Vertikalbegrünung an der Hochschule Geisenheim - Deutsche Gesellschaft für Hydrokultur e.V.
Crassula ovata (Mill.) Druce

Vertikalbegrünung an der Hochschule Geisenheim

23 Beobachtungen und Erkenntnisse nach drei Jahren Standzeit

Am 1. Juni 2015 wurde in einem Treppenhaus der Hochschule Geisenheim eine Vertikalbegrünung auf einer Wandfläche von 2,7 m² installiert. Ziel war es mit vergleichsweise geringem technischen Aufwand ein dennoch dauerhaft haltbares System zu entwickeln, das sich mit allgemein verfügbaren Materialien erstellen lässt. Nach drei Jahren Standzeit ist es nun an der Zeit Bilanz zu ziehen.

Das Pflanzsystem basiert auf Steinwollmatten, in denen die Pflanzen vorkultiviert wurden. Die Unterkonstruktion an der Gebäudewand bestand aus einem Tragegestell aus Metall, auf das Styrodurplatten befestigt wurden, zusätzlich mit einer starken Folie überzogen. Die Befestigung der Steinwollmatten erfolgte mittels handelsüblicher Dämmstoffdübel. An der Wandbasis befindet sich ein Edelstahltank zur Bevorratung der Nährlösung, der von einem Metallbaubetrieb angefertigt wurde. Die Bewässerung erfolgte über einen an der Oberseite verlaufenden jederzeit gut zugänglichen Tropfschlauch und wurde über eine Zeitschaltuhr gesteuert. Der Füllstand im 117 Liter fassenden Tank wurde elektronisch gemessen und als "Ampelschaltung" seitlich von der Vertikalbegrünung angezeigt. Weitere technische Details sind der Abbildung 1 zu entnehmen.

Standort
Um reale Praxisbedingungen zu prüfen, wurde mit einem Treppenhaus als Ort

für die Vertikalbegrünung bewusst ein Bereich mit starkem Publikumsverkehr gewählt. So befand sich links neben der Begrünung der Eingang zu einem Hörsaal, rechts davon ein Kopiergerät. Die Licht- und klimatischen Bedingungen waren nicht konstant, sondern wechselten im Tages- und Jahresverlauf. Die Temperatur wurde nicht geregelt. Sie ergab sich aus der manuellen Einstellung der Thermostate an den Heizkörpern und dem Lüften der einfach verglasten großflächigen Rollfenster zur Südseite ohne Schattierung. Tageslicht erhielten die Pflanzen nur von dieser Seite aus einer Entfernung von etwa drei Metern. Um Lichtmangel im Winterhalbjahr vorzubeugen wurde zusätzliches Assimilationslicht verabreicht. Die Metallhalogenlampe (315W) liefert etwa 1.500 bis 2.500 Lux als Tagverlängerung, also außerhalb der Bürozeiten von 18 bis 23.00 Uhr. Eine zusätzliche Akzentbeleuchtung mit vier LED Lampen sorgte für eine gute Ausleuchtung der Pflanzenfläche und damit für eine ansprechende Präsentation .



Tab. 1 : Lichtverteilung [lx]


Tab. 1: Lichtverteilung [lx] in Pflanzenhöhe; etwa 40 cm von der Substratoberfläche am … ohne Zusatzlicht.

Die Temperaturen am Standort lagen im Bereich von 15 bis 25 °C, je nach Außentemperatur. Im März 2018 fielen die Temperaturen trotz Dauerfrost nicht unter 15 °C .



Abb. 3 Außentemperatur

Bepflanzung

Die Stecklinge wurden Ende März 2015 direkt in die Steinwollmatten gesteckt. Nach zwei Wochen war ein Großteil der Pflanzen gut bewurzelt (Abb. 4) und Anfang Juni konnten die begrünten Matten an die Unterkonstruktion montiert werden (Abb. 5).

Als Grundbepflanzung waren Ficus pumila und Pilea depressa vorgesehen, die für das schnelle und sichere Bedecken der Steinwollmatten sorgen sollten. Die farbliche und strukturelle Gestaltung wurde durch Anthurium andreanum in Rot und Weiß, Tradescantia zebrina, Tolmiea menziesii und Davallia mariesii vorgenommen. Außerdem wurden einzelne Masdevallien und Rhipsalis cassuta vorgesehen. Diese konnten sich jedoch nicht etablieren und fielen schon in den ersten Monaten vollständig aus. Auch von Ficus punctata ist zum heutigen Zeitpunkt nur noch wenig zu finden. Nach etwa zwei Jahren wurden auch Pilea depressa so stark überwachsen, dass sie sich nicht mehr entwickeln konnten.

Ficus pumila hat sich in allen Bereichen der Wand gut etabliert. Langwachsende Triebe mussten etwa alle vier bis sechs Wochen zurückgeschnitten werden. Tolmiea menziesii wuchs sehr stark und musste ebenfalls regelmäßig gestutzt werden, damit Nachbarpflanzen sich entwickeln konnten. Mit ihrem gelb-grünen Laub und der besonderen Brutblattentwicklung setzten sie gestalterisch wichtige Akzente. Tradescantia reagierte empfindlich auf tiefes Stutzen. Somit verlief auch in diesem Fall die Entwicklung nicht zufriedenstellend. Die Blattform und Blattzeichnung, aber besonders der dunkelviolette Farbton machen diese Pflanzenart dennoch interessant für den Einsatz in der vertikalen Begrünung. Davallia mariesii, der Ballfarn, entwickelte sich langsam; die Farnblätter und die wollig behaarten Rhizome bieten jetzt nach fast drei Jahren dafür einen besonders reizvollen Anblick. Anthurien produzierten über den gesamten Beobachtungszeitraum hinweg Blüten und gehörten zu den wenigen unproblematischen Blühpflanzen, die für Vertikalbegrünungen nutzbar sind. Die in Geisenheim eingesetzten Pflanzen haben dauerhaft geblüht, aber auch große Blätter gebildet. Wünschenswert wären hier kleinere, kompakte Sorten.



Tab. 2 Pflanzenarten


Tab. 2: Pflanzenarten und ihre Eignung (* nicht geeignet; ** eingeschränkt geeignet; *** gut geeignet)

Pflege

Die Ernährung der Pflanzen erfolgte nach dem Basisdünger-System mit einer schwach konzentrierten Nährlösung, bezogen auf das Leitelement Stickstoff mit 35 mg N/l.



Tab. 3 Basisdünger-System

Tab. 3: Basisdünger-System zur Steuerung des pH-Wertes in der Nährlösung

Die Versorgung nach dem Basisdünger-System erwies sich als sichere und kostengünstige Möglichkeit, die Pflanzen optimal zu versorgen und den pH-Wert in einem für die Pflanze günstigen Bereich zu halten (Tab. 4). In dem beobachten Zeitraum kam es zu keinen auffälligen Ernährungsstörungen. Da ausschließlich entsalztes Wasser verwendet wurde, kam überwiegend Kalksalpeter zum Einsatz. Der pH-Wert hielt sich so stabil in einem leicht sauren bis neutralen Bereich zwischen 5,5 und 7 (Abb. 9). Neben dem pH-Wert wurde auch die Leitfähigkeit der umlaufenden Nährlösung einmal wöchentlich gemessen und protokolliert. Angestrebt wurde ein Bereich von 1.000 bis 1.200 Mikrosiemens, in wachstumsintensiveren Zeiten auch bis zu 1.400 Mikrosiemens. Wurden diese Bereiche über- oder unterschritten, erfolgte beim nächsten Auffüllen des Nährlösungsvorrates eine entsprechende Anpassung der Nährstoffzugabe.



Tab 4 : pH-Werte


Tab. 4: pH-Werte, Leitfähigkeit und Nährstoffgehalte (mg/l) der Nährlösung am Beispiel der Messungen 2017.

Der Verbrauch an Nährlösung lag im Durchschnitt bei etwa 100 Liter im Monat (= 37 Liter/m² und Monat) mit leicht abnehmender Tendenz zum Herbst. Die erhöhte Gabe im Dezember erklärt sich durch mehrfache Gaben, um Feiertage und Urlaubszeiten zum Jahrsende zu überbrücken. Das erklärt dann auch die geringere Nährlösungsmenge im Januar (Abb. 10).

Krankheiten und Schädlinge waren 2017 kein größeres Problem. In einem Fall wurde Chrysoperla carnea gegen Blattläuse ausgesetzt.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Vertikalbegrünung mit dem in Geisenheim entwickelten einfachen System auf der Basis von Steinwollmatten über einen Zeitraum von drei Jahren problemlos funktioniert hat. Das Pflanzenbild hat sich verändert, sieht aber weiterhin sehr ansprechend aus. Die Pflanzen befinden sich in einem guten Wachstumszustand und der Pflegeaufwand beschränkt sich auf Schnittmaßnahmen im Abstand von vier bis sechs Wochen. Als besonders vorteilhaft hat sich das geschlossene Bewässerungssystem erwiesen, da es einen deutlichen Nährlösungsüberschuss und dadurch eine gleichmäßige Wasserversorgung in allen Teilbereichen der Wand ermöglicht.

Dörte Strecke-Ehlers; Manfred Fischer; Dr. Heinz-Dieter Molitor
Hochschule Geisenheim University

Update: 2018-12-07 16:36:03