Plant Planet - Firmenportrait - Deutsche Gesellschaft für Hydrokultur e.V.

Plant Planet - Firmenportrait

© Jochen Euler André Dekker

Unsere Reise im Mai 2009 zu Nieuwkoop Europe B.V., hat uns noch zu einem Spezialitäten – Gärtner in Maasdijk geführt. André Dekker - Plant Planet haben wir vor Jahren auf der IPM kennengelernt, von unserem Stand aus blicken wir direkt auf diesen Raritäten- Gärtner. „Nur einen sehr kleinen Teil der Pflanzen in der Natur finden wir in der gärtnerischen Kultur wieder. An meistens unerwarteten Orten finden wir eine bizarre Welt der Pf lanzen, die sich vollständig an die spezifischen Gegebenheiten vor Ort angepasst hat; unbemerkt von den meisten Menschen, während sie manchmal buchstäblich mitten unter ihnen wächst, blüht und gedeiht.
Plant Planet will abseits der ausgetretenen Pfade agieren, wir wollen diese Pflanzen in die Aufmerksamkeit einer breiteren Öffentlichkeit bringen, um das Wissen und das Interesse an der Natur zu erhöhen. Plant Planet arbeitet zusammen mit der IUCN World Conservation Organisation und verschiedenen botanischen Gärten, auch Kew Gardens in London.
Einige dieser Pflanzen befinden sich auf der roten Liste der bedrohten Pflanzenarten.

Aus dem Erlös dieser gärtnerisch kultivierten Pflanzen fließt ein Teil der IUCN zu, um diese bedrohten Sorten zu retten und um weitere Programme zu unterstützen und zu finanzieren. Dieses Ziel, dem sich Plant Planet verpflichtet fühlt, ist selten lustig, sondern eher dramatisch einzuschätzen. All diese Pflanzen unserer gärtnerischen Kultur haben etwas ganz Besonderes und sind einzigartig in ihrer Erscheinung.“ So stellt sich Andrè Dekker mit seiner Gärtnerei Plant Planet auf der Homepage vor. Entsprechend gespannt waren wir, als wir nach einigem Suchen endlich vor den Gewächshäusern ankamen. Südholland, die Region um Maasdijk, so sagte Andrè Dekker später, ist mittlerweile die größte Topfpflanzenkultur- Region in den Niederlanden.

Nordholland, mit dem Zentrum Aalsmeer, ist für alle Blumenfreunde gleichzusetzen mit Blumenversteigerung und
repräsentiert heute die Schnittblumenproduktion.
Für uns war es schon recht spannend zu erleben, wenn man ca. ½ h mit dem Auto durch eine Landschaft fährt und praktisch nur noch Gewächshäuser sieht. Diese Region wird im Volksmund die gläserne Stadt genannt.

Und durch dieses Gewächshaus - Gewirr mussten wir nun den richtigen Weg finden und waren selber erstaunt, dass es doch noch fast pünktlich geklappt hatte.

Was uns dann erwartete, übertraf vollkommen unsere Vorstellungen. Die Fotos sprechen für sich!
Wir fanden hier genau den ersten Absatz von der Internet-Startseite verwirklicht: „An meistens unerwarteten Orten finden wir eine bizarre Welt der Pflanzen, … während sie manchmal buchstäblich mitten unter ihnen wächst, blüht und gedeiht.“


Und genau so haben wir es hier, allerdings alles “unter Glas“, buchstäblich mitten unter uns wachsen, blühen und gedeihen sehen!
Für uns Pflanzenliebhaber kommt dann schnell die Frage auf: rechnet sich das auch energetisch und André Dekker erklärte uns, dass er schon seit Jahren mit Nachbarn eine Wärme - Kraft - Koppelungsanlage installiert hätte; er nutze die (Ab-) Wärme und der Nachbar den elektrischen Strom. Die eigene Heizzentrale wird nur noch als Notaggregat benutzt und war z.B. 2008/2009 2h in Betrieb. Interessanter Weise wird in der Regel diese Notversorgung mit Öl realisiert, denn der permanente Erdgasanschluss würde auch kontinuierlich Grundgebühr kosten. Im großen Stil produziert werden zur Zeit:

Die “Hawaii-Palme“ - Brighamia insignis, Glockenblumengewächs (Campanulaceae), den “Christusdorn“, Euphorbia milii ‘Pink Floyd’ und der “Bogenhanf“ - Sansevieria kirkii ‘Friend’ (Ruscaceae); Diese Pflanzen, vorgestellt auf den Internationalen Pflanzen-Messen 2008 und 2009, kultivieren wir natürlich seitdem in Hydrokultur. habe ich auch schon in den Garten - Centern des Ruhrgebiets gesehen.

Für die "Hawaii-Palme haben wir eine eine eigene Fotoserie zusammen gestellt.

Andrè Dekker hat bis 2007 / 2008 nicht selber produziert, aber schon auf der IPM 2009 erzählte er uns, dass die Schwierigkeiten mit der Fremdproduktion ihn veranlasst hätten, selber den Schritt in die eigene Produktion zu starten und so ist der Betrieb in 2676 BP Maasdijk, Oranjeveld 5, entstanden. Plant Planet vermarktet fast komplett direkt. Ein kleiner historischer Abriss soll diesen Überblick über ein äußerst kreatives Unternehmen abrunden:
„ Plant Planet hat in 2004 mit der Züchtung von Raritäten begonnen. Etwa 100 besondere Pflanzenarten hatten wir in unseren Gewächshäusern und die Jungpflanzen oder Samen an interessierte Gärtner in Lizenz vergeben.

Da der Umgang mit solchen Raritäten so abweichend von allen marktgängigen Erfahrungen war, ist die Entwicklung dann doch sehr langsam verlaufen. Von den meisten Arten war überhaupt nichts bekannt, Temperatur, Wasser, Bodenbedingungen, Düngung etc.; aber auch der Handel reagiert in solchen Situationen sehr zurückhaltend. 2006 haben wir dann wieder alle Lizenzen zurückgenommen und in einem kleinen Gewächshaus von 7.000 m2 angefangen, unsere Sorten wieder selbst zu kultivieren. Der Handel reagierte aber immer noch sehr verhalten auf die unbekannten Sorten. Erst als wir dann selber damit begonnen haben, in ganz Europa auf Messen unsere Waren anzubieten und Werbung dafür zu machen, schien sich das Blatt zu wenden. Auf jeder Messe und auch auf Märkten, wo wir uns vorgestellt haben, gab es viele Leute, die sich sehr für unsere Produkte interessierten.
In diesem Jahr haben wir von unserer Produktion etwa 60% selbst verkauft.


Auf der IPM in 2007 haben wir mit der “Hawaii - Palme“ als beste Neuheit einen Preis gewonnen und der Deutsche Markt hat die Brighamia insignis voll angenommen. Wir haben dann ein neues Gewächshaus von 5.000 m2 dazu gemietet und auch damit begonnen, die anderen Pflanzen selber zu kultivieren. Schnell war auch dieses Gewächshaus wieder zu klein und Mitte 2008 kauften wir in Maasdijk ein Gewächshaus von 20.000 m2 , voll automatisiert. Ende 2008, Anfang 2009 haben auch wir die Folgen der Wirtschaftskrise zu spüren bekommen. Das Wachstum hat sich wesentlich verlangsamt und so führten uns strategische Überlegungen zu der Entscheidung , nur absolute Spitzenqualität zu produzieren und unseren Betrieb voll biologisch einzurichten. Wir haben große Investitionen getätigt, um die Qualität zu verbessern, was dazu geführt hat, dass wir jetzt das ganze Jahr über blühende “Hawaii - Palmen“ liefern können. So haben wir den Verkauf wieder stabilisiert.

Es ist sehr schwierig unser heutiges Gewächshaus für den 100 %igen biologischen Anbau einzurichten, aber inzwischen haben wir die höchsten Zertifikate von MPS und MPS - Florimark bekommen. Wir dürfen nun unsere Produkte unter dem Label “Fair Flowers Fair Plants (FFP)“ liefern. Zur Zeit haben wir jetzt 5 Produkte auf dem Markt, die “Hawaii- Palme“, Euphorbia milii ‘Pink Floyd’, eine neue Sorte mit ganz großen Blüten, Sansevieria ‘Friends’, die sehr gut geeignet ist für Raumbegrünung, Calathea musaica ‘Network’, eine neue Calathea mit einem mosaikartigen Blatt, auch sehr geeignet für Raumbegrünung, weil das Blatt sehr stark ist, und die Dichorisandra thyrsiflora ‘Blue Ginger’, eine der wenigen Topfpflanzen mit einer blauen Blüte.“

Durch diese Umstrukturierung und den Umzug an den neuen Standort, wurde erst im Mai diesen Jahres mit der Produktion begonnen. So erzählte er, dass die Sanseviria nur durch Stecklinge, die “Hawaii-Palme“ nur durch Samen vermehrt wird. Bei der “Hawaii- Palme“ wird zweimal im Jahr der Samen geerntet. Die Euphorbien werden auch durch Stecklinge vermehrt. Hierbei treten immer wieder große Probleme mit Sciara- (Trauermücken)- Larven auf, die mit Nematoden bekämpft werden.

Die Pflanzenhygiene stellt dabei das entscheidende Kriterium dar. Gerade in Jungpflanzenkulturen ist auch die Übertragung von Krankheiten von ganz großer Bedeutung. So müssen die Werkzeuge, wie Scheren und Messer, ständig desinfiziert werden, um die Übertragungsrate zu minimieren.
Seit dem letzten Jahr wird 20% Vulkan- Substrat unter die Pflanzerde gemischt, da große Probleme mit der Feuchtigkeitsspeicherung aufgetreten waren und dadurch auch die Standfestigkeit der Pflanzen verbessert wurde.

Unser Rundgang begann in der Versandhalle, hier wurden gerade die Container für die Chelsea Flower Show zusammengestellt, blühende “Hawaii -Palmen“ und Dichorisandra thyrsiflora ‘Bodine’.
Die Dichorisandra thyrsiflora ‘Bodine’, so wie sie auch auf der IPM vorgestellt wurde, ist eine spezielle züchterische Auslese, denn in der Natur setzt die Blüte in ca. 1,5 m Höhe erst an und damit wäre sie für die Raumbegrünung nicht mehr geeignet.

Sanseverien werden in der Regel nicht in Europa produziert, aber “saubere“ Pflanzen, ohne Flecken und Transportschäden kann man nur auf den Markt bringen, wenn man nach allen Regeln der gärtnerischen Kunst hier in Holland produziert.
Um die Brighamia insignis – “Vulkan- Palme“ zum Blühen zu stimulieren, reicht es aus, die Fenster ab Juli mit “schwarzem Kalk“ (Schwarzkalk) abzudecken, im Frühjahr, wenn die Tage dann wieder länger werden, ist das nicht möglich. Für die Kultur der “Vulkan - Palme“ mussten auch hier neue Wege beschritten werden, denn sie wächst auf 2.000 m Höhe in salzhaltiger Luft.


Um die Pflanzen-Physiologie besser kennenzulernen ist eine Messeinrichtung geschaffen worden, die stündlich die Blatttemperatur misst und alle 10 s die Photosynthese, danach wird dann die Reflektion und der Chlorophyllgehalt gemessen. Bekommt die Pflanze zu viel Licht, schadet auch dies der Pflanze und sie hat Stress, zusätzlich wird der Öffnungsgrad der Poren gemessen, um die Verdunstung festzustellen. Dazu kommen CO2 und zusätzliche Pflanzenparameter, um die Wachstumsgeschwindigkeit zu bestimmen und um das optimale Klima einstellen zu können. Die Vermutung, dass Lichtmangel den größten Stressfaktor ausmacht, hat sich nicht bestätigt, denn die Luftfeuchtigkeit unter 70% war der größte Stressfaktor. Genau so verblüffend war die Erkenntnis, dass die Erhöhung von 300 auf 1.000 ppm CO2 die Wachstumsgeschwindigkeit verdoppelt.

Mittlerweile wird auch der Boden ständig überwacht, getestet werden Feuchtigkeit und Salzkonzentrat; wenn z.B. Standardkulturen bei einem Faktor 1 ½ und 2 optimal wachsen, so liegt dieser Faktor hier bei 6! Diese Erkenntnisse haben dazu geführt, dass heute hier in der Produktion Pflanzen optimal gedeihen, während noch vor einem Jahr alles gelb ausgesehen hat.

Wir sind im Moment mit der Produktion voll ausgelastet, diese Pflanze hier ist 13 Wochen alt und steht in dem neuen Mischboden, noch 10 Wochen, dann ist dieses Sortiment verkaufsreif. Interessant war, dass die Pflanztische in geschlossenen Formationen angeordnet waren und nicht einzeln auseinander geschoben werden konnten. Bei dieser Form der Produktion muss ein hohes Maß an logistischer Vorarbeit geleistet werden, denn schnell einmal eine Palette herausnehmen, ist dabei nicht möglich.
Man muss schon staunen, denn Andrè Dekker sagte, dass in holländischen Gewächshäusern hauptsächlich polnisch gesprochen würde.

Viele, sehr beeindruckende Besonderheiten und Details haben wir gesehen, es war ein äußerst erlebnisreicher Vormittag, wir werden Ihre Einladung, Herr Andrè Dekker, gerne annehmen und wiederkommen.


(16.10.2009)

Update: 2017-12-28 14:37:29