Buntnessel

Pflanzen im Weltall

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Was sieht Lutz-Peter Kremkau, wenn er in die Sterne schaut? Er ist der Kopf des Verbunds “die Raumbegrüner“, die Räume mit Pflanzen einrichten – selbst auf diesem Planeten ein Job für Profis, brauchen Pflanzen doch Licht und Luft. Jetzt aber sollen sie gar im lebensfeindlichen Weltraum wachsen: Im Frühjahr 2017 soll eine Rakete zwei Gewächshäuser mit Pflanzen ins All schießen.

Rund 1,5 Jahre lang sollen sie in 600 Kilometern Höhe über dem Erdball

kreiseln, die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Internationale Spezialisten aus über 40 Fachgebieten wirken mit, um “Eu: CROPIS“ von der kalifornischen Airforce-Station Wandenberg aus mit einer Falcon-9-Rakete ins All zu senden – ein Jahr später als angedacht, doch damit immer noch fast planmäßig, heißt es beim “Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt“ (DLR).

“Ein geschlossenes Lebenserhaltungssystem“
„Eu:CROPIS ist ein kleiner Satellit, aber ein großer Schritt in der Frage, ob ein geschlossenes Lebenserhaltungssystem gelingen kann“, erklärt Dr. Jens Hauslage (38), wissenschaftlicher Leiter der Mission.

Sie bildet einen Höhepunkt seiner Forschung am DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin in Köln, wo er seit Jahren eine Vision verfolgt: Die Ernährung der Menschen auch unter schwierigsten Bedingungen sicherstellen – in lebensfeindlicher Umgebung, in Katastrophengebieten oder während eines Flugs zum Mars.

Dies kann nur mit Pflanzen gelingen, die ja für den Menschen nicht nur den lebensnotwendigen Sauerstoff produzieren, sondern bekanntlich auch Obst und Gemüse liefern. In einem Raum mit nichts außer Mensch und Pflanze könnte diese seinen Hunger stillen, wenn – ja, wenn sie die Nährstoffe bekäme, die Pflanzen nun mal fürs Wachstum brauchen. Einzige Dünger- Quelle wäre dann der Mensch mit seinen unvermeidlichen Ausscheidungen wie dem Urin.

Die Tomaten gedeihen mit Harn und Bio-Abfall
“Jeder Mensch produziert pro Jahr rund elf Kilogramm Harnstoff, der u.a. die Hauptnährstoffe für Pflanzen enthält. Das Verwerfen dieser wertvollen Rohstoffe ist mit dem regenerativen Denken nicht mehr vereinbar“, betont Hauslage. Denn während es gängige Praxis ist, den “tierischen Mist“ zu sammeln und als Dünger aufs Feld zu bringen, rauscht der menschliche Stoff ins Klo.

Hauslages Ziel war es, die Inhaltsstoffe möglichst schnell, effektiv und auf kleinstem Raum verwertbar zu machen. Das gelang mit der Entwicklung von C.R.O.P. (Combined Regenerative Organic food Production), einer Biofilteranlage auf Basis von Mikroorganismen und Lavastein, die mit jeder Sorte Bio- Abfall z.B. Tomaten gedeihen lässt.

In der Schwerkraft von Mond und Mars
Nachdem C.R.O.P. sämtliche Tests am Boden bestanden hatte, wurde die Forschung zum Weltraumprojekt: Die Überlebensgemeinschaft aus Tomatenpflanzen und Euglena-Algen heißt: “Eu:- CROPIS“ (Euglena and Combined Regenerative Organic food Production In Space) und soll zeigen, ob sie auch in der Schwerkraft von Mond und Mars existieren kann. In zwei Mini-Gewächshäusern, jedes kleiner als ein Schuhkarton, fliegen die Pflanzen mit einem Satelliten, der rotiert und so die Gravitation simuliert: Erst reist ein Gewächshaus unter Mond-, dann das zweite unter Marsbedingungen. Die Versorgung erfolgt zunächst mit künstlichem Urin, während unzählige Kameras und Sensoren die Abläufe erfassen. “Die Experimente an Bord werden wichtige Ergebnisse liefern, um ein Überleben der Menschheit in lebensfeindlichen Räumen zu ermöglichen, sei es im Weltraum oder auf der Erde“, erklärt Hauslage. 

Faszination Pflanze
Diese Ergebnisse werden von den Raumbegrünern mit Spannung erwartet. „Das fasziniert uns sehr; täglich haben wir das Lebewesen Pflanze im Blick, sie ist uns ans Herz gewachsen und kann uns immer wieder aufs Neue erstaunen“, betont Kremkau. „Schon öfter hat die Raumforschung bahnbrechende Erkenntnisse über Pflanzen geliefert, wie z.B. 1989 nit der Clean-Air-Studie der NASA.

Heute können wir dieses Wissen in die Praxis tragen und für jedes Haus, sei es Firma oder privat, anwendbar machen“.

(20.08.2018)

Update: 20.08.2018 16:06:45