Hydrokultur in Dubai - Teil II

Hydrokultur in Dubai - Teil II

© Franz-Josef Salmen
24.10.2015
Der Hydrokultur-Spezialist Franz-Josef Salmen

In Hydrokultur intern 02 -0215 habe wir ausführlich im Teil 1 von den vorbereitungen und ersten Begegnungen in Dubai berichtet!
Aber dann verging die Zeit wie im Fluge.
Wir bearbeiteten an die 100 Pflanzen in über 60 Gefäßen. Von Tag zu Tag taten sich neue "Baustellen" auf. Letztendlich gab es nicht ein Gefäß, bei dem vorschriftsmäßig nach den Kriterien der Hydrokultur gearbeitet worden war!!! Die Begrünung war durch ein ortsansässiges Unternehmen erfolgt, deren "Raumbegrünerin" (eine Deutsch-Irakerin) bereits in Deutschland gearbeitet hatte. Man muss sich nun wirklich fragen, welcher Betrieb denn diese junge Frau wohl ausgebildet hat?! Was wir hier vorfanden hatte nun überhaupt nix mit Hydrokultur zu tun!!!

Schon in den vergangenen Monaten hatte ich mehrmals einem Freund meines Kunden aus Köln, Material und anderes Zubehör geschickt, welches dieser dann bei seinen Besuchen mit nach Dubai nahm. Unter anderem auch diese weichen, flexiblen Kunststoffeinsätze, die die Pflanzen, sowie auch die empfindlichen Gefäße vor Staunässe schützen sollten. Diese suchte ich verzweifelt in den dafür vorgesehenen Behältern, stattdessen hatte "man" einfach Teichfolie benutzt, diese aber nicht ganz ausgefaltet, irgendwie "reingelegt" und dafür mit einem Plastikstab durchbohrt, um der Pflanze den nötigen Halt zu geben. Wo lernt man denn so etwas???

Außerdem gab es im Hause mehrere Lechuza-Gefäße, aber ohne die dafür typischen Einsätze, die hatten wohl eine andere Verwendung gefunden. "Wie soll dann dieses spezielle System überhaupt funktionieren, wenn man die Systemteile auseinandernimmt?! Merke, nicht alles was von außen schön aussieht, ist auch innen drin schön oder funktionsfähig"! Dies war ganz offensichtlich eine sogenannte "Mogelpackung"!!!

Arbeiten, die wir draußen verrichten wollten, mussten in die frühen Morgenstunden gelegt werden. Es waren zwar schattierte Arbeitsplätze hinter dem Haus vorhanden, doch wenn wir Wasser aus dem Schlauch nutzen wollten, war dieses nach kürzester Zeit für die freiliegenden Wurzeln der Hydrokultur-Pflanzen, durch die Sonne viel zu heiß geworden, das ging ganz schnell, innerhalb von 2 min auf 40° C, da die Wasserleitungen ja auch in den aufgeheizten Außenwänden verlegt waren. Im Haus dagegen war es aufgrund der Klimaanlagen eher angenehm kühl, aber wir konnten uns ja warm arbeiten!

Unser Doktor hatte uns für die Zeit unseres Aufenthaltes einen eigenen Raum zur Verfügung gestellt, damit wir

ungestört und möglichst sauber arbeiten konnten. Für die Pflanzen selbst war der Wechsel von drinnen nach draußen natürlich eine heikle Angelegenheit, da gab es nur ein kleines Zeitfenster am Morgen. Wenn ich die Pflanzen ausgewaschen habe um die Reste von Erde und verfaulten Wurzeln zu entfernen, musste ich die Blätter mit Papier abdecken oder mit Pappkarton umhüllen, ansonsten hätten sie in der kurzen Zeit einen Sonnenbrand bekommen.

Auch unseren Kindern gefiel der Aufenthalt in Dubai sehr gut! Sie konnten sich in dem großen Haus frei bewegen, hatten viel Platz zum Spielen, im Garten und auch im Hof; außerdem wurden sie liebevoll von der Frau unseres

Kunden betreut und verwöhnt. Oft konnten sie uns auch bei der Arbeit helfen, so bei der Begrünung im Haus von Badezimmer und Toilette. Beide Räume hatten Milchglasscheiben in den Fenstern und keine weitere Möglichkeit für eine zusätzliche Pflanzen-Beleuchtung. Hier fanden kleine Glas-Gefäße mit Pflanzen in Blähton oder Seramis, deren Einsätze mit bunten Glasperlen "verkleidet" waren, ihren Platz. Davon war unser Doktor so begeistert, dass er sofort mehrere kleine Glasgefäße nachbestellte, die er verschenken wollte.

Die Dentalklinik des Zahnarztes befand sich in unmittelbarer Nähe des Wohnhauses. Natürlich konnten wir dort nur am Abend und am Wochenende arbeiten, da wir sonst den Arbeitsablauf der Klinik gestört hätten, auch mit der erforderlichen Hygiene wäre es dann schwierig geworden. In der Klinik selbst durften wir nicht fotografieren, doch auch hier erfreuen sich die Patienten und das Klinikpersonal an den schönen neuen Pflanzkübeln und Orchideengefäßen!

Bei unserer täglichen Arbeit gab es immer wieder Verzögerungen und große Pausen, wir warteten auf Material, das nicht geliefert wurde; ähnlich wie zu Zeiten in der früheren DDR: "Die Maurer sind da, das Baugerüst steht auch, aber der Sand für den Zement fehlt", darüber regt sich aber keiner auf, mit der typisch arabischen Gelassenheit wird es ertragen, in Dubai ist eben alles anders.

Da in Dubai-Stadt alle Gebäude, egal ob Privathäuser, Banken oder Hotels, einschließlich der großen Einkaufszentren klimatisiert sind, gibt es auch keine "Siesta", so wie wir es von den südlichen Urlaubsländern (Spanien, Italien, Griechenland usw.) kennen, es wird über Mittag ganz normal weiter gearbeitet! Somit konnte ich in dieser Zeit in einem großen Gartencenter das fehlende Zubehör besorgen, denn bei den bereits vorhandenen Gefäßen unseres Kunden fehlte es auch an "allen Ecken und Enden"! Und da ich in die bereits bepflanzten Gefäße ja nicht mit Röntgenblick von zuhause aus hineinschauen konnte, musste ich nun vor Ort tätig werden.

Bei unseren Fahrten machten wir folgende Beobachtungen: Alle Hotels die wir besichtigt haben, in deren Eingangshallen wir uns "ohne Eintritt zu bezahlen" umsehen konnten, hatten große Anpflanzungen in Erde, im Außen- sowie im Innenbereich, sie wurden auch morgens und abends gewässert, trotzdem waren sie immer irgendwie zu trocken und nicht optimal versorgt, das war ganz offensichtlich!!!


Hier hätten eine Tröpfchen-Bewässerung, eine Vorratsspeicherung und Umwälzanlagen wirklich Wunder bewirken können! Wie schade, dass so etwas nicht möglich war!!!

Es war aber selbstverständlich, dass jeden Tag große frische Blumengestecke und –Vasen dekoriert wurden, warum also diese Gleichgültigkeit gegenüber den Pflanzkübeln auf den Fluren oder ist es nur Unwissenheit?!

Ein Land, das fast nur aus Sand und Wasser zu bestehen scheint, das täglich mit den Naturgewalten kämpfen muss um Bauland zu gewinnen, sollte auch in der Lage sein eine gesunde und funktionierende Hydrokultur zu betreiben. Der Umgang mit den Elementen ist den Bewohnern ja vertraut, die Entsalzungsanlagen laufen rund um die Uhr und auch die Straßen müssen teilweise frei geschaufelt werden, weil sich die Wanderdünen ihre Terrains wieder zurückerobern, dagegen werden große Räumfahrzeuge eingesetzt, so wie bei uns bei starkem Schneefall!

Was wir teilweise gesehen haben, hat uns schon erschüttert, da "dreht sich dem Pflanzen-Liebhaber das Herz im Leibe herum" und man guckt traurig weg!!! Genauso auf dem Flughafen bei unserer Abreise:

Eine große "Mumienpalme" steht in einem Kübel, bei dem man als Bodenbedecker Epipremnum eingesetzt hatte. So weit so gut, aber warum sind die Pflanzen nicht in Gefäßen, sondern in Erde ausgepflanzt und werden natürlich auch regelmäßig gewässert?! Durch die Staunässe nimmt der Naturstamm der Mumienpflanze (Mumienpflanze = Naturstamm mit echten, durch Konservierung haltbar gemachten Blättern), Feuchtigkeit auf und beginnt zu faulen und kippt dann langsam in eine Richtung! Ist das wirklich nur Unwissenheit oder auch Gleichgültigkeit, weil Geld gar keine Rolle mehr spielt?!

Liebe Kolleginnen und Kollegen, hier ist Handlungsbedarf ohne Ende. Wer mutig und selbstbewusst, kreativ und abenteuerlustig ist, der könnte sich hier in ein paar Jahren mit der Hydrokultur eine goldene Nase verdienen, in den Hotelanlagen, Banken, Einkaufszentren, wie auch in Privathäusern. Für Dubai ist  die Hydrokultur totales Niemandsland, das könnte ein Eldorado werden?!

Dubai war einfach ein großes Abenteuer: Die Gegensätze der Einfachheit und des unendlichen Luxus', die märchenhaften Traditionen und die faszinierende Moderne. Wer glaubt, "Alice im Wunderland" sei schon ganz fantastisch, der hat Dubai noch nicht gesehen und erlebt, wir waren zu Besuch im "Übermorgen-Land"!

Oft hielten wir die Luft an und konnten nur noch staunen:

  • Junge Mädchen und Frauen, die trotz Ganzkörper-Badeanzug und helm-/turban-artiger Kopfbedeckung fröhlich im Wasser planschten und schwammen.
  • Tief verschleierte Frauen, die es beim Frühstück schafften ihren Gesichtsschleier zu lüften, von ihrem Marmeladenbrötchen abzubeißen, ohne sich dabei zu bekleckern!
  • Anstelle von Schokoladen-Osterhasen oder Überraschungs-Eiern für unsere Kinder gibt es in Dubai kleine Schokoladen-Kamele, natürlich aus Kamelmilch, in buntem Stanniolpapier.
  • Riesige Aqua-Parks mit Wasserspielen und Grünanlagen, Anpflanzungen von Palmen und anderen Bäumen.
  • Eine Schneelandschaft mit hohen Bergen und mehreren Abfahrtspisten, mitten in der Wüste!
  • Und vieles andere mehr!

"In Dubai gibt es nix, was es nicht gibt, außer einer gut funktionierenden Hydrokultur"!!!

"Aber nach jedem Arbeitstag konnten wir sehen und erleben, wie schön es ist, wenn man mit gesunden, froh blühenden Blumen und Pflanzen ein Lächeln in die Gesichter der Menschen zaubern kann"!!! So unser Eindruck und der ehrliche Dank unseres Kunden, den wir gerne mit nach Hause nahmen!

p. s. Unser Kunde in Dubai ist immer noch begeistert von seiner neuen Raumbegrünung, alle Pflanzen haben die Umtopf-Aktion gut überstanden, auch die neuen Pflanzen sind gut angewachsen und haben sich gesund weiter entwickelt. Auch die 50 Orchideen sind noch komplett im Bestand und erfreuen jeden Tag ihren Besitzer mit ihrer Blütenpracht, und das nach 12 Tagen totaler Trockenheit!!!
Der eigene Hausmeister und Gärtner scheint alles richtig zu pflegen.

Kann es eine größere Genugtuung geben oder eine bessere Reklame für die Hydrokultur?!

Anmerkung der Redaktion:
Liebe Mitglieder und Hydrokulturfreunde, wenn auch Sie eine außergewöhnliche Objektbegrünung durchgeführt und dabei besondere Erfahrungen gemacht und Kurioses erlebt haben, so schildern Sie uns doch Ihre Erlebnisse und legen bitte auch Fotos dazu. Gerne berichten wir dann in einer unserer nächsten Ausgaben von Hydrokultur intern über Ihre spezielle Raumbegrünung!

(25.10.2015)

 
 
 
 
 
 
 

Ähnliche Artikel: