Hydrokultur in Dubai - Teil I

Hydrokultur in Dubai - Teil I

© Franz-Josef Salmen
23.07.2015
Der Hydrokultur-Spezialist Franz-Josef Salmen

Im Jahre 1995 eröffneten wir, Franz- Josef und Tatjana Salmen, ein Blumenfachgeschäft in Paderborn. Da der Geschäftsstandort nahe dem Paderborner Dom gelegen war, kam die kreative Idee auf, das Geschäft nach dem dort befindlichen “Drei Hasen Fenster“, einem typischen Paderborner Symbol, zu benennen.

Zu den üblichen Sortimenten wie Schnitt-, Topf- und Seidenblumen, Kunstgewerbe und Geschenkartikel, wurde auch die Hydrokultur mit in das Sortiment aufgenommen. Es lag mir sehr am Herzen, die Vorteile der Hydrokult ur einer breiten Kundschaft näherzubringen und so wurde die Hydrokultur schnell zu einem immer größeren Geschäftsbereich ausgebaut. Da es einen starken Zuwachs bei Privat- und Geschäftskunden gab, den wir gerne vertiefen und erweitern wollten, gründeten wir im Jahre 1999 daraus einen eigenen Geschäftszweig, später auch mit einem eigenen Online-Shop:

Der Hydrokultur – Spezialist war “geboren“!

Mit den Jahren wuchs unser Kundenstamm und wir belieferten nicht nur Kunden aus Deutschland. Zahlreiche Nachbarländer, sowie Spanien, England, Italien und USA wollten beliefert werden. “Es machte einfach Spaß, welches Kopf - Kino entstand, wenn ich diese Aufträge für die Ferne bearbeitete und mir dabei vorstellte, wohin die Ware auf die Reise gehen sollte“, schwärmte Tatjana Salmen. “Viele Menschen schrieben uns oder sendeten Fotos per eMail, wenn sie Probleme und /oder Fragen zu ihren Pflanzen hatten“, ergänzte Franz - Josef Salmen. So schrieb auch eines Tages ein Doktor aus einer Dental-Klinik, der schon lange Zeit Dünger von uns bezog, “dass er sich große Sorgen um seine sonst so prächtigen Palmen mache“.
Dieser Hilferuf kam aus dem sonnigen Dubai, aus den “Vereinigten Arabischen Emiraten“.

Auf den Fotos, auf denen ich die kranken Pflanzen begutachten sollte, bemerkte ich, dass auch die Gefäße defekt und undicht sein mussten. Ich machte meinen Kunden darauf aufmerksam, auch auf die Gefahr, die durch das austretende Wasser für den ausgelegten Parkettfußboden entstand; und leider lag ich mit meiner Vermutung richtig.

Unter den großen Gefäßen hatten sich schon Wasser- und Fäulnisflecken gebildet. Vor 1 - 2 Jahren erst hat te sich der Arzt vor Ort von einer angeblichen Fachfirma exquisite Solitärgefäße mit einer Ummantelung aus getrockneten Bananenblättern mit Phoenix roebellini Tuffs in Hydrokultur anlegen lassen.

Auch andere imposante Pflanzen in edlen Gefäßen schmückten seine Klinik und die privaten Räume. Doch die Schönheit war mehr “Schein“ als “Sein“. Es war - für den Kunden bis dahin nicht ersichtlich - stümperhaft gearbeitet worden. In Dubai geben sich viele als Spezialisten aus, doch wahre Fachleute sind kaum zu finden!!!

Es wurden einige Mails hin und her geschrieben, bald folgten Telefonanrufe und so deckte ich durch Ferndiagnose immer mehr Baustellen auf. Eines Tages äußerte der Zahnarzt den Wunsch: „… am liebsten wäre es mir, Sie kämen persönlich vorbei und brächten alles in Ordnung…“!!!

Als mir /uns klar wurde, dass dies nicht nur so daher gesagt war und es dem Doktor im fernen Dubai wirklich ernst damit war, willigte ich ein: “Ja gerne, wenn Sie neben den Kosten für Arbeit und Material auch für Flug und Hotel aufkommen wollen, warum eigentlich nicht“?!

Dies war im April 2013. Wir wollten aber gerne die heiße Sommerzeit (50°C) in Dubai abwarten und im frühen Herbst die Reise antreten. Es folgten nun die genaueren Planungen.

Der weit entfernte Kunde hatte eine große Vorfreude auf die in Aussicht gestellte Hilfe und seine Wünsche vermehrten sich nun laufend. Jetzt sollten auch noch neue Pflanzen und Gefäße nach Dubai mitgebracht werden. “Wenn Sie ja dann schon mal hier sind, möchte ich noch viel mehr Palmen und schöne Pflanzen haben. Gerne auch viele verschiedene Orchideen, und dann noch neue große Edelstahlkübel etc.“, waren die Wünsche des Dental- Mediziners. Zuerst wurden die Gefäße in Form und Größe abgesprochen und geplant, diese wurden eigens für den Kunden angefertigt.

Dann wurden die Hydrokultur- Pflanzen ausgewählt, einige Einzelstücke wurden per Foto direkt aus den europäischen Gärtnereien ausgesucht.

Von einem exquisiten Orchideenzüchter aus Deutschland: Fa. Christian Wichmann in Celle, wurden spezielle, besonders großblütige Orchideen vom Kunden “direkt - per Mailkontakt“ ausgesucht und für den Versand reserviert.

Einfuhrgenehmigungen mussten in Dubai eingeholt werden, jede Pflanze wurde vor dem Versand von einem Beamten auf mögliche Krankheiten untersucht, dann erst konnte das benötigte internationale Gesundheitszeugnis ausgestellt werden.

International übliche Rechnungen in mehreren Ausführungen, Zollpapiere, Umfang und Maße der Waren in Absprache mit der Fluggesellschaft etc., dies alles kam plötzlich auf uns zu. So waren wir sehr froh, dass uns einige Schreibarbeiten von dem Kunden direkt abgenommen wurden - er kannte sich mit den komplexen Anforderungen, vor allem aber mit den arabischen Schriftzeichen ja viel besser aus als wir!

Die Vorbereitungen hatten nun ½ Jahr in Anspruch genommen bis alle Papiere (Gesundheitszeugnisse, Phyto - Zertifikate usw.) vorlagen und alle Waren und Pflanzen wie gewünscht beisammen waren. An diesem Großauftrag waren 6 Unternehmen beteiligt! Die Waren und Pflanzen wurden bei der Fa. Nieuwkoop Europe B. V. in Holland deponiert und von dort aus “flugfähig gemacht“, d.h. den Vorschriften entsprechend für den Transport verpackt.

Zwei Tage vor dem Abflug aus Amsterdam fuhr ich noch einmal zur Fa. Nieuwkoop, um mir selbst ein Bild von den fertigen Containern zu machen, das Volumen der kompletten Warenlieferung musste auf cm und m³ genau mit dem reservierten Platz im Flugzeug übereinstimmen.

So waren es am Ende 8 Euro - Paletten mit Waren und Pflanzen, die sich Anfang Oktober 2013 auf den Weg ins sonnenverwöhnte Dubai machten. Alles in allem eine große logistische Herausforderung, der noch weitere folgen sollten!!!

Wir hatten 14 Tage “Arbeits-Urlaub“ geplant, um die Arbeiten in Dubai zu erledigen und hofften auch noch auf ein paar arbeitsfreie Tage, um noch einiges von diesem faszinierenden Land zu entdecken. Ein zwar geplantes, aber großes Abenteuer stand uns bevor und viele weitere Überraschungen!!! Als wir dann endlich am 05. Oktober um 6 Uhr morgens, nach ca. 8 Stunden “Non-Stopp-Flug“ den Flieger in Dubai verließen, erwarteten uns schon über 30° C. Wumm, die Realität hatte uns eingeholt! “Das nennt sich kühle Jahreszeit in Dubai!!!“

Unsere Kinder hatten bis dahin den Flug gut überstanden, mit speziellem Kinder-Service und liebevollen Stewardessen und kleinen “Schlafpausen“ zwischendurch verging die Zeit relativ schnell. Später fuhren wir mit dem Mietwagen über die achtspurigen Autobahnen, noch 3 Stunden auf dem direkten Weg zu unserem Kunden im exklusiven “Jumeirah Beach Bezirk“.

Dort wurden wir herzlich empfangen und inspizierten erst einmal die vorhandenen Pflanzen vor Ort.

Die Zollkontrolle und die Anlieferung der Waren verzögerten sich mehrmals. Da das bei der Mentalität der Landsleute zum täglichen Leben mit dazu gehört, mussten sich alle damit abfinden und waren dann doch sehr froh, als die Ware am späten Abend endlich in Empfang genommen werden konnte. So bedeutete 10:00 Uhr morgens eben schließlich 10:00 Uhr am Abend, die typisch deutsche Pünktlichkeit ist für die Lebensweise in Dubai eine exotische, nicht existente Tugend!!!

Der Zustand der beiden LKWs, die unsere Waren und Pflanzen dann anlieferten, ließ uns nur noch staunen und das Schlimmste befürchten!!! Zwei klapprige alte Wagen, ohne Kühlung, ohne Hebebühne, das konnte doch nicht wahr sein! So mussten wir und 3 Mitarbeiter die Kisten und Kasten vorsichtig aus dem Wageninneren heraustragen, was nochmals zwei Stunden dauerte.

“Sind wir in Deutschland vielleicht ein kleines bisschen verwöhnt durch die großen und gekühlten LKWs, die auf unseren Straßen fahren“? So waren wir froh und auch erleichtert, als dieser erste Arbeitstag /-abend endlich sein Ende gefunden hatte. Unser Zahnarzt hatte uns in der Nähe ein Quartier empfohlen, damit uns die morgendliche “Rushhour“ auf den achtspurigen Autobahnen erspart blieb. Wir waren im “DoubleTree Hotel“ untergebracht, das zur Hilton-Gruppe gehört. Im Hotel wurden wir bestens versorgt und betreut, auch unsere Kinder Isabel und Hendrik fühlten sich wohl. Das reichhaltige Frühstücks- Buffet war international, allerdings gab es morgens auch schon gebratenes Fleisch und Gemüse, sowie diverse Cremes!

Vor unserer Abreise aus Deutschland hatten wir versucht uns durchs Internet über die Preise der Hotels zu informieren, dabei wurde uns regelrecht schwindelig: Ein 3* Hotel direkt in Dubai-City kostete pro Nacht im DZ zwischen 600 - 800 EUR, allerdings ohne Frühstück, ein reines Touristen - Hotel für die Menschen, bei denen Geld nur eine untergeordnete Rolle spielt. Ein arabisches Hotel für Einheimische hätte uns für 100 EUR pro Nacht im DZ übernachten lassen, dabei hätten unsere Kinder sogar bei uns im Doppelbett schlafen dürfen und wir hätten auch am Morgen noch alle ein ausgiebiges Frühstück bekommen.
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“Wohin mögen die Preise denn wohl steigen, wenn es sich um eine Übernachtung in einem 5* oder 7* Hotel handelt“?! Ein Land der krassesten Gegensätze!!!
In der Bildergalerie Hydrokultur in Dubai sind die Fotos des Teil 1 zusammengestellt;
In Hydrokultur intern 03 - 2015 folgt: Teil 2
Franz-Josef und Tatjana Salmen und Gabriele Euler

 
 
 
 
 

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