TESTO: Pflanzenspirale — Umsetzung einer wilden Idee

TESTO: Pflanzenspirale — Umsetzung einer wilden Idee

© Gerhard Zemp
02.05.2021
Interview mit den Architekten hinter einem der kreativsten Projekte zurzeit.

Eine 55 Meter lange Pflanzenspirale als hängende Raumskulptur im TESTO Hauptsitz, dem weltweiten Marktführer für Messsysteme. Die Umsetzung wurde aus einer verrückten Idee geboren.

Das globale Technologie Unternehmen TESTO ist mitten im idyllischen Hochschwarzwald gelegen. Die Grüne Umgebung sollte auch bewusst in den modernen Arbeitswelten weitergeführt werden.

Gerhard Zemp und Francisco Bouzas von “aplantis“, dem Architekturbüro für Gebäudebegrünung, sind die Planer hinter der beeindruckenden lebenden Spirale. Sie hatten bereits zu Beginn der Planung ein klares Ziel vor Augen: TESTO liegt inmitten der Natur – So gehört auch ein Stück erlebbare Natur in die Arbeitswelt. Es muss natürlich und nachhaltig sein“, meinte Gerhard Zemp und führte weiter aus: „Der Kunde war derselben Meinung. Er wollte etwas Neues, eine Idee, die im Dialog steht, mit der Dynamik der Architektur spielt und zur innovativen Unternehmung passt. Nicht etwas schon “Dagewesenes“. Wir waren also gefordert“!

Die praktische Umsetzung der verrückten Idee
Es blieb nicht bei der Utopie des Entwurfs der beiden Architekten von “aplantis“. Sie starteten bald damit, mögliche Lösungsansätze zu prüfen, ohne die Ursprungsidee zu verlassen, wie Gerhard Zemp erzählt: „Wir sind oft etwas verrückt mit unseren Ideen. Am Anfang zeichneten wir wilde Kurven, welche die verschiedenen Geschosse vertikal miteinander verbanden. Auf Papier kein Problem. Die Umsetzung danach wurde umso mehr zur Herausforderung“!

Wir machten uns auf die Suche nach einem im Markt erhältlichen flexiblen System aus dem Standardprogramm der Vertikalbegrünung, die wir für unseren Entwurf allenfalls weiterentwickeln könnten. Schließlich fanden wir das “Natural Greenwalls- System“. Ein System, welches vielfältig für Pflanzenwände und Säulen bekannt ist, schien uns flexibel genug zu sein. Es war nicht einfach unseren Entwurf zur Realität werden zu lassen.

Wir suchten und fanden in “Natural Greenwalls“ ein Produkt und einen Partner, der offen für Neues war und dem wir vertrauen konnten“, sagt Gerhard Zemp. Schon beim ersten Meeting war das Interesse da, so dass wir mit der erfolgreichen Umsetzung beginnen konnten.

Das Unternehmen “Natural Greenwalls“ und seine Mitarbeiter waren sehr offen, kritisch und positiv gegenüber unserer Idee eingestellt. Die gute Zusammenarbeit zwischen der Planung und Praxiserfahrung von “Natural Greenwalls“ war äußerst fruchtbar und ließ das Projekt zügig vorankommen“, so die Aussage von Gerhard Zemp. Francisco Bouzas bestätigt die gute Zusammenarbeit: „Alle arbeiteten gemeinsam und interessiert an ein Glück, denn der Entwurf forderte alle heraus und sollte schließlich die hohen Erwartungen der Planer und des Kunden erfüllen“. Francisco erzählt weiter: „Wir hatten hohe Erwartungen an das Produkt und an das Team von “Natural Greenwalls“. Auf der Baustelle zeigte sich die Professionalität des Teams im Umgang miteinander und sich auf ungewohntem Terrain zu bewegen. Sie bewältigten diese Herausforderung großartig“!

Grün als Teil der Architektur – Warum?
Die beiden Planer sind klar der Meinung, dass Grün zur heutigen Architektur gehört. Nicht rein dekorativ, sondern, dass viel mehr dahintersteckt. Francisco Bouzas sagte folgendes dazu: „Grün soll ein integraler Teil der Architektur sein. In vielen Projekten wird Grün nur dekorativ verwendet. Wir gehen viel weiter: Unsere Entwürfe sind funktional und bringen spannende Lösungsansätze für die Herausforderungen an die Behaglichkeit der Nutzer und des Gebäudeklimas. Das Grün steht im Dialog mit der Architektur“.

Sein Partner meint: „Grün löst viele Probleme: Akustik, Klima, Krankheiten und Change-Prozesse. Unsere Entwürfe haben den Anspruch multifunktional zu sein. Die Natur im Innenraum muss natürlich, wild und authentisch sein. Aus diesem Grund lieben wir organische Formen und Lösungen, welche die Luftbewegung des Gebäudes aufnehmen. In der Natur draußen gibt es keine statischen Elemente: Der Wind bewegt Gräser und Bäume, das Licht ist ständig wechselnd. Dies wollten wir hier im Innenraum umsetzen und die Menschen begeistern.

Dies alles verkörpert die Pflanzenspirale, welche im Atrium von TESTO umgesetzt wurde“, so die Aussage von Gerhard Zemp.

 

 

 

 

 

Echte, grüne Kunst
Neben der dynamischen Pflanzenspirale haben Gerhard Zemp und Francisco Bouzas ein zweites Atrium mit hängenden und stehenden Pflanzensäulen, eigentlich Stalaktiten und Stalagmiten mit “Natural Greenwall“ umgesetzt. Hier ist die Dynamik und Veränderung beim Betrachter, der sich im Raum bewegt und die Säulen immer wieder neu wahrnimmt: «Eine optische Illusion — Grüne Kunst», wie Gerhard Zemp meinte. Francisco Bouzas ergänzte: „Das Spannende ist, dass man nie alle Säulen auf einmal sieht. Je näher man auf das Atrium zugeht, umso mehr Säulen wachsen aus dem Boden und der Decke. Auf jedem Geschoss ergibt sich ein anderes Bild. So einfach die Säulen auf den ersten Blick erscheinen, umso spannender ist die Veränderung über die Geschosse“.

Ein Jahr später ...
Ein Jahr nach der Umsetzung betrachten Gerhard Zemp und Francisco Bouzas Fotos des aktuellen Zustandes. Der Entwurf wurde immer wieder in Referaten vorgestellt und löste großes Erstaunen aus: „Viele Gärtner und Architektenkollegen sind überrascht wie selbstverständlich das Grün im Projekt wirkt und wie gut es funktioniert“. „Viele fürchten sich vor Neuem, wir nicht. Allzu oft wird die Innenraumbegrünung in Projekten gegenseitig kopiert“, meinte Gerhard Zemp und Francisco Bouzas ergänzt: „Unser Kunde TESTO ist ein Jahr später sehr zufrieden. Die “Grüne Spirale“ ist gut aufgenommen worden. Das System funktioniert gut. Der örtliche Raumbegrüner Sumser aus Freiburg i.Br., der die Projektleitung übernommen hatte, pflegt regelmäßig die automatisch bewässerte Spirale, so dass heute üppiges Grün sprießt. Wir sind sehr stolz auf dieses Projekt, weil wir einen neuen visionären Entwurf mit guten Partnern umsetzen durften“. Auf die Frage, wie sie das Projekt, die Zusammenarbeit nach einem Jahr sehen, sagte Francisco Bouzas: „Wir mussten ein paar Kompromisse zwischen dem Entwurf und der effektiven Umsetzung machen – Die Zusammenarbeit mit “Natural Greenwalls“ als Partner, war toll, wir fanden immer wieder gemeinsam neue Lösungen für scheinbar unüberwindbare Herausforderungen. Wir können die Zusammenarbeit gerne weiterempfehlen!“

(02.05.2021)

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