Crassula ovata (Mill.) Druce

InFarming — Ein Hausdach wird zum Gemüsebeet der Zukunft

Auf dem Dach des Lokdepots im Dreispitz sollen bald Fisch und Gemüse für rund hundert Leute produziert werden. Es handelt sich um ein europaweites Pilotprojekt. Ähnliches gibt es bisher erst in den USA, Kuba oder Asien.

Gemüse wird auf dem Land produziert und Fische holt man sich im Meer und in Flüssen – so ist das heute. In Zukunft wird aber das Land auf dem Land knapp und die Meere sind überfischt. Was dann? Eine mögliche Lösung heißt «Urban Farming». Dabei handelt es sich um ein Spin – off - Unternehmen der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Wädenswil.
Dabei soll mitten in der Stadt Gemüse – und Fisch – produziert werden. In Basel hat man hierfür das Dach des Lokdepots im Dreispitz auserkoren. Auf 260 Quadratmetern entsteht hier gemäß den Plänen ein Gemüse – Fisch - Gewächshaus. Als «europaweites Pilotprojekt» kündigt der Geschäftsführer von Urban Farmers AG, Roman Gaus, die Anlage an.

Fischkot düngt die Pflanzen
Das Prinzip dieser «Stadtfarm» ist erstaunlich. Die Methode basiert auf einer Symbiose von Fischen und Pflanzen: Unten schwimmen die Fische in einem Behälter mit 18 Kubikmetern Wasser, und im oberen Teil wachsen die Pflanzen in einer Art Hydrokultur. Zur Bewässerung wird das Wasser aus dem Fischteich verwendet; die darin befindlichen Ausscheidungen der Fische wirken dabei als Dünger. Und weil die Pflanzen diese Nährstoffe herausfiltern, wird das Wasser gleich gereinigt und kann weiterverwendet werden. Es braucht also weder Dünger, noch Spritzmittel, noch Antibiotika. Aquaponic heißt dieses Konzept, und es wird seit zwei Jahren in kleinerem Rahmen bereits in Zürich oder Berlin angewendet.

Geplant ist, dass im Basler Dreispitz pro Jahr fünf Tonnen Gemüse und 800 Kilo Fisch produziert werden können. «Damit werden etwa hundert Leute versorgt», sagt Gaus. Die Produkte können vor Ort gekauft werden; wer will, kann sich den Fisch gleich im Wasser aussuchen. Für den Gemüseanbau geeignet sind vor allem Tomaten, Gurken, Peperoni, Salate und Kräuter.

Das Investitionsvolumen beträgt 1,2 Millionen Franken. Die Christoph – Merian - Stiftung und der Kanton Basel - Stadt unterstützen das Projekt mit 250.000 Franken. «Die Finanzierung ist noch nicht vollständig gesichert, aber wir sind in Gesprächen», erklärt Gaus. Auch das Baugesuch werde in den nächsten Tagen in Liestal –, weil das Gebäude auf Münchensteiner Boden liegt – eingereicht.
Losgelegt werden soll bereits in diesem Juni. Für den Betrieb ist vorläufig die Urban Farmers AG verantwortlich; getragen wird das Projekt vom Non – Profit - Verein Urban Farmers Dreispitz. Die Idee ist, solche Projekte mittelfristig in die Hände der Anwohner zu übergeben. Der Aufwand für die Pflege der Anlage halte sich in Grenzen, so Gaus.

Gemüse auf dem Dach ernten
Mit den «Urban Farms» verfolgen die Erfinder und Betreiber durchaus hohe Ziele: «Die Produktion von Nahrungsmitteln auf Hausdächern hat Zukunft», sagt Gaus. «Denn irgendwann wird der landwirtschaftliche Boden und der Fischbestand knapp.» Dann müssten Alternativen her. «Unser Ziel ist es, hier ein Modell für die Zukunft der Gesellschaft aufzuzeigen.»

Das Basler Projekt ist zugleich Testanlage und Demonstrationsobjekt für weitere Interessenten. Im geschützten Bereich der Fachhochschule hat sich bereits gezeigt, dass das Prinzip funktioniert. Das geerntete Gemüse haben die Forscher bisher selbst gegessen. «Nun geht es darum, die Anlage vom Labor ins Feld hinauszutragen», sagt Gaus. Oder sogar: auf das Dach des Lokdepots.

(28.03.2012)

Update: 01.01.2013 17:42:42