sie. Und stellte Temperaturmessungen an Fassadenbegrünungssystemen in Geisenheim vor, perfekt zu dem Motto: "Grün macht Klima"!

Grün macht Klima
"Urbanes Grün" wird immer wichtiger – und damit auch die "Hydrokultur" mit ihren Möglichkeiten. Die dichte Bebauung der Städte lässt keinen Platz für Felder und Äcker, Pflanzen in erdelosen Systemen wie der "Hydrokultur" jedoch können drinnen wie draußen auf versiegelten Böden wachsen. Sie ermöglichen Kontakt und Bindung zur Natur, filtern die Luft und reichern sie mit Sauerstoff an; sie können frisches Gemüse liefern, als "Grüne Wände" Plätze und Gebäude schattieren ...

„In den kommenden Jahren werde ich den "Fachbereich Gebäudebegrünung“ in Lehre und Forschung vertreten mit besonderem Schwerpunkt auf vertikale Begrünung im Außen- und Innenbereich", erklärt Maren Stollberg und betont: „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit der DGHK". Künftig will sie über die Lehr- und Forschungsaktivitäten in Geisenheim berichten. Hier stellt sie vor, was bisher geschah:

Welche Pflanzen eignen sich für Wandbegrünung draußen?
„Nach dem Master in Agrarwissenschaften habe ich das Projekt - Begrünte Fassadenkacheln - durchgeführt (Geisenheim 2017–2019). Hauptforschungsziel war es, die Auswahl und Diversität geeigneter Pflanzen für die Fassadenbegrünung zu erhöhen. Dazu verwendeten wir ein modulares, wandgebundenes Fassadenbegrünungssystem aus textilen Vegetationsträgern, hier Spinnvliesstoff aus Polyester. Dies wurde bepflanzt und nach einer horizontalen Vorkultur an Versuchswänden mit Ausrichtung gen Norden, Süden, Westen und Osten im Freiland angebracht. Hier haben wir die Pflanzenentwicklung über drei Jahre beobachtet.

Die Versuchswände wurden in einem geschlossenen, automatischen System mit integrierter Pflanzenernährung bewässert. Da sich die Vegetationsträger eher wasserabweisend zeigten, haben wir eine sehr häufige Bewässerung gefahren. Davon abhängig war auch die Pflanzenauswahl: Wir wählten vor allem Stauden und Gräser, die einen feuchten bis frischen Standort bevorzugten und zu den Lichtverhältnissen der Wände passten.

Die Pflanzen gliederten sich in Bodendecker, eher flach wüchsige und sich ausbreitende Arten, und die Variante Kaskade mit höher wüchsigen Arten. Zudem gab es eine "Aussaatvariante": Wir säten eine Regiosaatgutmischung für die Feucht- und Frischwiese direkt auf den Vegetationsträger aus.

Ergebnis: Einige Arten haben sich als gut geeignet erwiesen. Heuchera, Waldsteinia ternata und Pachysandra terminalis zum Beispiel sind sehr gut für die wandgebundene Fassadenbegrünung geeignet. Andere der getesteten Arten sind nur unter gewissen Voraussetzungen in solchen Systemen zu verwenden. Dazu zählt Glechoma hederacea, die zwar einen hohen Bedeckungsgrad erzielt, aber andere Pflanzen überwächst und gegebenenfalls geschnitten werden muss.

Die Aussaatvariante erwies sich insgesamt als durchaus praktikabel für die Fassadenbegrünung.

Generell gilt: Höher wüchsige Arten sollten mit "Bodendeckern" kombiniert werden, um eine ausreichende Bedeckung und ein attraktives Pflanzenbild zu erreichen.“

Konkret und effektiv: Begrünung einer Schule
In den kommenden Jahren will Maren Stollberg den Forschungsbereich rund um die "Vertikale Begrünung" ausbauen und in die Lehre integrieren. Dafür wurden Systeme angeschafft, die nun in Geisenheimer Projekten getestet werden können. „Aufgrund von Corona gab es zuletzt keine praktischen Übungen“, schildert die Doktorandin. „Daher haben die Master-Studiengänge "Spezielle Pflanzen- und Gartenbauwissenschaften" sowie "Landschaftsarchitektur" eine Innenraumbegrünung für die Rheingauschule in Geisenheim geplant – eine sehr konkrete Anwendung mit sofortigem Nutzen.“

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