Die Geschichte der Zimmerpflanze - Deutsche Gesellschaft für Hydrokultur e.V.

Die Geschichte der Zimmerpflanze

© Nieuwkoop Europe BV Ohne ein paar Zimmerpflanzen ist eine Einrichtung heute einfach nicht mehr komplett.

Das war aber nicht immer so. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts kam die Mode auf, Pflanzen ins Haus zu holen. Und seit einigen Jahrzehnten sind Zimmerpflanzen kaum mehr aus unseren Wohnungen wegzudenken. In diesem Artikel erfahren Sie mehr über die Geschichte der Zimmerpflanze. Exotische Pflanzen aus fernen Ländern

Anfang des 16. Jahrhunderts brachten Forschungsreisende die ersten exotischen Pflanzen mit nach Europa. Zunächst erhoffte man sich davon die Entdeckung neuer essbarer und heilkräftiger Gewächse. Diese Pflanzen wurden gezüchtet, um Arzneimittel daraus herzustellen. Erst im 18. Jahrhundert begann man, auch die ästhetischen Eigenschaften der Pflanzen zu würdigen.

Zu Beginn waren es vor allem die reichen Bevölkerungsschichten, die sich Pflanzen ins Haus holten, vor allem, um mit teuren und exotischen Exemplaren aus fernen Ländern Eindruck zu machen. Da diese tropischen oder subtropischen Pflanzen die europäischen Winter nicht überleben würden, setzte man sie in große Kübel, die man in der kalten Jahreszeit hereinholte.

Dafür baute man Orangerien, in denen die Kübelpflanzen überwintern konnten. Ein weltbekanntes Beispiel hierfür ist der Crystal Palace in London.

Die ersten Pflanzen im Wohnzimmer
Mitte des 19. Jahrhunderts begann man Pflanzen allmählich als festen Bestandteil der Einrichtung zu betrachten. In den Niederlanden vollzogen sich, wie in anderen Ländern Europas auch, interessante Entwicklungen auf dem Gebiet der Innenarchitektur. Die bisher eher schlichten Einrichtungen wurden gemütlicher und wohnlicher. Man entdeckte, dass Pflanzen Leben in die Wohnung brachten.


Allerdings waren in dieser Zeit die Bedingungen in den Wohnungen noch nicht sehr günstig für Pflanzen.

Die kleinen Fenster, durch die nur wenig Licht einfiel, und die schädlichen Dämpfe, die durch die Kohleöfen in den Räumen hingen, waren alles andere als optimal.

Dadurch kamen vor allem widerstandsfähige Pflanzen in Betracht, beispielsweise Farne.

Erst ein Jahrhundert später, gegen 1950, entstand eine echte Zimmerpflanzenkultur, unter anderem dank des Einzugs der Zentralheizung. Dadurch wurde das Zimmerpflanzensortiment wesentlich größer.

Außer Farnen bekamen nun auch verschiedene Arten von Palmen und Blühpflanzen wie Begonien, Primeln, Bromelien, Orchideen und Alpenveilchen einen Platz in den Innenräumen. Die Funktion des Fensterbretts veränderte sich von der Sitzbank zum Schaufenster für Zimmerpflanzen.

[bild9242||rechts]Der Siegeszug der Raumbegrünung
Kurz darauf, um das Jahr 1965, hielten die ersten Pflanzen Einzug in die Büros. Die Idee entstand in Deutschland und der Schweiz, weitete sich aber schnell auf andere Länder aus. Außer als Dekoration dienten die Pflanzen im Büro auch zur Abtrennung von Arbeitsplätzen und zur Schaffung von mehr Privatsphäre. Darum verloren die blühenden Pflanzen zugunsten großblättriger Grünpflanzen an Terrain. Vor allem der Ficus und die Sansevieria wurden in rasantem Tempo enorm beliebt. Als dann anschließend Wintergärten, Atrien und Innengärten in Büros, Hotels und Einkaufszentren aufkamen, war das Zeitalter der Raumbegrünung endgültig gekommen. Inzwischen hat die westeuropäische Raumbegrünungsbranche eine weltweite Führungsposition erlangt. In den vergangenen Jahren haben verschiedene Untersuchungen, die den Pflanzen positive Auswirkungen bescheinigten, der Raumbegrünung zusätzliche Impulse verliehen.

(02.08.2019)

Update: 2019-08-02 16:58:27