Unser zweites Ziel, der alte Teil des Dortmunder Hauptfriedhofes - Deutsche Gesellschaft für Hydrokultur e.V.

Unser zweites Ziel, der alte Teil des Dortmunder Hauptfriedhofes

© Jochen Euler Mitgliederversammlung 2019 — Dortmund / Soest - Nordkirchen

Unser erstes Ziel waren "die urbanisten". Danach steuerten wir unser zweites Ziel an, den alten Teil des Dortmunder Hauptfriedhofes, mit 118 ha der drittgrößte Friedhof Deutschlands. Ein sehr kompetenter Vertreter begrüßte uns auf dem neu angelegten Parkplatz, denn hier wurde uns die neuste Errungenschaft vorgestellt. Alle Bäume sind in anorganisches Substrat gepflanzt worden, weil eine Baumscheibenvergrößerung vorgenommen werden musste. Es wurden ca. 1,50 m an Erdreich ausgehoben und durch die Bagger noch mindst. 80 cm des gewachsenen Bodens aufgelockert. Dadurch ist die Bewässerung der Bäume überhaupt kein Problem. So wird im Moment mehr Wasser zur Bewässerung gebraucht als gewohnheitsgemäß, weil das Wasser in die tieferen Schichten versickern kann und damit der Baum auch seine Wurzeln entsprechend ausbilden wird. Allerdings liegen dazu noch keine Erfahrungen vor.

Auf dem Friedhofsgelände gibt es viele dendrologische Highlights; der alte Teil des Hauptfriedhofes ist in gehölzkundlerischer Sicht lohnenswert und mit vielen botanischen Gärten gleichwertig. Auch auf Grund der Größe des Friedhofes hat man die Möglichkeit vieler ökologischer Projekte. So werden beispielsweise auch alle Arten von Pilzen, selbst Schadpilze an Bäumen, kultiviert. Es bleibt auch deshalb viel Totholz stehen, da Schulungen für Baumkontrolleure regelmäßig durchgeführt werden.

Zu Beginn des alten Teils überquerten wir die 4 ha große "Talwiese", die im Sommer von Schafen "gepflegt" wird. 1921 wurde mit dem konkreten Bau begonnen.

Schon damals wurde mit eingeplant, den gesamten Friedhof in diese "Talwiese" zu entwässern. In diesem Teil sind hauptsächlich Eschen gepflanzt, die in vergangenen nassen Sommern extrem unter dem Schadpilz (Hymenscyphus fraxineus) gelitten haben. Durch die vergangenen zwei heißen Sommer konnten sich die Eschen wieder erholen, denn die Pilze mögen keine Hitze. Um den Baumkontrolleuren auch Schadpilze zeigen zu können, werden auch Bäume mit Befall durch den "Gemeinen Schwefelporling" (Laetiporus sulphureu) erhalten. Auch diese Bäume müssen auf Verkehrssicherheit geschnitten werden und sie werden deshalb sehr gut von den Tieren angenommen. So gibt es hier sogar im unteren Bereich des Baumes eine Nisthöhle für einen Specht mit Höhenangst. Alles Totholz, ob stehend oder liegend, wird total unterschiedlich von den Tieren genutzt. Auch der Übergangsbereich von noch lebendem Baumholz zum Totholz wird genauso beobachtet und versorgt. Große Bedeutung haben auch neue Bestattungsformen, beispielsweise werden auf ehemaligen Bestattungsfeldern Grabstätten unter Bäumen angelegt, aber es gibt keine direkte Zuordnung.

Auch eine Neuerung auf dem Friedhof: es sind mittlerweile 127 verschiedene alte Obstsorten angepflanzt worden. Auch Sorten, die im Grunde nur noch einen historischen Wert haben, wie zum Beispiel der  "Korbiniansapfel", der im KZ Dachau von Korbinian Aigner gezüchtet wurde oder der  "Rote Eiserapfel", der sogar in Erdmieten bis zum übernächsten Jahr aufgehoben werden kann.

Wichtig ist auch vor allen Dingen, dass hier mittlerweile ganzheitlich gedacht und geplant wird. Beispielsweise sind alle Wasserstellen mit Schwimmbrettern für Vögel ausgerüstet, damit sie auch noch trinken können, wenn der Behälter nicht mehr ganz so voll ist. Ganz neu ist der "Zukunftsbaumweg". Hier werden Bäume angepflanzt, die für die sich ändernden Klimaverhältnisse getestet werden sollen. Dabei sind auch schon bekannte Sorten, wie der "Amberbaum" (Liquidambar) oder der Gingko, aber auch Sorten, die sich für öffentliche Anlagen nicht durchsetzen werden. Danach folgte die "Heimbuchenallee", vielleicht die schönste Allee Dortmunds. Wichtig sind auch sogenannte Wildwüchse, Bäume, die sich selber aussähen, lässt man wachsen und bindet sie mit in die Planung ein. Diese Sämlingsvermehrung fördert auch die genetische Vielfalt und die Resistenz gegen Krankheiten. Zum Schluss ging es zur sogenannten "Begegnungsstätte", hier stehen Bewegungsgeräte für ältere Mitbürger um fit zu bleiben, was unglaublich gut angenommen wird. Dieser Bereich ist zusätzlich mit einem Kinderspielplatz ergänzt worden. Nach fast genau 1½ h erreichten wir wieder unseren Bus, der uns jetzt zu unserem dritten Ziel bringen sollte. Stefan Hecktor bedankte sich sehr herzlich bei unserem sehr kompetenten Führer, der uns dieses Kleinod des Ruhrgebietes vorgestellt hatte, mit einer Flasche "Nährlösung für Erwachsene".

Den Bericht über uunser drittes Ziel finden Sie unter FHS - Soest,  die Galerie über unser zweites Ziel ist unter Hauptfriedhof Dortmund archiviert.

(09.03.2020)

Update: 2020-05-03 13:35:02