Sansevieria kirkii Baker ′Friends′

Mitgliederversammlung Teil 2

© Jochen Euler

Hydrokultur vom Niederrhein


Unsere Mitgliederversammlung 2017 führte uns an den Niederrhein.
Die Besichtigungsorte haben bei Fachleuten und Liebhabern gleichermaßen einen guten Ruf: Straelen und Venlo! Straelen ist mit dem Namen “Landgard“ eng verbunden und Venlo, nun ja, seit mehreren Jahren der Standtort von “Nature`s Green“. In “Hydrokultur intern 03 - 2017“ haben wir darüber berichtet und so folgt hier nun der Bericht vom Versammlungstag bei Leo Thissen: “Hydrokultur vom Niederrhein“!

„Ich begrüße Sie recht herzlich heute hier in Reichswalde“; so der Firmenchef am Samstagmorgen. „Zwischen 1948 bis 1950 wurden Teile des Klever Reichswaldes nach dem “Lübke-Plan“ gerodet, und als Rodungssiedlung im Reichswald angelegt, um unter anderem Heimatvertriebenen aus den ehemaligen Ostgebieten einen Siedlungsplatz zuweisen zu können. Den Namen “Nierswalde“ erhielt die 1948 angelegte Siedlung 1952.

Da in “Nierswalde“ hauptsächlich Protestanten angesiedelt worden waren, wurde hier 1956 eine evangelische Kirche errichtet, während Reichswalde vorwiegend katholisch geprägt ist. Sie waren so angelegt, dass sie als Selbstversorgungsdörfer gelten konnten. Um die Integration zu ermöglichen, zu erleichtern, waren 2/3 der Bevölkerung Kriegsflüchtlinge und 1/3 Ortsansässige. 1969 wurde Reichswalde größtenteils nach Kleve eingemeindet.

Durch diese gezielte Selbstversorgung sind im Laufe der Jahre viele Gartenbaubetriebe entstanden, die durch landschaftliche Gegebenheiten, Sandböden und die Ölkrise in den 70er Jahren zu einer Umstellung / Spezialisierung auf Heidekulturen, und somit zur ersten Verarmung im Sortiment führte. Und so hat Leo Thissen sen. mit bis zu 14 Sorten Cordylinen kultiviert und jeder Gärtner hatte seine speziellen Kulturen, die er auch in “Hydrokultur“ probierte. Leo Thissen sen. ist dann mit 10 m² “Hydrokultur“, so wie er immer sagte, Hobbymäßig angefangen, die sich bis heute auf 15.000 m² vergrößert hat, wovon ca. 14.000 m² sich auf die direkte Produktion belaufen, es sind ca. 200 verschiedene Sorten und Arten. Hauptkulturen sind Dracaenen und im Wesentlichen Ficus, allerdings rückläufig“.


Unser Rundgang begann im vorderen Bereich der Gewächshausanlage, die in der Regel für den Versand vorgesehen ist, heute aber für unsere Mitgliederversammlung umgestaltet war. Für das angemessene Ambiente sorgten Beispiele der “Live Bilder“: „Wandbildsystem in der Kunststoffvariante. Ob schwarz, weiß oder in vielen weiteren Farben - z.B. passend zum Unternehmensdesign des Kunden - das Wandbild vereint Purismus, Vitalität und Individualität“, so die Aussage von Leo Thissen.

Seit geraumer Zeit kooperieren “Hydrokulturen vom Niederrhein“, Leo Thissen mit JAGO Kunststoff, Ingeborg Behrendt - Jagodzinsky, so dass wir beeindruckende Wandund Bildkonstruktionen bestaunen konnten.

Vielleicht können die Fotos einen kleinen Eindruck vermitteln; aber schon hier müssen wir auf die Bildergalerie auf unserer Seite verweisen. Bemerkenswert auch die Raumausnutzung selbst an den Gewächshauswänden sind Rinnen für die “Hydrokultur“ installiert.

Direkt zu Beginn unseres Rundganges eine Besonderheit die nur hier produziert wird und auch nicht in Erde: Spathiphyllum - Hybride ‘White Queen’, sie ist sehr langsam wachsend und sehr stabil. „Wir setzen keine Hormone zur beschleunigten Blütenbildung ein, wir setzen ausschließlich auf die natürliche Blütenentwicklung der Pflanze, so dass die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass die Pflanze auch beim Kunden zeitlich schnell wieder nachblüht! Die Pflanzen werden nur in desinfizierten Kisten kultiviert, um Massenausfälle zu vermeiden, so brauchen wir hier kein Fungizid, wir haben bis vor Kurzem einen Mykorrhiza - Cocktail einsetzen können, der die Jungpflanzen so gestärkt hatte, dass wir keinen Ausfall hatten. Von der Vermehrung her haben wir alles gemacht, vom Labor über Stecklingsvermehrung, Import von bewurzelten Stecklingen, Import von Holz (Dracaena ref lexa) und wir säen aus: z.B. Chamaedorea elegans direkt in 13/12 -Töpfe in Blähton Seit einiger Zeit vermarkten wir auch über zwei junge Leute direkt im Internet, wobei wir nur bis zur Verpackung der Pflanzen zuständig sind. Dieses Geschäft ist richtig gut angelaufen. Auch ein neues System ist der Paravent, der Philodendron scandens wächst in einem Schaum, der ein Schallschutzzertifikat hat. Die wichtigste Aufgabe bei diesen Systemen ist das Schneiden, denn nur die Triebspitzen sind und bleiben grün, Pflegerhythmus max. 4 Wochen“.


Auch an dieser Stelle muss ich wieder auf die Bildergalerie verweisen, denn auch für den Pflanzenliebhaber waren die einzelnen Abteilungen beeindruckend. Interessant war noch, dass die gesamte Anlage mit Holz geheizt wird. Das geschredderte Restholz wird angeliefert und in einem riesigen Kessel verheizt. Für mich als Heizungsingenieur war aufschlussreich, dass die Kesselanlage alle vier Wochen von Hand einen ½ Tag gereinigt werden muss, dafür muss sie mindestens ½ Tag abkühlen. Es werden, wenn es richtig kalt ist, 500 m3/Wo Holz verheizt. Die offizielle Bezeichnung der Anlage: “Biomasse - Feuerungs- Anlage“, Biomasse, weil der Kessel auch Frischholz verbrennen kann, was natürlich wenig wirtschaftlich ist. Die Anlage kann bis 700° C hochheizen, wenn Frischholz verbrannt wird, ist bei 350° C Schluss, die Restwärme wird zum Verdampfen der Restfeuchtigkeit aus dem Holz benötigt. Pro 100 m³ Holz falle 1 m³ Asche an.

Zum Schluss stellte uns Leo Thissen noch seine neuen Wandsysteme vor: “simpel und clean“ überzeugt die Weiterentwicklung dieser vertikalen Begrünungsvariante mit integriertem Bewässerungssystem. Anders als die bisherigen Modelle verzichtet das reduzierte System auf den Rahmen. Der Vorteil, angebracht werden die Pflanzvorrichtungen auf Platten, die mit der Zimmerwand verschraubt sind. Praktisch sind auch die neuen Kulturtopf - Abdeckungen, die um die Pflanzen gelegt werden, diese verhindern, dass der Blähton aus den Töpfen herausfällt. Dadurch ist der Blähton von Anfang an nicht weiter sichtbar, und alle Aufmerksamkeit wird auf das frische Grün der Pflanzen gelenkt, die sogar bei jeder Systempflege gedreht werden können“.



Zum Abschluss der Führung bedankte sich unser Geschäftsführer Stefan Hecktor, auch im Namen der Teilnehmer, bei Leo Thissen und seiner Gattin für die herzliche Aufnahme in ihrem Hause und überreichte die obligatorische Flasche mit der “DGHK-Nährlösung“ und dem “Hydrokulturgärtner Roberto“.

Anschließend fand dann die MV im vorderen Bereich der Versandhalle statt.
Pünktlich um 1200 Uhr, so wie es auf dem Lande eben üblich ist, kam der Mittagsimbiss und damit eine willkommene Unterbrechung der Versammlung. Mit der herzhaften Erbsensuppe und der leckeren Knackwurst konnten sich die Anwesenden für die restlichen TOP der MV stärken. Es war einmal wieder einfach nur schön, dieses Wochenende am Niederrhein. Wir freuen uns schon auf die nächste MV 2018 in Frankfurt am Main.

 


(21.04.2018)

Update: 12.06.2018 17:34:39