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Himmelnah

© DGS - Die Grüne Stadt

Stadtgärten als Dachgärten

Das zweite Gründach-Forum des Deutschen Dachgärtner Verbandes auf der Insel Mainau lieferte Ende Oktober 2012 jede Menge verrückter, aber auch bodenständiger Ideen, wie man mitten in der Stadt mit dem Grün aufs Dach steigt. Vier Garten- und Landschaftsbauunternehmer brachten in einer Expertendiskussion ihre persönlichen Erfahrungen zum Thema Dachgarten ein, die von den über 80 anwesenden Architekten, Landschaftsarchitekten und Landschaftsgärtnern interessiert verfolgt wurden.


Stadtentwicklung
Schon heute leben in Europa weit mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Städten und der Trend zeigt eindeutig, dass dieser Anteil in Zukunft weiter steigen wird, berichtete Peter Menke von der Stiftung DIE GRÜNE STADT. "Wir werden älter, weniger, bunter, aber auch grüner, denn die Umweltbilanz von Städten kann sich sehen lassen", folgerte Menke aus verschiedenen Studien. Dennoch brauchen die Städte neue Ideen, um ihren Bewohnern ein lebenswertes Umfeld zu schaffen. Neben öffentlichen und institutionellen Grünanlagen zählen hier auch die privaten Gärten sowie bepflanzte Dachflächen. "Leider sind die Entscheidungszyklen bei der Neuplanung oder Erweiterung öffentlicher Grünanlagen oftmals sehr lang, hinzu kommt die personelle Ausdünnung in den Grünflächenämtern, was wiederum erhebliche Kommunikationsdefizite nach sich ziehen kann", erläuterte Menke die aktuelle Situation in Deutschland. Grüne Freiflächen würden für ein angenehmes Stadtklima aber dringend benötigt – nur Grünflächen sorgen für eine angenehme Luftfeuchtigkeit und Temperaturausgleich in den hoch versiegelten Innenstädten. Den größten Nutzen sieht Menke darin, alle möglichen und machbaren Arten von Grün in der Stadt als System zu betrachten und zu fördern. Hierzu zählten neben der Erhaltung und dem Ausbau öffentlicher Grünflächen auch die intensivere Nutzung privater Dachflächen als Gärten. Deutliche Signale kämen auch aus der neuen Gartenbewegung: Urban Gardening, Guerilla Gardening, interkulturelle Gärten … Bürger engagierten sich jenseits des eigenen Gartenzauns, um das Grün in den Städten voran zu bringen. Förderlich sei der Schulterschluss zwischen Städteplanern, Medizinern, Politikern, Gärtnern und anderen. "Lokale Botschafter, regionale aber auch internationale Vernetzung sowie eine gute wissenschaftliche Fundierung der Grüne-Stadt-Politik tragen dazu bei, dass die Zukunft der Stadt grün wird", so Menke.

Innovative Ideen
Vor dem Hintergrund der Veröffentlichung des neuen Handbuches zur Dachgartengestaltung „Moderne Dachgärten“ stellte DDV-Geschäftsführer und Co-Autor Wolfgang Ansel einige beispielhafte Projekte aus Berlin, Stuttgart und München vor, die den anwesenden Architekten Mut für eigene Entwürfe machen sollten. So entstanden auf dem Dach eines alten Gasometers in Berlin tortenstückförmige Eigentumswohnungen mit dazugehörigen Dachgärten. Mitten in München verwirklichte eine Familie ein grün-innovatives Bauprojekt. Das alte Satteldach eines ehemaligen Mietshauses wurde durch ein weiteres Geschoss mit Flachdach ersetzt und mit einer Blumenwiese bepflanzt. Ein Garten auf dem Dach steigerte nicht nur den Wert einer Stadtimmobilie, sondern er sei auch gleichzeitig ein Kostensparmodell. Schließlich sei der Grund und Boden für das private Gartenglück ja bereits bezahlt, so dass sich die hohen Grundstückspreise in vielen Städten in der Gesamtkalkulation für die Gartenerstellung nicht auswirken.

Urban Gardening
Dieter Schenk, Geschäftsführer der ZinCo GmbH, stellte den Trend des Urban Gardening mit eindrucksvollen Bildern z.B. von der Rooftop Farm in New York vor, die neben verschiedenen Gemüsen legefrische Eier und Honig direkt auf den Dächern produzieren. Ein Projekt ZFarm in Berlin beschäftigt sich damit, wie städtische Landwirtschaft auf dem Dach, in Glashäusern, aber auch an der Fassade oder in sogenannten Indoor-Farmen funktionieren könnte. Wissenschaftler verschiedener Disziplinen arbeiten hier gemeinsam mit Praktikern an der Zukunft der städtischen Landwirtschaft in Berlin. Auch für den privaten Anbau sei es verlockend, frisches Obst und Gemüse auf dem Dachgarten zu kultivieren. ZinCo bietet hierfür einen entsprechenden Systemaufbau an, der sich ab 20 Zentimeter Substratschicht bereits für Salat, Zwiebeln, Zucchini, Erdbeeren und Kräuter eignet. Eine dickere Substratschicht bis 40 Zentimeter lässt sogar Tomaten, Bohnen, Himbeeren, Brombeeren und noch viel mehr gedeihen.

Biodiversität und mehr
Dr. Kerstin Fröhle, Projektmanagerin Wirtschaft und Biodiversität der Bodensee-Stiftung, berichtete über das Projekt "Unternehmen und biologische Vielfalt am Bodensee". Ziel dieses Projektes sei es, Unternehmen für den Wert der biologischen Vielfalt zu sensibilisieren und ihnen praktische Unterstützung zur Umsetzung anzubieten. Hierbei würden laut Fröhle sowohl öffentliche als auch private Unternehmen angesprochen. Als naturnah gelten unter anderem Gründächer und -fassaden, entsiegelte Flächen, naturnah gestaltete Feuchtgebiete sowie Hecken aus einheimischen Pflanzen. Es gebe aber auch gute wirtschaftliche Argumente für mehr Grün am Haus: "Gründächer und Grünflächen können an heißen Tagen den Energiebedarf für die Kühlung eines Gebäudes um bis zu 75 Prozent senken", rechnet Fröhle vor. Dagegen wird schwarzer Asphalt im Sommer "gefühlt" noch heißer. Grün reduziert dagegen ganz eindeutig den Wärmeinseleffekt. Viele gute Gründe, der Umwelt und seinem Unternehmen etwas Gutes zu tun: Bodensee-Stiftung.

Gründach-Kongress 2013
Reimer Meier, Präsident des DDV und langjähriger Landschaftsbau-Unternehmer, lud zum Abschluss die Branche zum dritten Internationalen Gründach-Kongress nach Hamburg ein. Anlässlich der 2013 in Wilhelmsburg parallel stattfindenden Internationale Bauausstellung (IBA) und Internationale Gartenschau (IGS), wird der DDV dort vom 13. bis 15. Mai 2013 hochkarätige Fachvorträge von Experten aus aller Welt bieten. Die IBA und IGA sind durch Exkursionen in das Kongressprogramm eingebunden. Weitere Informationen hierzu gibt es unter: Green Roff World


(13.12.2012)

Update: 17.07.2018 13:46:14