Hydrokultur in Österreich

Hydrokultur in Österreich

© Petra Köck
16.07.2014

Die Geschichte der Hydrokultur in Österreich beginnt, so wie in Deutschland, in den 70ern des vorigen Jahrhunderts. Nach der Gründung und dem Aufbau des Vertriebsnetzwerks der Firma "Interhydro AG" in der Schweiz durch Gerhard Baumann, der in den 1960er Jahren das erste Hydrokultur-System für Raum- und Außenbegrünung mit der Markenbezeichnung "LUWASA®-Hydrokultur" auf den Markt brachte, ist es vor allem dem österreichischen Lizenzpartner, der Firma "Prenner Importe" aus Melk/NÖ zu verdanken, dass die Hydrokultur in Österreich eingeführt und bekannt gemacht wurde. Fritz Prenner sen. stellte in den 1960ern bei der Rosenschau in Tulln das System Hydrokultur erstmals einem breiten Publikum in Österreich vor. Seit dem Jahre 1974 wurde das System Hydrokult ur unter dem Markennamen LUWASA zu einer bekannten Marke.

Hydrokultur wurde schließlich zu einem neuen Trend bei der Zimmerpflanzenkultivierung. Der Absatz stieg kontinuierlich, sogar Produktionsbetriebe für Hydrokultur-Pflanzen spezialisierten sich, da sind vor allem die Firmen "Happy Plant" in Kärnten, "Fekete" im Burgenland und "Schmeikal" in Salzburg zu nennen. Ein großes Thema der damaligen Zeit war, ob bei der Pflanzenproduktion einfach Erdpflanzen ausgewaschen werden dürfen, oder ob eine richtige Hydrokulturpflanze bereits von klein auf in Blähton gezogen sein muss. Ein Thema, das uns bis zum heutigen Tage beschäftigt.

Der Hydrokultur war es auch zu verdanken, dass Pflanzen immer stärker auch ein Thema im Büro - und Arbeitsbereich wurden. Bürobegrünung und deren Pf lege war für viele Betriebe ein neues lukratives Standbein geworden.

Über Jahre hinweg war die Hydrokultur ein stark expandierender Markt. Bis zu dem Zeitpunkt, als die großen Baumarktketten sich dem Produkt annahmen und es zu einer Massenware degradierten. Pflanzen sind Lebewesen, pf lege- und beratungsintensiv, das mussten auch die Baumärkte feststellen. Bald verschwand der Umsatzbringer aus den Regalen, das Ansehen der Hydrokultur verblasste. Nicht allein die unsachgemäße Vermarkt ung, sondern auch fehlende Werbearbeit für das Produkt "Hydrokultur" führte schließlich dazu, dass der Umsatz allgemein sehr zurückging. Mit der Einführung des neuen Substrates "Seramis" befürchteten viele schon den kompletten Niedergang dieser Kulturmethode. Nach einigen Jahren der Koexistenz ist die Hydrokultur aber noch immer ein fester Bestandteil der professionellen Büro- und Objektbegrünung. Der Privatmarkt ist aber nur mehr peripher vorhanden. Eine große Konkurrenz in diesem Bereich stellt in neuerer Zeit das "Lechuza - Erdsystem" und Mischkulturen mit speziellen mineralischen Substraten dar. Man wird in der Zukunft sehen, ob sich das über lange Jahre so erfolgreiche System Hydrokult ur auch gegen diese Systeme behaupten kann.

Gründung der Fachgruppe Hydrokultur 1981
In der Holzhalle in Tulln/NÖ war der erste öffentliche, gemeinsame Auftritt der "Hydranten", so die etwas scherzhafte Bezeichnung der eingefleischten Gärtner für die neuen Hydrokultur- Spezialisten, die vorerst mit der neuen Kulturmethode nicht viel anfangen konnten und daher dem System Hydrokultur sehr skeptisch gegenüber standen!

Die Fachgruppe und ihre Betriebe präsentierten sich auch noch auf vielen weiteren Publikumsmessen um die Hydrokultur bekannt zu machen. Fachvorträge über Hydrokultur, Verkauf von Hydrokultur im Endverkaufsbetrieb bzw. Blumenfachgeschäft, Pflegekalkulation und Marketing wurden organisiert.

Die Marke "Qualifizierter Hydrofachbetrieb" wurde eingeführt und die Mitgliedsbetriebe mit Marketingunterlagen ausgestattet. Es war der Fachgruppe stets ein Anliegen die Qualität und den Fachverstand der Mitglieder nach außen zu vermitteln. Die "Fachgruppe Hydrokult ur" war eine der ersten "Grünleute" aus Österreich die auf die IPM in Essen fuhren. Die Fachgruppe war auch beim ersten "Innenraum- Begrünungskongress" in Essen mit dabei.

Die ganze Welt war anwesend und mittendrin, auch die kleine österreichische Delegation, alle waren begeistert von der Aufbruchsstimmung. Workshops, mit deutschen Kollegen, wie dem begnadeten Gestalter Willi Höfer, verhalfen zu neuen Gestaltungsideen in der Hydrokultur.

Kontinuierliche Besuche bei den Hauptversammlungen der "Deutschen Hydrogruppe" vertiefte die Zusammenarbeit mit den deutschen Kollegen. Seminare in Weihenstephan und Grünberg wurden und werden regelmäßig von Vorstandsmitgliedern besucht, um sich stets auf dem Laufenden im Bereich der Forschung zu halten.

In den 90ern wurde die "Nasa -Studie" über die Gesundheitswirkung von Pflanzen in Innenräumen bekannt und brachte wieder einen frischen Wind in die Hydrokultur. Es wurde in Zusammenarbeit mit dem "Bundesministerium für Gesundheit und Frauen" und dem "Bundesverband der Österreichischen Gärtner" eine Enquete "Gesund leben mit Pflanzen" abgehalten.

2003 wurde in Anlehnung an die FLLRegeln in Deutschland ein Regelwerk für den Bereich Innenraumbegrünung, die ONR 121132 Qualitätssicherung im Grünraum, Begrünung im Innenraum, erarbeitet.

2004 kam es zu einer Namensänderung in der "Bundesfachsektion Innenraumbegrünung und Hydrokulturen". Die Namensänderung war notwendig geworden, da sich der Fachname "Innenraumbegrünung" immer stärker zu etablieren begann und wir als Fachgruppe für alle Gärtner, die im Innenraum arbeiten eine Plattform bieten wollten.

Zertifizierte Raumbegrüner
Um geschulte Fachkräfte auszubilden, die den Qualitätsanforderungen der ONR 121132 gewachsen waren, bedurfte es auch einer qualifizierten Ausbildung. In dem Bildungszentrum Langenlois wurden mehrere Lehrgänge zum "Zertifizierten Innenraumbegrüner" abgehalten. Die Ausbildung wird derzeit überarbeitet und 2015 wieder angeboten.

Unser Produkt, die Innenraumbegrünung, befindet sich in ständiger Weiterentwicklung.

Um dem Rechnung zu tragen, ist es der "Bundesfachsektion Innenraumbegrünung und Hydrokultur Österreich" ein Anliegen alle Mitglieder über neueste Entwicklungen zu informieren und Tools zur Vereinfachung der Arbeit anzubieten.

Zur ON-Regel ist ein Leistungsverzeichnis für Innenraumbegrüner ausgearbeitet worden, das in Kürze erscheinen wird. Das soll besonders Architekten und Bauherren helfen mit unseren Mitgliedsbetrieben zu einer nachhaltigen Begrünung zu kommen!

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