Yucca guatemalensis Baker

Wundersame Osterzeit

© IZB

Ostern ohne Blumen ist wie Schach mit Würfeln

Ostern gilt neben Weihnachten und Pfingsten als das älteste und höchste Fest der Christenheit. Vielleicht konnten sich gerade deshalb so landestypische und regional unterschiedliche Sitten und Gebräuche herausbilden, die mitunter skurrile Züge rund um Ei und Hasen annehmen.

So käme der Italiener beispielsweise nie auf die Idee, im Garten Eier zu suchen. Und auch mit einem Osterhasen ist in Italien leider kein Staat zu machen. Stattdessen übertrumpfen sich die Geschäfte beim Verkauf riesiger Schokoladen-Ostereier in knallbunten Glanzfolien, die von Jahr zu Jahr gigantischer werden und mit allerlei süßen Überraschungen gefüllt sind.

In den USA wird Ostern mit so genannten „Easter Parades" gefeiert. Dabei verkleiden sich die Amerikaner als Osterhasen, ziehen mit blumengeschmückten Festwagen über die Straßen und tragen fantasievolle Osterhüte. Traditionell ist auch das Weiße Haus in das Brauchtum involviert. Dort findet seit über 100 Jahren das „White House Easter Egg Roll" statt. Eine witzige Sitte, bei der ein abseitiges Gartenstück zur Spielwiese umfunktioniert wird, auf der Dutzende von Eiern mit Löffeln hinuntergerollt werden. Jeder Teilnehmer erhält als Dankeschön ein vom Präsidenten und der First Lady signiertes Holzei.
Down Under, in Australien, hat Meister Lampe einen wirklich miesen Ruf. Den hat er den Kaninchen zu verdanken, die es dort ursprünglich nicht gab. Erst vor rund 150 Jahren setzten europäische Siedler einige Tiere aus. Da sie kaum auf natürliche Feinde trafen, vermehrten sie sich wie die Karnickel und fraßen alles kahl, so dass einheimische Tierarten verdrängt wurden. In Gefahr geraten ist zum Beispiel auch der Bilby, ein so genannter Nasenbeutler. Der Bilby sieht mit seinem weichen Fell und den langen Löffeln dem Bunny auch noch ähnlich. Ein prima Ersatz-Osterhase, dachten sich die Australier. Und so macht der Bilby seit einigen Jahren Karriere und hat in den Geschäften als Schoko-Nasenbeutler seine Hasen-Konkurrenz schon ausgestochen.


In Bulgarien übrigens werden die Ostereier nicht versteckt, sondern man bewirft sich gegenseitig damit. Derjenige, dessen Ei nicht zerbricht, ist der Sieger und soll das erfolgreichste Familienmitglied des kommenden Jahres werden. Eine weitere Spielart ist es, vor dem Ostermahl die Eier gegeneinander zu schlagen oder die Eier nach der Mitternachtsmesse an der Kirchenwand aufzuschlagen.
So weit, so anders, so komisch. Da geht's doch hier noch gemäßigt zu. In Deutschland verstecken die Osterhasen die Ostereier, die die Kinder suchen, während sich die Erwachsenen hauptsächlich mit dem Verzehr derselben beschäftigen. Und dabei spielt es keine Rolle, ob die Eier gefärbt, bemalt, gefüllt, aus Schokolade, Marzipan oder aus Zuckerguss sind.

Ein weiterer Brauch ist, dass in Deutschland die Wohnungen zum Osterfest mit frischen Blumen und Zweigen geschmückt werden. Zu Osterzeit kommen die Frühlingsblüher erntefrisch auf den Tisch: knackige Tulpen, sonnengelbe Forsythien, erste zartrosa Kirschblüten, strahlendgelbe Osterglocken, offenherzige Anemonen, duftende Hyazinthen oder üppig runde Ranunkeln - auf Blumen als Zeichen des Neubeginns möchte hier niemand verzichten. Kurzerhand hängen wir Eier, Hasen und Küken in üppige Ostersträuße oder wir füllen riesige Straußeneier mit Ministräußchen oder wir kreieren Osternester aus Moos, Zwiebelblumen und ausgeblasenen Eiern. In Deutschland ist Ostern ohne Blumen ist wie Schach mit Würfeln - komplett undenkbar.


*Übrigens: Der Satiriker und Moderator Jan Böhmermann ist Urheber des Spruchs "Fußball ist wie Schach - nur ohne Würfel!", der u.a. von Spiegel Online und dem Kicker fälschlicherweise Lukas Podolski zugeschrieben wurde und zur Überschrift dieses Artikels inspiriert hat.

p.s.
Tulpen, Narzissen und Co. sorgen mit frischem Grün und leuchtenden Farben für beste Frühlingslaune und geben einen Vorgeschmack auf kommende wärmere Sonnentage. Doch wer von allem etwas, d.h. Tulpen und Narzissen bunt gemischt, in eine Vase arrangiert, wird schnell feststellen, das die Tulpen, gerade noch quicklebendig, schon nach kurzer Zeit ihre Köpfe hängen lassen. Schuld sind die Narzissen, dass heißt eigentlich ihr Saft.

Narzissen sondern aus ihrem Stiel ein Pflanzensekret ab, welches die Leitungsbahnen in den Stängeln der anderen Blumen verstopft, so dass diese kein Wasser mehr aufnehmen können und welken. Besonders den durstigen Tulpen ist dies schnell anzumerken. Wer sich trotzdem nicht für separate Vasen entscheiden kann, der sollte seine Narzissen für 24 Stunden in Wasser stellen, bis kein unverträglicher Pflanzensaft mehr austritt. Danach die Stiele abwaschen, auf keinen Fall mehr anschneiden und dann erst in die Vase zu den Tulpen stellen. (IBZ – Internationales Blumezwiebel-Zentrum)


(25.03.2011)
Update: 20.10.2011 00:00:00