Erweiterung des Hydrokultursystems als HC Hydrokultur - Deutsche Gesellschaft für Hydrokultur e.V.

Erweiterung des Hydrokultursystems als HC Hydrokultur

© Horst Claussen Wannensystem zum Erdeinbau

Im Rahmen der professionellen Innenraumbegrünung hat sich die Hydrokultur in den letzten Jahren / Jahrzehnten nahezu alternativlos durchgesetzt. Fraglich ist, ob man die Vorteile der Hydrokultur nicht auch in traditionell noch von der Erdkultur dominierten Bereichen nutzen kann und sollte. Ein möglicher Einsatzbereich wäre die Friedhofsgärtnerei oder ein Einsatz zur Bewirtschaftung von Gemüse-, Kräuter oder Hochbeeten im privaten Garten, sowie auf Balkonen oder Terrassen. In diesem Zusammenhang scheint insbesondere der Einsatz auf Dachgärten und für die  "Urban gardening " Bewegung (siehe "Perspektive Stadt "), interessant zu sein.
Zur Realisierung wird hierzu von Horst Claussen, Kreisgärtnermeister und Florist aus Bad Nauheim, ein flexibles Wannensystem vorgestellt, das in eine bestehende Erdkultur integriert wird.
Dazu wird in der Erdkultur im oberen Bereich eine Mulde ausgehoben und mit einer Wanne aus Polyester, bei Grabstätten 30 cm tief, ausgelegt. In anderen Bereichen je nach Verwendung, z. B. mit Gehölzen, auch tiefer. Die Wanne muss leicht, formbar, verrottungsfest, wasserdicht, säurefest und UV-stabil sein. Anschließend wird die Wanne mit anorganischem Substrat aufgefüllt.

Dabei ist es von Vorteil, das Substrat als Mehrschichtsystem auszulegen: Auf eine erste Drainageschicht, ca.1/ 3 der Wannentiefe, z.B. aus Blähton, folgt ein Trennvlies, alternativ eine Lochfolie, gefolgt von mineralischem Substrat, wie z.B. Ceostrat oder Vulkanit.


Des Weiteren sollten ein Füllrohr als Düngerohr, ein Wasserstandsanzeiger, eine Absaugmulde und ein Überlauf vorgesehen werden. Das Füllrohr stellt einen Zugang zur Blähtonschicht dar und ist vorzugsweise seitlich der Wanne, also im gut erreichbaren Teil des Beetes einzubringen.
Der Wasserstandsanzeiger sollte bis auf den Boden der Wanne, also auch durch das Trennvlies reichen und aus Praktikabilitätsgründen so eingebracht werden, dass er abgelesen werden kann, ohne die Wanne zu betreten. Die Absaugmulde ist erforderlich, wenn f lachsaugende Pumpen eingesetzt werden sollen. Der Überlauf dient dazu überschüssiges Regenwasser abzuführen und sollte so beschaffen sein, dass er auf gar keinen Fall verstopfen kann. Bei geringerer Wannenhöhe, kann der Überlauf sogar entfallen, da Staunässe von alleine abläuft.

Zur Nährstoffversorgung muss ein entsprechender Dünger in das System eingebracht werden. Grundsätzlich kann jeder Hydrokulturdünger, bevorzugt Ionenaustauschdünger, zum Einsatz kommen, wobei Langzeitdünger den Pflegeaufwand erheblich reduzieren.


Ein derartiges Wannensystem hat Horst Claussen versuchsweise erfolgreich auf dem Doppelgrab seiner Eltern auf dem Waldfriedhof Frankfurt / Main - Goldstein im Mai 2011 eingebaut und kann dort besichtigt werden.


Zwei strenge Winter und das nass-kalte Frühjahr 2013 waren ohne negative Folgen, so dass die Vorteile der Wannenkultur voll zum Tragen kamen. Der Pflegeaufwand ging gegen Null, da insbesondere die regelmäßigen Wassergaben in größeren Abständen erfolgen können und Regenwasser mitgenutzt werden kann. Zudem wachsen Wildkräuter auf dem anorganischen Substrat seltener. Hingegen bestehen bei der Auswahl der Pflanzen keinerlei Einschränkungen. Alle Erd- und Hydrokulturpflanzen können eingesetzt werden.
 
Über die optischen Vorteile kann sich im Folgenden jeder selbst ein Bild machen.
Bild 1 zeigt die mit der ersatzweisen Schwimmbadfolie ausgelegte Wanne, die bereits halb mit dem Blähton gefüllt ist.
In der fertigen Wanne wurde eine Lochfolie anstatt des Trennvlieses verwendet, die Deckschicht besteht aus Ceostrat, siehe Bild 2, der Wasserstandsanzeiger ist gut abzulesen, siehe Bild 3.


Bei der Bepflanzung sind der eigenen Fantasie keine Grenzen gesetzt: Hier wurden Fagus sylvatica, Asplenium nidus, Ageratum houstonianum, Euonymus fortunei ‘Minimus’ und diverse Stauden eingepflanzt, siehe Bild 5 und 6.

 

(03.08.2013)

Update: 2013-08-07 17:50:34