Herbert Mosel - Ein besonderer Freund und die Entstehung von Hydrotip

Herbert Mosel - Ein besonderer Freund und die Entstehung von Hydrotip

01.05.2021

Geschichte ist eine Zusammenfassung von Ereignissen aus den Lebensläufen vieler Menschen. Je nachdem wessen Leben das der anderen tangiert, sind sie die Ursache für weitere Ereignisse. So war es auch bei Herbert Mosel, seiner Domain Hydrotip.de und mir.

Am Anfang stand Carsten Teuber, ein gemeinsamer Freund, der mich und Herbert zu einer Ausstellung einlud. Damals im Jahre 1995, glaube ich, sah ich Herbert Mosel, einen kleinen und kräftig gebauten Mann, zum ersten Mal. Wir drei besuchten zusammen die Ausstellung. Die Jahre gingen ins Land. Carsten gründete einen Videoversand. Ich managte Technik, Werbung und Webseite für seine Firma. Herbert wollte ein Buch über “Hydrokultur“ schreiben, er war als Rezensent begehrt.

Es drängte ihn auch selbst ein Buch zu veröffentlichen, nur fand er keinen Verlag der sein Buch verlegen wollte, er war einfach zu unbekannt. Da kam ihm eine Idee und er fragte mich, ob wir nicht zusammen eine Pflanzenseite im Internet aufbauen wollten? Ich willigte ein: das war die Geburtsstunde von Hydrotip - im Jahre 2000.

Von da an trafen wir uns samstags alle 2 Wochen. Nach einem ausgiebigen “Arbeitsfrühstück“, scannten wir dann manchmal bis zu 50 Bilder, Digitalkameras waren zu der Zeit noch zu teuer und zu schlecht. Ich band die von Herbert vorbereiteten Texte in Webseiten ein und schmückte sie mit Bildern, sorgte für die Suchmaschinenoptimierung und die gesamte Technik der Seite. Alle 2 Wochen gab es nun auf Hydrotip ein Update. Das bemerkten auch die Suchmaschinen. Unter dem Suchbegriff “Hydrokultur“ tauchte Hydrotip an sehr prominenten Plätzen auf, ohne dass wir Geld für Werbung ausgegeben hätten. Die Suchmaschinen sandten mehr Besucher, die Bekanntheit der Seite stieg! Nach der Einführung der Rechtschreibereform diskutierten wir, ob die Seite nun auf Hydrotipp umbenannt werden sollte. Wer Herbert kannte, weiß, es war ein nutzloses Unterfangen. Obwohl er nun schon so lange in Berlin wohnte, kam da der “Westfälische Sturkopp“ (Anmerkung der Redaktion) zum Vorschein oder war es denn doch mehr der “Berliner Bär“, der sich selbst treu blieb und der sich nicht verbiegen ließ?! Der Name Hydrotip und Herbert Mosel wurde zu einem Begriff. Kein Verlag hätte jetzt, 5 Jahre später, ein Buch von ihm abgelehnt. Die Anerkennung, die er sich für sein Buch gewünscht hatte und die ihm verwehrt wurde, kam jetzt aus Fachkreisen, kam nun übers Internet!

Hydrotip ist im Laufe der Jahre ein “riesiges Schlachtschiff“ an Informationen geworden. Die Seite umfasst mehr als 2.000 Texte und mehr als 20.000 Bilder zum Thema “Hydrokultur“.

Ein Lebenswerk, welches Dirk Jendreck und die DGHK, in Erinnerung und Dankbarkeit an Herbert Mosel, erhalten werden.

Jeder Mensch hat Eigenarten, hat Marotten, wenn Sie es nicht glauben, betrachten Sie Ihren Partner oder Ihre Freunde, auch Herbert Mosel hatte welche. Eine besonders hervorstechende war seine Genauigkeit!

Es war im September glaube ich, in Berlin fand eine Orchideenausstellung statt. Durch Herbert informiert und animiert, gingen wir gemeinsam dort hin. Die Ausstellung fand auf 2 Etagen statt. Unten präsentierten sich die Händler, oben wurde man erschlagen von der Pracht der in Schaukästen zu bewundernden Pflanzen. Auf Bäumen, auf der Erde, zwischen Moos, überall schoben sie ihre Blätter und Blüten hervor. Eine Orchidee schöner als die andere. Herbert defilierte an den Schönheiten vorbei. Manchmal blieb er bei einer Orchidee stehen, holte den Fotoapparat hervor und “schoss“ ein Foto. Ein andermal “blubberte“ er nur leise vor sich hin: „Nein, davon haben wir schon genug Fotos“. Bei der nächsten Pflanze hielt er mir einen Vortrag über die Pflegebedingungen. Er kannte alle Namen, alle Gattungen. Er war halt eben ein Experte!!!

Mit seiner Schwester zusammen führte er früher ein Orchideengeschäft. Wenn wir in Erinnerungen schwelgten, schimpfte er manchmal über die Kunden, die sich von ihm beraten ließen, die aber Pflanzen dann im Baumarkt kauften. Zurück zur Ausstellung: Ich setzte mich, wollte diese Pracht einfach auf mich wirken lassen. Herbert stand noch an den Vitrinen. Ein Herr steuerte direkt auf ihn zu. Sie kannten sich und in “null Komma nichts“ diskutierten sie über Haltungsformen, Präsentationen, Einfluss der Ausstellung auf die Pflanzen. Dann fragte der Herr, Vorsitzender des Orchideenvereins, wie dem Gespräch zu entnehmen war, wie Herbert denn die Ausstellung insgesamt fände.

Herbert atmete tief ein für eine würdevolle Pause und um seinen Worten die nötige Beachtung zu verleihen. Dann sagte er: „Da hinten fehlen an den Pflanzen 2 Namensschilder“. Wieder ein Moment der Ruhe - seinem Gegenüber entglitten die Gesichtszüge. Der Herr sagte: „Ah ja ...“ und damit war das Gespräch schlagartig zu Ende! Ich lachte still in mich hinein und war froh, dass es nun endlich wieder weiterging.

So war er halt, unser “Berliner Bär“, ein Brummbär, den wir deswegen im Freundeskreis scherzhaft “Bärchen“ nannten, wenn wir ihn frotzeln wollten, was er gutmütig brummend und großzügig über sich ergehen ließ.

Er war eine besondere Art Mensch. Ein alter “Brubbelkopf“ manchmal, ein Spaßvogel ein anderes Mal. Auf jeden Fall ein wertvoller und liebenswerter Mensch, den wir vermissen. Lass es Dir gut gehen, lieber Herbert - egal wo du jetzt auch sein magst!

(01.05.2021)

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