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Was kommt nach Imidacloprid?

© Helmut Müller

Schädlingsbekämpfung in der Innenraumbegrünung
von Helmut Müller/Pflanzenschutzberater LLH-Griesheim

Früher wurde der Wirkstoff Imidacloprid sehr stark bei der Innenraumbegrünung als Stäbchen in der Hydrokultur und als Spritzmittel gegen Woll-, Schmier- und Schildläuse eingesetzt. Bei mehr als zwei Behandlungen im Jahr an denselben Pflanzen bestand die Gefahr der Resistenzbildung der Schädlinge.


Seit dem 1.10.2013 besteht für die zur Wirkstoffgruppe der Neonicotinoide gehörenden Wirkstoffe Imidacloprid und Thiamethoxam ein Anwendungsverbot für den Haus und Kleingartenbereich, nicht jedoch für die Wirkstoffe Acetamiprid und Thiacloprid aus der gleichen Wirkstoffgruppe.


Für die Anwendung in Substratkulturen sind diverse Stäbchen und Granulate mit den Wirkstoffen Acetamiprid und Dimethoat am Markt. In der Nährlösung von Hydrokulturpflanzen sind als einziges Produkt nur noch die "Schädlingsfrei Careo Combi - Stäbchen" (Wirkstoff Acetamiprid) verwendbar (Angabe Fa. Scotts - Celaflor).


Bei der Pflege von Hydrokulturpflanzen kommen deshalb hauptsächlich das Spritzverfahren beziehungsweise anwendungsfertige Pumpflaschen und Spraydosen zum Einsatz. Eine Bekämpfung während der Bürozeiten sollte dabei grundsätzlich vermieden werden. Außerdem können Gerüche über die Klimaanlage im ganzen Gebäude verteilt werden. Welche Wirkstoffe bzw. Produkte stehen uns heute noch zur Verfügung?


Wirkstoffe: Die Innenraum-Begrüner haben sehr gerne mit dem Wirkstoff Imidacloprid gearbeitet, da er eine Wirkungsdauer von 12 Wochen hatte. Thiacloprid hat dagegen nur eine Wirkungsdauer von 6 - 7 Wochen. Dimethoat zeigt nur eine 2-wöchige Wirkung und hat einen starken Geruch. Es ist egal mit welchem Wirkstoff (Acetamiprid oder Thiacloprid) eine Schmier- und Schildlausbekämpfung vorgenommen wird. Für eine schnell einsetzende Wirkung muss beim Spritzverfahren nach einer Woche nachbehandelt werden, sonst setzt die Wirkung erst langsam nach einigen Wochen ein.


 Produkte: "Calypso" (Thiacloprid) ist eine Suspo- Emulsion (ölhaltig) und kann folglich nicht in der Nährlösung eingesetzt werden, es würde zum Totalschaden führen. "Careo-Konzentrat" (Acetamiprid) enthält ebenfalls ein Öl. Deshalb muss auch hier bei Zudosierung zur Nährlösung mit Pflanzenschäden gerechnet werden. Nicht die eigentlichen Wirkstoffe im "Calypso" und "Careo" bedingen die Spinnmilbenwirkung, sondern der Ölzusatz.


Acetamiprid hat die bessere Schmierlaus- und Thiacloprid die bessere Schildlauswirkung. Das "Spinnmilbenspray Plus" (Bayer) hat eine Spezial - Düse, damit die Spraydose über Kopf einsetzbar ist, um bei der Spinnmilbenbekämpfung die Blattunterseite besser treffen zu können. Das "Zierpflanzenspray Lizetan Plus" ist nur eine normale Sprühdose. In beiden Produkten ist Thiacloprid + Methiocarb (bienengefährlich) enthalten. Diese Wirkstoffkombination hat nicht nur eine gute Spinnmilbenwirkung, sondern Methiocarb hat zusätzlich noch eine gute Nebenwirkung auf Schmier- und Schildläuse. (Diese Informationen über die Wirkstoffe sind von der Firma Bayer).


Kombinationsprodukte sind außerdem wichtig bei der Vermeidung von Resistenzen. Von Compo gibt es noch diverse Spraydosen (z.B. "Compo Fazilo Spinnmilben Spray") mit den beiden Wirkstoffen Pyrethrine und Abamectin (B1).


Pyrethrine ist ein natürlicher Pyrethrum- Wirkstoff (z.B. bekannt auch im "Spruzit Schädlingsfrei") und Abamectin ist der Wirkstoff des Spinnmilbenmittels Vertimec. Bei optimaler Benetzung hat der Wirkstoff Pyrethrine auch eine Schildlauswirkung, die aber nicht anhaltend ist.


Diverse Paraffine- und Rapsöle haben eine reine Kontaktwirkung (Verträglichkeit prüfen). Kaliseifeprodukte (z.B. "Neudosan") haben in älteren Versuchen auch eine gewisse Wolllauswirkung gezeigt.


Pflegeprodukte wie Blattglanzsprays (Alkohole + Öle) haben eine gute Nebenwirkung gegen Schädlinge an Zimmerpflanzen.


Des Weiteren gibt es noch Azadirachtin - haltige Pflanzenschutzmittel (z.B. "Neem Azal T/S") mit Zimmerpflanzeneignung.


Alle diese Produkte sollten bei der Pflanzenschutzstrategie berücksichtigt werden, auch wenn ihre Wirkung nur kurz oder nicht so gut ist wie die der systemisch wirkenden Neonicotionoide. Besonders bei Hydrogefäßen, die mehrere Jahre in den Büroräumen stehen, beugt ein Wirkstoffwechsel der Resistenzgefahr vor.


Nützlinge für die Innenraumbegrünung sind hochspezifisch, die Schild-, Wolllausart muss daher genau bestimmt werden und ein weiteres Problem dürfte der recht hohe Preis sein. Das größte Hemmnis ist aber, dass der Kunde kein "Gekrabbel" und f liegende "Mückchen" im Zimmer haben will.


(25.04.15)


 


 


Update: 14.07.2015 15:32:38