Triebhafte Bürobewohner

Triebhafte Bürobewohner

© GPP
02.05.2021
German Business Plants

Kein “urban jungle“, keine stylischen Pflanzenszenarien, keine Inszenierung, keine coole Arbeitswelt – stattdessen ein schonungsloser Blick auf Pflanzenwirklichkeiten in deutschen Büros. Der Schauspieler und Fotograf Frederik Busch hat acht Jahre lang an der Fotoserie seiner Bürobotanik “German Business Plants“ gearbeitet. Dass Pflanzen für uns lebensnotwendig sind, dass wir ohne sie weder essen noch atmen könnten, dass sie uns am Arbeitsplatz kreativer, produktiver, stressresistenter und weniger müde machen sollen, mag man nach diesem Buch nicht mehr wirklich vermuten.

Oder erst recht: Das Werk, das die ungeschminkten, teils dahinsiechenden Pflanzentöpfe auf Fensterbänken, Aktenschränken, Schreibtischen oder neben Heizkörpern zeigt, gibt zwar ein stummes Zeugnis von Verwahrlosung einerseits, zeugt aber auch von einem fast eisernen Überlebenswillen der Pflanzen im Arbeitsalltag. Nichts ist hier inszeniert, Yucca-Palme, Grünlilie und Co. wurden an ihren Orten und Stellen wie vorgefunden abgelichtet.

Wie in einer Dokumentation zeigen sie Bürowirklichkeiten in Deutschland, ungeschminkt, aber nicht ohne Humor. Die Vorstellung der einzelnen Gewächse kann man dabei tatsächlich als Portraits bezeichnen, denn sie bekommen

hier Eigennamen und knappe Charakterisierungen: “Melanie ist sich ihrer Vorbildfunktion durchaus bewusst“ heißt es da. Oder: “Heinz teilt sein Glück gern mit anderen“. … die Komik der Tragik zwischen zwei Buchdeckeln. “German Business Plants“ macht Spaß und lässt die eigenen Pflanzen um den Schreibtisch in einem anderen Blick erscheinen. Sie werden plötzlich sichtbar, und schreien still nach Wasser, Dünger, mehr Licht oder einem größeren Topf.

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